Ladekonzepte Solar-Ladegeräte für Anwendungen mit einer Li-Ion-Akkuzelle

Autor / Redakteur: Karthik Kadirvel und John Carpenter * / Gerd Kucera

Um Lithium-Ionen-Akkus (Li-Ion) zuverlässig aufzuladen, ist die präzise Kontrolle des Ladeprofils erforderlich. Bei Solar-Ladegeräten sind außerdem noch ganz spezielle Überlegungen notwendig.

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Bei den Lade-ICs der Serie BQ2416x ist es möglich, Grenzwerte für die Eingangsspannung und den Eingangsstrom zu setzen
Bei den Lade-ICs der Serie BQ2416x ist es möglich, Grenzwerte für die Eingangsspannung und den Eingangsstrom zu setzen
(Foto: Texas Instruments)

Das Spektrum der Leistungsaufnahme portabler Geräte umfasst mehr als acht Zehnerpotenzen – angefangen bei elektronischen Schaltungen mit extrem niedriger Stromaufnahme (z. B. drahtlose Sensorknoten, die nur wenige Mikrowatt aufnehmen) bis hin zu Elektronik mit hoher Leistung (hierzu gehören auch Elektrofahrzeuge mit einigen hundert Watt Leistungsaufnahme). In diesem gesamten Leistungsspektrum ergänzen solargespeiste Ladegeräte zunehmend die traditionellen Lösungen zum Aufladen von Akkus. Ladekonzepte, die Steckernetzteile oder den USB-Port nutzen, sind die am weitesten verbreitete Lösungen zum Laden der vielfältigen portablen Elektronikprodukte wie etwa Multimedia-Player, Mobiltelefone und Tablets.

Ergänzendes zum Thema
Solar-Ladegeräte richtig entwickeln

Neben den traditionellen USB- und Steckerladegeräten werden solargespeiste Ladegeräte immer populärer. Beim Entwickeln solcher solarbetriebenen Ladesysteme müssen jedoch Kriterien beachtet werden, die beim Design von konventionellen Ladegeräten, die beispielsweise aus Steckernetzteilen gespeist werden, nicht zum Tragen kommen. Etwa ist eine präzise Kontrolle des Ladeprofils notwendig, um die Kapazität von Li-Ion-Akkus langfristig zu maximieren und den Akku zuverlässig auf seine größtmögliche Kapazität aufzuladen. Allerdings darf ein Solar-Ladegerät beim Versuch, das Ladeprofil des Li-Ion-Akkus einzuhalten, keinen unbeabsichtigten Kollaps des Solar-Panels herbeiführen. Nur wenige Design-Modifikationen reichen aus, damit Ladegeräte für Li-Ion-Akkus wahlweise aus Solar-Panels, USB-Ports oder Steckernetzteilen versorgt werden können.

Beim Design eines mit Solarstrom versorgten Ladegeräts sind aber ganz spezielle Überlegungen notwendig, denn Solar-Panels haben einen relativ hohen Innenwiderstand und ihre abgegebene Ladeleistung hängt von der Stärke des auftreffenden Lichts und von der Temperatur ab. Zu den wichtigen Themen in diesem Zusammenhang gehören die Unterbindung von Rückströmen aus dem Ladegerät in das Solar-Panel, der Kaltstart, das Maximum Power Point Tracking (MPPT), die Bestimmung des Ladeendes und die Vorsorge, dass es zu keinem Kollaps des Solar-Panels kommt.

Die Wandler-Topologie für Ladegeräte

Ein simpler Linearregler ist die einfachste Topologie für ein Ladegerät. Für einen zuverlässigen Betrieb muss dafür gesorgt werden, dass die Ausgangsspannung des Solar-Panels bei allen Einstrahlungsbedingungen größer ist als die vom Linearregler benötigte Eingangsspannung. Ist dies nicht der Fall, können Rückströme auftreten. Zu diesem Phänomen kommt es, wenn die Akkuspannung größer ist als die Spannung der Energiequelle und die gespeicherte Energie deshalb in die Quelle zurückfließt. Solange man sich einer konventionellen Energiequelle (USB-Port) bedient, tritt dieser Effekt normalerweise nicht auf, da die Spannung der Quelle mit 5,0 V stets größer ist als die Spannung einer einzelnen Li-Ion-Zelle (ca. 4,2 V).

Bild 1: Beim Laden der Akkuzelle aus einer USB-Schnittstelle reicht diese einfache Anordnung mit einem Schalter aus
Bild 1: Beim Laden der Akkuzelle aus einer USB-Schnittstelle reicht diese einfache Anordnung mit einem Schalter aus
(Bild: Texas Instruments)
Anders ist es, wenn ein Solar-Panel als Energiequelle dient, denn die Ausgangsspannung des Panels kann bei schwachem Licht durchaus unter die Akkuspannung fallen. Bild 1 zeigt das Prinzipschaltbild eines USB-Ladegeräts, das an einen Akku angeschlossen ist. In konventionellen Ladegeräten soll die Body-Diode des Schalters S1 den Stromfluss unterbinden, wenn S1 abgeschaltet ist. Dies ist in der Tat gewährleistet, weil die Ausgangsspannung des Ladegeräts größer als die Akkuspannung ist. Bei Solar-Panels kann die gleiche Anordnung den Stromfluss dagegen nicht unterbinden, da die Panel-Spannung, wie erwähnt, kleiner sein kann als die Akkuspannung, sodass die Body-Diode nicht mehr sperrt. Erst zwei hintereinandergeschaltete Schalter wie in Bild 2 unterbrechen den Strom hier zuverlässig.

Ein gravierender Nachteil des Linearreglers darf hier nicht verschwiegen werden: Sein Wirkungsgrad ist unzureichend, sobald sich Ein- und Ausgangsspannung stark unterscheiden. Effizienter ist hier ein Schaltregler, der die Spannungsdifferenz zwischen Eingang und Ausgang zur Bereitstellung eines höheren Stroms nutzen kann, um den Akku zügiger zu laden. Das Laden funktioniert sogar dann noch, wenn die Ausgangsspannung des Solar-Panels niedriger ist als die Akkuspannung.

Bild 2: Zwei Schalter hintereinander sind erforderlich, wenn die Akkuzelle aus einem Solar-Panel geladen werden soll
Bild 2: Zwei Schalter hintereinander sind erforderlich, wenn die Akkuzelle aus einem Solar-Panel geladen werden soll
(Bild: Texas Instruments)
Mit der richtigen Schaltregler-Topologie (Aufwärts-, Abwärts- oder Auf-/Abwärts-Wandler) ist ein effizientes Laden des Akkus möglich. Je nach der benötigten Leistung wird die passende Topologie für das Solar-Ladegerät gewählt. Zum Beispiel kommt der Aufwärtswandler BQ25504 für Anwendungen mit weniger als 300 mW Leistungsaufnahme (z. B. drahtlose Sensorknoten) in Frage. Geht es dagegen um Anwendungen mit höherem Leistungsbedarf (etwa Mobiltelefone), dann können Linear-Ladeschaltungen wie der BQ24210 oder geschaltete Lösungen (z. B. BQ2416x) verwendet werden.

Die Tabelle fasst einige der Fakten zusammen, die bei der Entscheidung zwischen Schaltregler und Linearregler beachtet werden müssen
Die Tabelle fasst einige der Fakten zusammen, die bei der Entscheidung zwischen Schaltregler und Linearregler beachtet werden müssen
(Quelle: Texas Instruments)
Die Betriebssituation Kaltstart wurde eingangs erwähnt. Sie liegt vor, wenn der Akku entladen ist und das System nach längerer Dunkelphase anlaufen muss, weil Licht auf das Panel fällt. Bei Linearreglern stellt sich dieses Problem nicht, da die Panel-Spannung hier stets höher ist als die Akkuspannung. Bei einem Schaltregler dagegen ist eine spezielle, mit wenig Spannung auskommende Start-up-Schaltung notwendig, die das System in den regulären Betriebszustand versetzt. Der Baustein BQ25504 zum Beispiel besitzt eine solche Schaltung, die einen tiefentladenen Akku mit einer Eingangsspannung ab 330 mV laden kann. Tabelle 1 fasst einige der Fakten zusammen, die bei der Entscheidung zwischen Schaltregler und Linearregler beachtet werden müssen.

Der Punkt maximaler Leistung: Maximum Power Point Tracking

Das Solar-Panel ist in seiner Ausgangsleistung begrenzt. Eine maximale Leistungsabgabe ist mit einer bestimmten Kombinationen aus Spannung und Strom möglich. Deutlich wird dies an Bild 3, das für ein aus zwei Zellen bestehendes Solar-Panel die Ausgangsleistung und den Ausgangsstrom als Funktion der Panel-Spannung darstellt.

Bild 3: Ausgangsleistung und Ausgangsstrom eines Zwei-Zellen-Solarpanels als Funktion der Panel-Spannung
Bild 3: Ausgangsleistung und Ausgangsstrom eines Zwei-Zellen-Solarpanels als Funktion der Panel-Spannung
(Bild: Texas Instruments)
Der Punkt maximaler Leistung (Maximum Power Point – MPP) wird von Umgebungsbedingungen wie der Temperatur und der Stärke des auftreffenden Lichts beeinflusst. Die Variabilität des MPP macht spezielle Schaltungen erforderlich, um dem MPP zu folgen und für einen größtmöglichen Energieertrag zu sorgen. Für dieses so genannte MPP-Tracking gibt es verschiedene Algorithmen, vom FOCV-Verfahren (Fractional Open Circuit Voltage) bis hin zu ausgefeilten DSP-basierten Lösungen.

Die Wahl des richtigen MPPT-Verfahrens für ein Ladegerät wird in jedem Fall ein Kompromiss zwischen Kostenaufwand und Wirkungsgrad sein, der in hohem Maße von den spezifischen Bedingungen der jeweiligen Applikation bestimmt wird. Der Aufwärtswandler bietet eine per Widerstand programmierbare Technik, um ein Maximum an Leistung aus dem Solar-Panel herauszuholen.

Die Bestimmung des optimalen Ladeendes

Eine präzise Kontrolle des Ladeprofils ist notwendig, um die Kapazität von Li-Ion-Akkus langfristig zu maximieren und den Akku zuverlässig auf seine größtmögliche Kapazität aufzuladen. Ein typisches Ladeprofil für einen Li-Ion-Akku besteht aus der Vorkonditionierung, einer Konstantstrom-Ladephase und einer sich daran anschließenden Konstantspannung-Ladephase (Bild 4).

Bild 4: Verlauf von Spannung und Strom in den verschiedenen Ladephasen eines Li-Ion-Akkus
Bild 4: Verlauf von Spannung und Strom in den verschiedenen Ladephasen eines Li-Ion-Akkus
(Bild: Texas Instruments)
Wenn während der Konstantspannungs-Phase der in den Akku fließende Strom unter 0,1 C (C steht für das Verhältnis von Ladestrom in A geteilt durch die Zellkapazität in Ah) fällt, wird der Ladevorgang beendet. Aus Sicherheitsgründen muss die Ladequelle anschließend vollständig vom Akku getrennt werden. Bei Li-Ion-Akkus ist es notwendig , den Ladestrom als Kriterium zum Bestimmen des Ladeendes zu wählen, denn nur so ist sichergestellt, dass der Akku vollständig aufgeladen wird. Selbstverständlich ist dieses Ladeprofil auch von solargespeisten Ladegeräten einzuhalten.

Der Ladestrom kann bei einem Solar-Ladegerät allerdings auch dadurch zurückgehen, weil das Panel weniger Energie abgibt. Das Panel könnte also potenziell unbegrenzt lange mit dem Ladegerät verbunden bleiben, ohne dass die Kapazität des Akkus zunimmt. Um hier zu verhindern, dass der Akku Schaden nimmt, verwendet man einen Timer mit langer Zeitkonstante, um das Ladegerät vom Solar-Panel zu trennen, wenn der Ladevorgang nach einer bestimmten Zeitspanne nicht beendet ist.

Dynamisches Management von Strom und Spannung

Die Ausgangsspannung und der Ausgangsstrom von USB-Ports und Steckernetzteilen sind genau bekannt. Ladegeräte können deshalb genau auf diese Rahmenbedingungen abgestimmt werden. Anders ist es bei solargespeisten Ladegeräten: Spannung und Strom werden hier von den jeweils herrschenden Umgebungsbedingungen diktiert. Ein Solar-Ladegerät darf beim Versuch, das Ladeprofil des Li-Ion-Akkus einzuhalten, keinen unbeabsichtigten Kollaps des Solar-Panels herbeiführen, wenn das Panel die dafür benötigte Energie nicht liefern kann. Zu diesem Zweck ist ein dynamisches Management von Strom und Spannung nötig. Die entsprechenden ICs sind deshalb mit der Möglichkeit ausgestattet, Grenzwerte für die Eingangsspannung und den Eingangsstrom zu setzen. Sobald der Strom oder die Spannung auf diese Grenzwerte fällt, wird der Ladevorgang beendet, um einen Kollaps des Solar-Panels zu verhindern. Die ICs des Typs BQ2416x von Texas Instruments besitzen diese Fähigkeit, die Eingangsspannung zu programmieren.

* * Karthik Kadirvel... ist Mixed-Signal Design Engineer und

* John Carpenter... Design Engineer in der Battery Monitoring Solutions Group von TI, Dallas.

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