IAV Strom aus der Straße
Steckdose und Elektrokabel adieu: Das Elektroauto der Zukunft „tankt“ seinen Strom während der Fahrt oder beim Parken vollautomatisch und berührungslos per Induktion.
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Die Zukunft des Automobils ist elektrisch. Darüber gibt es kaum noch Zweifel. Das größte Problem des Elektroautos ist jedoch die begrenzte Reichweite von derzeit maximal 150 bis 200 km – trotz modernster Lithium-Ionen-Batterie-Technologie.
Das Engineering-Unternehmen IAV (Ingenieurgesellschaft Auto und Verkehr) verfolgt einen vielversprechenden Ansatz, um Elektroautos in Zukunft einfacher, zuverlässiger und bequemer mit Strom zu versorgen und dadurch die Reichweite des Elektroautos deutlich zu erhöhen: „Der Akku wird ohne Kabel während der Fahrt oder beim Parken aufgeladen“, erklärt Wilfried Nietschke, IAV-Bereichsleiter für Technologie Monitoring, das Prinzip.
Induktionsschleifen in der Fahrbahn erzeugen ein Magnetfeld, das die Autos berührungsfrei mit Energie versorgt. Steckdose und ein Kabel sind nicht erforderlich. Lang andauernde Ladeprozeduren oder das aufwendige Wechseln der Batterie können ebenfalls entfallen.
Nietschke ist zuversichtlich, die innovative Technologie in den nächsten Jahren zur Serienreife entwickeln zu können: „Im Modellversuch funktioniert unser neues System bereits tadellos“, sagt der Elektroingenieur und präsentiert als Beweis eine Anlage im Maßstab 1:28. Ein Stück „Ladestraße“ zur Demonstration und eine Versuchsstrecke im Maßstab 1:1 werden bereits in Niedersachsen geplant.
Grundlage sind die Induktionsgesetze nach Faraday
Die IAV macht sich für ihr zukunftsweisendes Projekt die physikalischen und elektromagnetischen Induktionsgesetze nach Faraday zunutze. Stromdurchflossene elektrische Leiter bilden ein elektrisches Feld. Dieses erzeugt unter bestimmten Bedingungen in einem zweiten elektrischen Leiter eine Spannung, obwohl die beiden Leiter sich nicht berühren. Dieses elektrische Feld wird durch stark eisenhaltige Materialien und genau abgestimmte Frequenzen des Wechselstroms so geführt, dass mit hoher Effizienz die Energie vom sendenden zum empfangenden Stromkreis übertragen wird.
Strom tanken während der Fahrt oder beim Parken
In der Praxis wäre zukünftig die Fahrbahn mit versenkten elektrischen Leitern bestückt, die ein Magnetfeld erzeugen. Am Unterboden des Elektroautos befände sich als Gegenstück ein berührungsfreier Aufnehmer, in dem der Strom induziert wird. Das kann direkt während der Fahrt geschehen oder auf Vorrat (bis der Akku voll ist) beim Parken. „Die Straße wird so zum Range Extender“, macht es Wilfried Nietschke anschaulich.
In der Autoproduktion oder auf großen Lagergeländen werden schon heute ferngesteuerte Flurförderfahrzeuge auf diese Art automatisch bewegt und mit Strom versorgt. Ebenso ist die Entwicklung induktiver Stromversorgung von Computern oder Elektrogeräten im Haushalt ein großes Forschungsthema, um den lästigen „Kabelsalat“ abzuschaffen.
„Das seit Langem bekannte Prinzip der elektromagnetischen Induktion bietet zahlreiche Vorteile gegenüber allen bisher diskutierten Alternativen“, ist Wilfried Nietschke daher überzeugt. Induktion ist unempfindlich gegenüber Witterungseinflüssen, und es gibt keinen mechanischen Verschleiß. Die induktive Stromabnahme am Fahrzeug ist von außen auch nicht zu sehen und erlaubt daher den Automobil-Designern alle gewohnten gestalterischen Freiheiten.
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