Nachruf Software-Pionier Seymour Papert gestorben
Der Computerpionier Seymour Papert ist am Wochenende im Alter von 88 Jahren verstorben. Der gebürtige Südafrikaner entwickelte unter anderem die Programmiersprache Logo und engagierte sich für das One-Laptop-per-Child-Projekt (OLPC).
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Papert, der im südafrikanischen Pretoria geboren wurde, studierte zunächst Mathematik an der britischen Universität Cambridge. In den frühen sechziger Jahren arbeitete er in Genf mit dem Erziehungswissenschaftler Jean Piaget zusammen. Mitte der sechziger Jahre begründete er zusammen mit Marvin Minsky das Artificial Intelligence Lab am MIT.
Papert, der sich in der Anti-Apartheid-Bewegung engagiert hatte und in Cambridge mit Gedankengut aus dem linken politischen Spektrum im Berührung gekommen war, hielt es für überaus wichtig, das Schul- und Erziehungswesen zu modernisieren. Den klassischen Frontalunterricht lehnte er ab, weil er die Kinder zur Unselbstständigkeit erziehe.
Für Papert war es wichtig, die kreative Entfaltung der Schüler zu fördern. In diesem Zusammenhang propagierte er auch die Idee, den Computer als Lern- und Lehrwerkzeug einzusetzen. Sein pädagogisches Credo lautete: „Die Rolle des Lehrers ist es, die Rahmenbedingungen für Entdeckungen zu schaffen, anstatt vorgefertigtes Wissen weiterzugeben.“
Dieser Grundsatz floss in die Programmiersprache Logo ein, die Papert 1967 zusammen mit Wally Feurzeig, einem Forscher auf dem Gebiet der Künstlichen Intelligenz, erfand. Die Sprache war ursprünglich für didaktische Zwecke konzipiert; mit ihrer Hilfe sollten Konzepte der Computerprogrammierung vermittelt werden.
Die Sprache Logo baute auf Einflüssen der Sprache LISP auf und war deshalb im Bereich der Listenverarbeitung enorm leistungsfähig. Bahnbrechend war vor allem die Turtlegrafik-Engine. Mit ihr war es möglich, ein Objekt, die sogenannte Turtle (Schildkröte), auf dem Bildschirm zu platzieren, sie durch einfache Befehle zu bewegen und Grafiken zu zeichnen.
Die Turtlegrafik gab sofort das Ergebnis der Anweisungen des Computerbedieners aus. Auf diese Weise erhielt der Bediener sofortiges Feedback und konnte quasi durch Versuch und Irrtum lernen. Das Turtle-Prinzip wurde später auch in andere Programmiersprachen wie Python übernommen.
In den achtziger Jahren gab es verschiedentlich Logo-Implementierungen für die damals verbreiteten Home-Computer. Neben BASIC, das praktisch auf jedem Home-Computer als Standard-Programmiersprache verfügbar war, gab es Logo beispielsweise für den Apple II oder den TI 99/4A, einen weiteren Heimcomputer-Pionier jener Jahre. Die Tatsache, dass Logo (mehr noch als BASIC) als Anfängersprache galt, verstellte jedoch ein wenig den Blick auf die Stärken des Systems.
1985 begründete Papert zusammen mit Nicolas Negroponte das MIT Media Lab. Beide arbeiteten auch beim One-Laptop-per-Child-Projekt zusammen, das Kindern in unterentwickelten Ländern einen erschwinglichen Zugang zur Computertechnik eröffnen sollte. Darüber hinaus beriet er den Spielzeughersteller Lego bei der Entwicklung der Robotik-Produktfamilie Mindstorm.
Vor zehn Jahren wurde Papert in der vietnamesischen Hauptstadt Hanoi von einem Motorrad angefahren. Infolge des Unfalls erlitt er schwere Hirnverletzungen. Der Wissenschaftler hatte sich aus Anlass einer Konferenz in der Stadt aufgehalten. Während der langen Phase seiner Rehabilitation wurden Trainings- und Lernmethoden angewandt, die er seinerzeit selbst propagiert hatte.
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