Effizienz- und Einsparpotentiale elektrischer Energie Stromverbrauch in Deutschland steigt bis 2025 um 30 Prozent

Redakteur: Jan Vollmuth

Bei Nutzung aller vorhandenen Technologiepotentiale und ohne jegliche Mengensteigerung beim Einsatz von Elektrogeräten kann der Stromverbrauch in Deutschland um etwa 40% bis 2025 sinken. Unter der Annahme realistischer Verbrauchs- bzw. Effizienzprognosen wird er voraussichtlich um rund 30% Prozent zulegen.

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Diese Prognose präsentiert der VDE in seiner neuesten Studie „Effizienz- und Einsparpotentiale elektrischer Energie in Deutschland – Perspektiven bis 2025 und Handlungsbedarf“. In dieser Studie zeigt die Energietechnische Gesellschaft im VDE (ETG), wie und in welcher Größenordnung mit den heute verfügbaren technologischen Mitteln die Energieeffizienz in Industrie, Verkehr, Haushalten, Gewerbe, Handel und Dienstleistung gesteigert werden kann.

Darüber hinaus wird ein Ausblick auf zukünftige Technologien wie Supraleiter, magnetische Werkstoffe, Magnetlagertechnik oder SiC (Siliziumkarbid)-Technik gegeben. Die VDE-Experten schließen ihre Studie mit konkreten Handlungsempfehlungen für Politik. Industrie und Verbraucher.

Die 48-seitige Studie kann im Internet als PDF-Datei (ca. 6 MByte) heruntergeladen werden (siehe Link-Liste). Sie ist für Mitglieder kostenlos, Nicht-Mitglieder zahlen 150 €.

Wirkungsgrad ist der Schlüssel

Beim Stromverbrauch fällt den Elektromotoren eine Schlüsselrolle zu. Sie verbrauchen die Hälfte der insgesamt in Deutschland erzeugten elektrischen Energie. Am meisten könnten effizientere Drehstrommotoren im Leistungsbereich von 1,1 bis 37 kW sparen. Die Herstellkosten steigen pro Wirkungsgradklasse jedoch um etwa 10 bis 20%.

Von den rund 100 Mio. Haushaltsgeräten, die mit elektrischen Kleinmotoren betrieben werden, haben die meisten Wirkungsgrade zwischen 40 und 75%. Möglich wären nach VDE-Einschätzung 85%. Damit verbundene Energieeinsparpotentiale beziffert der Verband auf ca. 8,2 TWh (Terawattstunden) pro Jahr.

Quelle: VDE (Archiv: Vogel Business Media)

In Deutschland gibt es rund 30 Mio. Heizungspumpen mit einer Leistung unter 200 W. Sie verbrauchen etwa 3,5% der in Deutschland insgesamt eingesetzten elektrischen Energie. Das ist so viel wie der Verbrauch aller Schienenfahrzeuge von Bundesbahn und öffentlichem Nahverkehr. Neueste elektronisch geregelte Heizungspumpen kommen mit bis zu 50% weniger Energie aus als moderne Standardpumpen mit Asynchronmotoren und mit bis zu 70% weniger als ungeregelte Pumpen, wie sie vielfach noch in Gebäuden anzutreffen sind.

Stand-by verbraucht mehr Strom als der Betrieb

„Über die gesamte Laufzeit eines Gerätes kann der Stromverbrauch im Stand-by-Betrieb höher sein als der im produktiven Betrieb“, stellen die Experten in der Studie fest. Durch den Einsatz verbrauchsarmer Geräte und Energie sparendes Verhalten ließen sich die Stand-by-Verluste in den Haushalten um 5 bis 10 TWh reduzieren. Das entspricht 1 bis 2% des gesamten Stromverbrauchs in Deutschland. Auch Handel und Gewerbe könnten ihre Stand-by-Verluste verringern.

Innovationssprung durch LED und OLED

Auch bei der Beleuchtung bestehen bedeutende Einsparpotentiale: Ihr Anteil am Gesamtstromverbrauch lag 2005 bei 9,5% (circa 50 TWh). Die richtige Wahl der Leuchtmittel entscheidet wesentlich über die Effizienz. So beträgt die Lichtausbeute einer Kompaktleuchtstofflampe das Fünffache einer herkömmlichen Glühlampe. Einen weiteren Technologiesprung bringen halbleiterbasierte Lampen, die LEDs (Light Emitting Diode), die in den OLEDs (Organic Light Emitting Diode) eine nochmalige Verbesserung bei Lichtausbeute und Lebensdauer erfahren werden. Weitere Einsparmöglichkeiten bieten Innovationen bei Vorschaltgeräten, die bessere Nutzung des Tageslichts und die Anpassung der Beleuchtungsstärke an den tatsächlichen Lichtbedarf. Es können Einsparungen von bis zu 80% erzielt werden.

Der Stromverbrauch steigt weiter

Die Energietechnische Gesellschaft im VDE hat unter verschiedenen Annahmen den in Deutschland zu erwartenden Stromverbrauch bis zum Jahr 2015 bzw. 2025 berechnet. Nach Überzeugung der Experten erhöht sich der Stromverbrauch trotz zusätzlicher Effizienzsteigerung bis 2025 um fast 30%.

Die Studie empfiehlt eine Reihe von Maßnahmen, um den prognostizierten Anstieg des Strombedarfs doch noch zu bremsen. Dazu zählt neben der wesentlichen Verbesserung der Stromeffizienz energieverbrauchender Geräte, Anlagen und Prozesse die Aufklärung und Sensibilisierung der Verbraucher. Ziel müssen die Veränderung von Gewohnheiten und ein bewusstes Verhalten in Sachen Energieverbrauch sein. Nach Ansicht der Autoren sind finanzielle Anreize notwendig, um Investitionen in Energieeffizienz zu induzieren.

VDE sieht erheblichen Handlungsbedarf

Vorrang sollten laut VDE freiwillige und marktorientierte Maßnahmen haben, die Energiesparen belohnen. Wenn diese nicht ausreichen, sehen die Autoren auch die Notwendigkeit ordnungspolitischer Eingriffe. Die ETG-Experten plädieren für die flächendeckende Einführung eines Energiepasses für stromsparende Geräte und Anlagen mit Angabe der wesentlichen Verbrauchskennziffern.

Ein schwerwiegender Grund für den kontinuierlichen Anstieg des Stromverbrauchs ist der Einsatz kosten- statt energieoptimierter Geräte und Maschinen. Um diesen Trend zu stoppen, müssten sich Investitionen in mehr Energieeffizienz schneller amortisieren, das heißt wirtschaftlich lohnen.

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