Industrielle Mobilfunknetze Siemens bringt privates 5G-Netz in die USA und rüstet Router für Edge-Anwendungen auf

Von Manuel Christa 3 min Lesedauer

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Siemens bringt sein privates 5G-Netz in die USA und nutzt die Lücke, die der Bann chinesischer Netzwerktechnik hinterlässt. Gleichzeitig erhalten 5G-Router neue Edge-Funktionen, um den wachsenden Datenmengen in Fabriken zu begegnen.

Private Netze: Siemens erweitert seine private 5G-Infrastruktur auf die USA und sieben weitere Länder(Bild:  Siemens AG)
Private Netze: Siemens erweitert seine private 5G-Infrastruktur auf die USA und sieben weitere Länder
(Bild: Siemens AG)

Zwei neue Funkeinheiten, die das 3,8- bis 4,2-Gigahertz-Band sowie das US-spezifische CBRS-Band abdecken, erweitern das Angebot von Siemens. Das Unternehmen bietet seine private 5G-Infrastruktur künftig in insgesamt 15 Ländern an. Zu den neuen Märkten gehören neben den USA auch Belgien, Kanada, Finnland, Frankreich, Norwegen, Polen und Großbritannien. Während Kunden in den europäischen Ländern und Kanada die Technik zeitnah nutzen, plant Siemens den USA-Markteintritt für den Sommer 2026.

Strategischer Vorteil durch US-Sicherheitspolitik

Das passiert in einem strategisch günstigen Umfeld: Da die US-Regierung den Einsatz von Hardware chinesischer Ausrüster aus Gründen der nationalen Sicherheit stark einschränkt, suchen amerikanische Industrieunternehmen nach vertrauenswürdigen Anbietern, also „Trusted Vendors“, wie Siemens einer ist. Das dedizierte CBRS-Band erlaubt es den Fertigungsbetrieben, eigenständige 5G-Netze auf dem eigenen Werksgelände aufzubauen und zu betreiben. Sie binden dafür keine externen Mobilfunkanbieter ein und behalten die volle Souveränität über ihre kritischen Daten.

Siemens rüstet zudem die Hardware vor Ort auf. Die Entwickler statten die bestehenden 5G-Router mit Edge-Laufzeitumgebungen aus. Anwendungen laufen dadurch direkt auf dem Endgerät ab. Zusätzliche Hardware entfällt, während die Systeme Daten direkt in der Fabrikhalle in Echtzeit verarbeiten. Diese Entwicklung soll ein drängendes Problem der modernen Fertigung lösen: Weil Unternehmen verstärkt Künstliche Intelligenz in ihren Fabriken nutzen, wachsen die Datenmengen rasant. Unlizenzierte WLAN-Frequenzen stoßen in dicht bebauten Industrieumgebungen zunehmend an ihre Grenzen und überlasten. Die private 5G-Infrastruktur weicht auf lizenzierte Frequenzen aus und liefert so eine störungsfreie Verbindung für kritische Geschäftsanwendungen.

Autonomie für Anlagenbetreiber

Axel Lorenz, Leiter der Prozessautomatisierung bei Siemens: „Mit unserer privaten 5G-Infrastruktur, die bald in den USA verfügbar sein wird, geben wir Herstellern die Werkzeuge an die Hand, um ihr eigenes zuverlässiges und sicheres digitales Rückgrat aufzubauen – zu ihren Bedingungen, auf ihrem Werksgelände und vollkommen unter ihrer Kontrolle.“

Siemens konzipierte die Lösung für industrielle Anwendungsfälle und gliederte sie in sein Xcelerator-Portfolio ein. Der Anlagenbetreiber steuert das Netzwerk lokal. Das System überträgt Daten über Automatisierungsprotokolle wie Profinet und erlaubt es den Nutzern, die Kapazitäten für Uploads und Downloads flexibel anzupassen. Anwender richten das Netz über ein webbasiertes Dashboard ein, in dem sie lediglich rund 20 Variablen verändern.

Der TÜV zertifizierte die Lösung zudem für die drahtlose Kommunikation über das Protokoll Profisafe. Dadurch sichert die Infrastruktur im Zusammenspiel mit den 5G-Routern und Sicherheitsausrüstung von Siemens auch kritische Prozesse ab.

Netzwerke virtuell planen und absichern

Auf der Hannover Messe zeigt Siemens sein industrielles Vernetzungsportfolio. Dieses verknüpft kabelgebundene und drahtlose Netzwerke, Switching, Routing und Stromversorgungen. Neben der 5G-Infrastruktur stellt das Unternehmen aktuelle Switches aus, die einzelne Produktionszellen an übergeordnete Netzwerkschichten anbinden. Stromversorgungen der Sitop-Reihe bewahren die kritische Kommunikationsinfrastruktur dabei vor Ausfällen.

Eine Software für Netzwerkmanagement und Diagnose steuert das Gesamtsystem. Siemens verwendet hierfür die Programme der Sinec-Familie. Diese arbeiten nach einem Zero-Trust-Prinzip und beinhalten einen digitalen Zwilling für industrielle Netzwerke. Anwender planen, simulieren und prüfen damit komplexe Architekturen am Rechner, bevor sie die Geräte in der Fabrik aufbauen. Um IT-Systeme vor Cyberangriffen zu bewahren, wachen Schutzlösungen über den Datenverkehr. Anlagenbetreiber bauen so Netze auf, die eine datengetriebene Produktion verlässlich tragen. (mc)

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