6G-Messtechnik Software-definierte Testumgebungen sprengen Hardware-Grenzen

Von Dipl.-Ing. (FH) Hendrik Härter 2 min Lesedauer

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6G sprengt die Grenzen herkömmlicher Hardware-Messplätze. Während finale Standards noch fehlen, müssen Entwickler bereits heute validieren. Sind KI-gestützte Testumgebungen eine mögliche Antwort?

Die Mobilfunkgeneration 6G stellt hohe Ansprüche an die Testhardware. Der HF-Messtechnik-Anbieter Anritsu schlägt einen neuen Weg bei den Testumgebungen ein.(Bild:  frei lizenziert /  Pixabay)
Die Mobilfunkgeneration 6G stellt hohe Ansprüche an die Testhardware. Der HF-Messtechnik-Anbieter Anritsu schlägt einen neuen Weg bei den Testumgebungen ein.
(Bild: frei lizenziert / Pixabay)

6G stellt Messtechnik-Ingenieure vor fundamentale Probleme: Frequenzbereiche erweitern sich bis 16 GHz und darüber hinaus, Non-Terrestrial Networks (NTN) bringen Satellitenkommunikation ins Spiel, und Multi-Band-Szenarien erfordern simultane Tests über FR1, FR2 und FR3. Gleichzeitig müssen Entwickler bereits heute validieren, obwohl finale 6G-Standards noch nicht existieren.

Traditionelle Hardware-basierte Messplätze stoßen an physikalische und wirtschaftliche Grenzen. Ein Messaufbau für jeden Frequenzbereich, separate Geräte für NTN-Tests und starre Protokoll-Implementierungen führen zu explodierenden Kosten und verlängerten Entwicklungszyklen.

Software-zentrierte Virtualisierung als Ausweg

Die Antwort liegt in der Virtualisierung der Messtechnik. Der Messtechnik-Anbieter Anritsu adressiert das mit dem Virtual Signalling Tester, einem software-basierten System für frühe 6G-Validierung. Diese Lösung wickelt L1/Physical-Layer-Tests, MAC-Layer-Validierung und HF-Interface-Tests (mit SDR) komplett software-basiert ab. Der entscheidende Vorteil: Arbitrary-Waveform-Generierung für noch nicht standardisierte 6G-Kandidaten-Wellenformen - essentiell für die Standardisierungsphase.

Parallel unterstützt Anritsus Field Simulation Test (FST) die Reproduzierbarkeit. Das System erfasst reale Funkumgebungen und bildet komplexe Netzwerk-Propagationsbedingungen im Labor exakt nach. Das ermöglicht nicht nur die Reproduktion von Live-Network-Issues, sondern auch die Entwicklung von Digital Twins für ISAC (Integrated Sensing and Communication) und CSI-Kompression.

Die Hardware folgt diesem Trend: Anritsus MT8000A Radio Communication Test Station integriert als Unified Platform FR1-, FR2- und FR3-Bände bis 16 GHz in einer modularen Architektur. Besonders zukunftsweisend: NTN-Messfähigkeiten für Direct-to-Cell und NR-NTN Protokolle werden als Software-Upgrade nachgerüstet - ein klarer Bruch mit der bisherigen "eine Funktion, ein Gerät"-Philosophie.

KI transformiert Testprozesse

Anritsu setzt dabei auf künstliche Intelligenz für Entwicklungseffizienz. Die KI-unterstützte Test-Sequence-Generation lernt aus historischen Testmustern und realen Daten, um automatisch optimierte Testsequenzen zu generieren. Das senkt nicht nur den Entwicklungsaufwand, sondern verbessert auch die Testabdeckung durch intelligente Muster-Erkennung.

In der Service-Assurance-Platform korreliert Anritsus KI-System Daten aus dem gesamten Netzwerk und wandelt fragmentierte Einzelinformationen in umsetzbare Handlungsanweisungen um. Statt reaktiver Fehlersuche entstehen proaktive, selbstlernende Systeme, die zur Basis autonomer Netzwerke werden.

Praktische Umsetzung für verschiedene Anwendungen

Anritsu demonstriert die Transformation an konkreten Anwendungsfällen.

  • Power-Optimierung: Das Power Consumption Test Environment kombiniert die MT8000A-Plattform mit Qoitechs Otii Power Measurement Suite und SmartViser's Testautomatisierung für eine präzise IoT-Energieverbrauchsanalyse unter realen Betriebsbedingungen.
  • Automotive Testing: In Kooperation mit Valeo bietet Anritsu eine virtualisierte Automotive Testing Solution, die 5G- und C-V2X-Konnektivität in cloud-basierte SDV-Validierung ohne physische Fahrzeuge ermöglicht.
  • NTN-Integration: Real-time Emulation von Satelliten- und Luftverbindungen plus Protocol Stack Verification erweitert die MT8000A-Testmöglichkeiten erheblich.

Anritsu ebnet den Weg zum Software-Ökosystem

6G markiert den Übergang von Hardware-zentrierten zu software-definierten Testumgebungen. Anritsu bietet mit MT8000A, Virtual Signalling Tester und FST bereits heute die Werkzeuge für diese Transformation. (heh)

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