Anbieter zum Thema
Ein kurzer Exkurs zum Thema Stress
Die hormonelle Stressreaktion befähigt uns zum Töten oder Fliehen – ganz so, wie es in der Evolution bisher Sinn gemacht hat. Heutzutage können wir Probleme jedoch kaum noch durch den Einsatz von Muskeln lösen und bräuchten doch vielmehr Ideen, Flexibilität und den Lern-Turbo Glück. Nur leider deaktivieren die Stresshormone die Großhirnrinde und, was zu den psychosomatischen Auswirkungen führt, auch die Thymusdrüse, die für die Immunabwehr zuständig ist.
Diese Drüse, die hinter dem Brustbein liegt, überwacht den gesamten Energiestrom im Körper und wird unter Stress oder abwertenden Gedanken geschwächt. Experten sprechen davon, dass jeder Moment des Ärgers unser Leben um 0.6 Minuten verkürzt.
Doch was genau ist eigentlich der Auslöser für Stress? Stress wird immer dann ausgelöst, wenn eine Bedürfniserfüllung als gefährdet angesehen wird. Hier kommen wir auf den Zusammenhang, der in der Systemischen Therapie als sehr wichtig angesehen wird: Konflikte entstehen immer durch unsere Bewertung. So lesen manche das zu spät kommen des Kollegen vielleicht als mangelnde Wertschätzung und handeln aufgrund dieser Deutung.
Grundhandwerk für ein effizientes Stressmanagement
Probieren Sie es aus: Wenn Sie an eine Stress-Situation der letzten Tage denken, wissen Sie auf Anhieb, welches Bedürfnis, welcher Wert hier bei Ihnen verletzt war? Und können Sie sich auch freundlich in die Bedürfnisse Ihres Konfliktpartners einfühlen?
Das ist meistens gar nicht so leicht, jedoch das Grundhandwerk für ein effizientes Stressmanagement. Die stressbedingte Erschöpfung wird meistens dadurch ausgelöst, dass das Bedürfnis nach Anerkennung oder Selbstbestimmung als verletzt angesehen wird und man es zu lange versäumt hat, die eigenen Bedürfnisse genauso wichtig zu nehmen, wie die von Familie und Beruf.
Eine regelmäßige Reflexion darüber, welche Bedürfnisse gerade erfüllt und welche Bedürfnisse soeben weder gehört noch erfüllt sind, kann helfen, erst gar nicht in die Schieflage zu kommen. Egoismus heißt in der Burnoutprävention nicht, dass wir nur noch die eigenen Belange rücksichtslos durchsetzen, sondern in einem Akt der Selbstliebe täglich neu zu entscheiden, wo es besser ist, NEIN zu den Bedürfnissen anderer zu sagen – und damit JA zu den eigenen. Und ohne Schuldgefühle freundlich sowohl den eigenen Bedürfnissen als auch denen der anderen gegenüberstehen.
Güte: Jeder macht es so gut, wie er gerade kann
Güte bedeutet, dem systemischen Grundgedanken zu folgen, dass es jeder immer so gut macht, wie er es eben im Moment kann. Und dass das jeweilige Handeln vielleicht nicht immer die beste Strategie ist, die zugrunde liegenden Bedürfnisse auch zu erfüllen. Kennen wir das nicht alle, dass man abends im Bettchen mit bitteren Vorwürfen liegt und denkt: Warum hast du da nicht so und warum da so gehandelt? Ganz einfach darum, weil wir unter Stress nicht denken können, unser System ist programmiert auf Problemlösung durch Flucht oder Angriff – und leider nicht auf gütiges, empathisches und lösungsorientiertes Suchen nach einem Konsens, der beiden gut tut.
Grund genug also, Gespräche zu vertagen, wenn wir merken, dass wir gestresst sind. Man muss nicht immer schlag-fertig sein. Erlauben wir uns ruhig, sprachlos zu sein – bei manchen Vorwürfen oder Unterstellungen ist es sicher besser zu sagen: Jetzt bin ich erstmal sprachlos – könnten wir uns morgen um 10 Uhr nochmals treffen?
(ID:42589341)