Automobilzulieferer und Technologiekonzern Bosch reagiert auf die zu erwartenden Marktentwicklungen: Die Belegschaft in Bühl/Bühlertal wird verschlankt, das Werk in Göttingen verkauft und der Münchener Standort steht vor einer ungewissen Zukunft.
Autos mit Verbrennungsmotoren sind angezählt: Bosch rechnet mit sinkenden Absatzzahlen bei Komponenten für diese Fahrzeuggattung – und passt seine Produktionsstätten an.
Auf der einen Seite stehen theoretische Abhandlungen: Wird die Elektromobilität Jobs bringen oder kosten? (Spoiler: Es wird auf jeden Fall deutliche Verschiebungen geben.) Auf der anderen Seite gibt es bereits ganz konkrete Auswirkungen: Großkonzern Bosch, einer der wichtigsten Zulieferer der Automobilindustrie, hat angekündigt, mehrere Werke verschlanken beziehungsweise verkaufen zu wollen, die in erster Linie Teile für Autos mit Verbrennermotoren herstellen: Kraftstoffpumpen, Einspritzventile und ähnliches.
Im Fokus steht zum Beispiel der Standort im badischen Bühl/Bühlertal: Hier entstehen unter anderem Kleinmotoren, die etwa bei Fensterhebern oder Sitzverstellern zum Einsatz kommen. Von den 3.800 beschäftigten Mitarbeitern werden voraussichtlich rund 700 ihren Vollzeitjob verlieren – möglicherweise auch deutlich mehr.
Bühl/Bühlertal ist Bosch-Hauptsitz für elektrische Antriebe
In Bühlertal befindet sich der Hauptsitz von Bosch Electrical Drives, das Stammwerk steht im benachbarten Bühl. Nach eigenen Angaben koordiniert Bosch von Bühlertal aus „seit über 50 Jahren das weltweite Geschäft mit elektrischen Antrieben“; Vertrieb, Entwicklung und Verwaltung haben dort ihren Sitz.
Laut Bosch werden im Werk Bühl – dem „Leitwerk im internationalen Produktionsnetzwerk des Geschäftsbereichs Electrical Drives“ (Bosch Homepage) – jährlich über 100 Millionen elektrische Antriebe gefertigt: „Unser Stammwerk zeichnet sich durch schlanke Prozesse, gut ausgebildete und motivierte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, eine regional starke Zulieferstruktur und die Erfüllung höchster Qualitätsanforderungen aus.“
Heftige Kritik seitens der IG Metall: „Mitarbeiter fühlen sich hintergangen“
Offenbar sind die Prozesse nicht schlank genug: Bereits seit Mitte 2020 beraten laut Bosch-Mitteilung Management und Betriebsrat darüber, wie der Standort langfristig wieder „solide Ergebnisse“ erwirtschaften kann. Wie Bosch am Donnerstag gegenüber der Deutschen Presseagentur dpa mitteilte, gehe es darum, die „Wettbewerbsfähigkeit in einem hart umkämpften Marktumfeld wiederherzustellen“. Gegen einen Stellenabbau hatten damals rund 300 Mitarbeiter demonstriert.
Wie zu erwarten kritisiert die IG Metall die Entscheidung heftig. Ein Gewerkschaftssprecher sagte, die Belegschaft hätte über Jahre tarifliche Zugeständnisse gemacht, um einen Stellenabbau zu verhindern. Entsprechend sei die Stimmung nun am Boden. Nach Auffassung der IG Metall sind von dem geplanten Arbeitsplatzabbau entgegen den offiziellen etwa 700 mehr als 1000 Menschen betroffen. Nach eigenen Angaben plant Bosch, die Arbeitsplätze bis Ende 2025 sozialverträglich abzubauen. Betriebsbedingte Kündigungen sollen bis dahin ausgeschlossen sein.
München, Göttingen: Weitere Standorte blicken in eine ungewisse Zukunft
Bühl und Bühlertal sind nicht die einzigen betroffenen Werke: Auch die Zukunft des Standorts München ist ungewiss. Hier fertigen etwa 250 Beschäftigte elektrische Kraftstoffpumpen und Einspritzventile. Auch hier würden gerade Gespräche mit den Arbeitnehmervertretern über die Zukunft des Werks geführt, berichtet die dpa. Der Grund: Die Automobilindustrie ist im Wandel, alternative Antriebe sind auf dem Vormarsch. Entsprechend geht Bosch für die nächsten Jahre von einer weiter rückläufigen Stückzahlentwicklung der hier gebauten Komponenten aus.
Sein Werk in Göttingen verkauft Bosch an Gotion High-Tech: Das chinesische Unternehmen stellt Batterien und Energieübertragungssystemen her und will hier eine Montage von Lithium-Ionen-Batterien aufbauen. Der Kaufvertrag sei am 15. Juli unterzeichnet worden. An dem Standort sind 300 Mitarbeiter auf die Sortierung und Aufbereitung von gebrauchten Ersatzteilen zur Wiederverwertung spezialisiert. Darüber hinaus produzieren sie Anlasser, elektrohydraulische Bremsen und andere Komponenten.
Diese Transformation stellt den gesamten Arbeitsmarkt vor Probleme: Job ist nicht gleich Job. Mitarbeiter, die bisher in der Produktion gearbeitet haben, sind in der Regel nicht qualifiziert, gleich andere Positionen beispielsweise in einer Hightech-Chipfabrik einzunehmen. Zumal die Produktion hier weitgehend automatisiert ist und Stellen eher in der Entwicklung und Prozesstechnik zu besetzen sind. Hier sind umfangreiche (Um-)Schulungsmaßnahmen erforderlich – und die sind teuer, während gleichzeitig ein Erfolg nicht garantiert ist.
Stand: 08.12.2025
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