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Obwohl sich dies die nächsten ein bis zwei Jahre wieder ändern wird, lassen sich zwei gute Gründe dafür finden: Zum einen wurde Deutschland deutlich stärker vom Wechselkurs getroffen, da hierzulande doch mehr Kunden in Euro fakturieren und die Kursschwankungen quasi hier absorbiert wurden. Zum anderen fanden doch einige signifikante Produktionsverlagerungen von deutschen Distributionskunden nach Osteruopa statt.
Ebenfalls interessant ist die Tatsache, dass es zwischen den Halbleitern und den anderen wesentlichen Produktgruppen – Passive Bauelemente und Elektromechanik – einen sehr gravierenden Unterschied gab, wie Grafik 1 zeigt. Während die Halbleiterdistribution am oberen Ende des einstelligen Wachstumsbereichs (7 %) zulegte, lagen die passiven (2 %) irgendwo dazwischen, die Elektromechanik ging sogar zurück (um 2 %) und Displays und Stromversorgungen wuchsen zweistellig (was wohl mehr an Markt als am Reporting der Distribution lag).
Kein Problem für die Broadliner, die alle Bereiche für Ihre Kunden abdecken und die unterschiedliche Preis- und Marktentwicklung abfedern können, aber wer stark auf passive und elektromechanische Bauelemente spezialisiert ist, konnte 2015 nicht so sehr punkten.
Im Jahr 2016, wenig geplagt von Wechselkursrelationen, ergab sich zumindest in der ersten Halbzeit ein solides, richtiges (non-FX) Wachstum von 7,7 % für die Baulementedistribution (7,9 % bei dem Halbleitern, 8,1 % bei den Passiven und „nur“ 1,7 % bei der Elektromechanik). Das lässt sich wohl jetzt nach dem Pausenpfiff kaum halten. Auch wenn sich die Book-to-Bill-Rate derzeit noch stur bei 1 hält, trüben sich die Aussichten derzeit schon leicht ein – das außerordentliche Sommerquartal 2015 wird sich nicht wiederholen –, so dass 2016 wohl eher bei 5 % als bei 10 % Wachstum enden wird.
Langfristig bleibt Deutschland Distributionsmarkt
Was heißt das nun langfristig? Deutschland bleibt ein Hightech-Land, das nicht in der Masse, wohl aber in der Spezialisierung und der Komplexität von Systemen auch weltweit mithalten kann. Die Summe all dieser Spezialanwendungen, bestehend aus Dutzenden von Industrien und Tausenden von Kunden macht’s. Und es sind inzwischen sehr viele Start-ups auf dem Markt, die ihre neuen Internet-of-Things-Anwendungen entwickeln und auf den Markt bringen wollen. Nicht jedes von ihnen wird in Asien fertigen. Deutsche Elektronikfertigungs-Unternehmen mit ihren osteuropäischen Ablegern (unterstützt von der Distribution) bieten hier die Alternative.
Die einzige große „Plattform“, die hierzulande noch eine Rolle spielt – als Plattform bezeichnen wir Anwendungen mit großen Stückzahlen wie Mobiltelefone, PCs, Notebooks oder Tablets – ist das Auto. (Der Grund, warum der Distributionsanteil in Deutschland mit 20 bis 25 % am Gesamtmarkt im europäischen Kontext vergleichsweise niedrig ist, ist übrigens die Dominanz der Automobilelektronik und ein damit verbundener größerer Anteil an Direktgeschäft der Hersteller.)
Und hier sind Entwicklungen im Gange, die trotz VW-Skandal und einem neuen Maß an Ehrlichkeit, das gegenüber dem Verbraucher kommen muss (gibt es eigentlich einen Code of Conduct für diese Branche?), eine Menge Hoffnung machen. Nicht nur E-mobility und selbstfahrendes Auto, auch Batterie- und Akkutechnik, Sensorik, Smart Cities, Verkehrsmanagement, Energiesparen, erneuerbare Energien.
In der Summe eine Menge spielverändernder Faktoren – lesen Sie mehr über die starke Konzentrationsbewegung in der Halbleiterindustrie im Trendartikel ab Seite 10 – die dafür sorgen werden, dass der Markt interessant bleibt. Auf welcher Position die Distribution spielt, bleibt die Frage, die noch zu beantworten ist.
Als nicht produzierende Industrie sind wir sicher nicht die Mittelstürmer oder genialen Passgeber, unsere Rolle ist eher die des defensiven Mittelfeldes – Puffer zwischen Kunden und Herstellern, an Schnittstellen, an denen es vieles abzufangen gilt, wo schnelles und flexibles Umschalten vonnöten ist – die elektronische Doppelsechs, sozusagen. Sowohl im Fußball als auch in der Wirtschaft sind solche Positionen zwar immer unter Druck, aber kaum wegzudenken.
Wie schon in vielen Beiträgen vor diesem bin ich überzeugt, dass Europa und Deutschland Distributionsmärkte sind und bleiben werden. Und dass in der Zukunft deutlich mehr Direktgeschäft auf die Distribution verlagert werden wird – auch wenn es bei einigen (wenigen) Herstellern derzeit anders aussieht.
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Fakten zum EMVG in Deutschland
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Herausforderung Europäisches und Nationales Produktrecht
* Georg Steinberger ist Vice President Communications bei Avnet Electronics Marketing EMEA
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