Industrie 4.0 für das Kabelbestands-Management Smarte Kabeltrommel für eine robuste Fertigung

Von Kristin Rinortner 4 min Lesedauer

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Steht die Fertigung still, weil wichtige Komponenten fehlen, wird es teuer. Das betrifft auch das Kabelmanagement. Viele Unternehmen können ihren Kabelbestand bestenfalls grob schätzen. Eine smarte Sensorik für das Kabeltrommelregal schafft Abhilfe.

Kabel für Industrie 4.0: Die „intelligente“ Kabeltrommel überwacht, wie viel Kabel entnommen wurde und bestellt automatisch nach, sobald eine Mindestmenge unterschritten wird. (Bild:  Sebastian Hauenstein)
Kabel für Industrie 4.0: Die „intelligente“ Kabeltrommel überwacht, wie viel Kabel entnommen wurde und bestellt automatisch nach, sobald eine Mindestmenge unterschritten wird.
(Bild: Sebastian Hauenstein)

Dominik Schmalzried, Global Business Process Owner Digital Innovation bei Lapp erklärt: „Innovation ist kein Selbstzweck, sondern muss immer auf ein konkretes Bedürfnis ausgerichtet sein“. Ein konkretes Bedürfnis, das er identifiziert hat: Kunden wünschen sich mehr Überblick über ihren Kabelbestand.

„Einem Kunden, mit dem ich gesprochen habe, ging ein wichtiges Kabel im ungünstigsten Moment aus, der Maschinenbau stand still, und das Unternehmen musste pro Woche Verzögerung ein Prozent des Maschinenwerts als Abschlagzahlung leisten – da kamen schnell unnötige Kosten von mehreren Tausend Euro pro Woche zusammen.“

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Das Innovationsteam des Stuttgarter Kabelspezialisten hatte schon länger die Idee zur Lösung des Problems: die „intelligente“ Kabeltrommel. Sie überwacht, wie viel Kabel entnommen wurde und bestellt automatisch nach, sobald eine Mindestmenge unterschritten wird. Unter der Leitung von Dominik Schmalzried entwickelte das Team, inklusive seiner Kollegen Manuel Richter, Digital Sales Manager, und Dr. Patrick Olivan, Head of Business Development, das „eKanban“ genannte System in enger Abstimmung mit dem Kunden weiter.

Wie macht man eine Kabeltrommel schlau?

Wenn die Lagermitarbeiter bei manchen Unternehmen schon nicht wissen, wie viel Kabellänge noch übrig ist, woher soll es dann eine Holztrommel wissen? Was scherzhaft klingt, beschäftigte das Innovationsteam in Stuttgart tatsächlich eine geraume Zeit. Zuerst sollten Abstandssensoren Aufschluss geben, wie viel Kabel von einer Trommel entnommen wurde und wie viel noch verbleibt. Doch diese Methode erwies sich als zu ungenau. In der zweiten Version nutzte das Team einen Trägheits-Sensor, der die Umdrehungen der Trommel misst und daraus die entnommene Kabelmenge berechnet.

„Statt 10 bis 15 Prozent Ungenauigkeit liegen wir mit der neuen technischen Lösung bei einer Abweichung von ±1 Prozent – das ist für den Anwendungszweck mehr als akzeptabel“, sagt Schmalzried. Die Lösung ließen sich die Stuttgarter daher patentieren. Sie besteht aus dem erwähnten Trägheitssensor an der Kabeltrommel oder der Achse und einem Display, das am Trommelregal angebracht ist.

eKanban: Web-basiertes Dashboard

Die Basis bildet ein web-basiertes Dashboard, in dem nicht nur die Monteure der Kunden, sondern auch weitere wichtige Personen wie Einkäufer bequem von ihrem Arbeitsplatz Zugriff auf alle Kabelbestände haben. Die Sensorik zeichnet sich durch eine sehr lange Akkulaufzeit aus und lässt sich einfach an bestehende Kabelregale und -trommeln nachrüsten.

Hinzu kommt eine Anbindung an digitale Systeme von Lapp. Schnittstellen zu ERP-Systemen soll das „eKanban“ im Zuge der Entwicklung zur Serienreife später ebenfalls bieten – nach dem Motto: Industrie 4.0 für das Kabelbestands-Management. Damit kann „eKanban“ schon bald das Kabelbestands-Management und die Prozess-Sicherheit revolutionieren, auch bei Regalen und Trommeln anderer Anbieter.

Effizient und sicher dank automatischer Nachbestellung

Auf einem digitalen Dashboard lässt sich das System konfigurieren und kontrollieren. Nutzer sehen darauf stets den Füllstand jeder ihrer Kabeltrommeln nahezu in Echtzeit. Zudem können sie einen Schwellenwert für automatische Bestellungen festlegen. Wenn das System an Lapp angebunden ist, kann der Bestelltermin flexibel eingerichtet werden, erklärt Schmalzried: „Die Daten, die unsere Sensoren erfassen, werden uns helfen, vorauszusagen, wie viel Kabellänge in einem bestimmten Zeitraum verbraucht wird. Das System prüft im Lapp-System, wie lange eine Lieferung zu diesem Zeitpunkt dauern wird.“ Durch einen Abgleich der Verbrauchs- und Lieferprognose-Daten kann das System dann die Nachbestellung so terminieren, dass Nachschub rechtzeitig da ist.

Schmalzried ist sich sicher, dass solche Lösungen bald die Regel werden: „Unternehmen erleben heute hochkompetitive Märkte und müssen daher auf höchstmögliche Effizienz setzen. Zudem sind sie auf maximale Prozess-Sicherheit angewiesen. Letzteres ist aufgrund strapazierter Lieferketten eine besondere Herausforderung. Vernetzung und Automatisierung bieten hier großes Potenzial, weil sie ineffiziente manuelle und damit fehleranfällige Prozesse reduzieren. Und weil sie auf Kunden- wie auch auf Lieferantenseite mehr Transparenz schaffen, welche die Planbarkeit verbessert.“

Bei der Entwicklung ist Kundennähe Prinzip

Für das Stuttgarter Familienunternehmen ist es ein zen­traler Grundsatz: Die Kollegen wollen Innovation entwickeln, nicht weil sie es können, sondern weil es den Kunden etwas bringt. Das galt in besonderem Maße für das „eKanban“-System. Daher präsentierte das Innovationsteam aus Stuttgart seine Entwicklung schon in einem frühen Stadium auf Messen, denn das Feedback der Nutzer sollte ausschlaggebend für die weiteren Weichenstellungen sein.

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Schmalzried erklärt: „Man weiß vorher nie, wie die Reaktionen ausfallen, und das kundenseitige Interesse für eine Innovation sollte frühestmöglich in der Entwicklung erprobt und validiert werden, um sicherzustellen, dass wir mit unseren Gedanken auf dem richtigen Weg sind. In dem Fall aber war das ein voller Erfolg, da gab es einige Messebesucher, die hätten das System am liebsten gleich in ihren Betrieb mitgenommen.“

Pilotkunden testeten in den folgenden Monaten das System, damit es bei seiner Markteinführung gleich vollumfänglich einsatzfähig sein konnte. Nutzer profitieren von den Vorteilen wie geringere Prozesskosten, effiziente Lagerhaltung und die Vermeidung von Produktions-Stillständen.

Schmalzried hat aber jetzt schon neue Ideen für digitale Innovationen: „Mit der mitdenkenden Kabeltrommel haben wir nicht das letzte Wort gesprochen, sondern nur einen weiteren Baustein geschaffen. Innovative Lösungen, die einen echten Mehrwert bringen, haben bei uns einen hohen Stellenwert, und ich freue mich darauf, bei ihrer Entwicklung und Umsetzung mitzuwirken.“ (kr)

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