Der japanische Halbleiterhersteller Renesas stellt sich komplett neu auf. Seine „One Global Renesas“-Strategie führt zu drastischen Veränderungen, sowohl bei der Unternehmensstruktur als auch bei den Leitungspositionen. In Zukunft besteht das Unternehmen aus nur noch zwei statt bisher drei Geschäftseinheiten, außerdem verlässt der bisherige EMEA-Chef Michael Hannawald das Unternehmen.
Verschmelzung: Die bisherigen Geschäftsbereich „Industrial Solutions“ und „Broad-based Solutions“ führt Renesas zur „IoT and Infrastructure Business Unit“ zusammen.
(Bild: Renesas)
Am heutigen Freitag will Renesas die Übernahme von Integrated Device Technologies (IDT) abschließen. Die milliardenschwere Akquisition hatte Renesas im September 2018 angekündigt, nun wurde sie behördenseitig genehmigt. Mit dem Abschluss der Übernahme gliedert das japanische Halbleiterunternehmen auch seine weltweite Aufstellung neu. Einige bisherige Leitungspositionen fallen weg, neue entstehen. Mehrere Executive-Mitarbeiter müssen dafür ihren Hut nehmen.
Die laufende „One Global Renesas“-Strategie umfasst weitreichende Änderung der Organisationsstruktur sowie umfassende Wechsel in der Geschäftsführung auf mehreren Ebenen. Die bisherige Aufstellung wird in eine Struktur mit zwei Geschäftseinheiten überführt. Bereits im Juli 2019 soll die neue Organisationsstruktur in Kraft treten.
Bisheriger IDT-Technologiechef übernimmt die Leitung von Renesas Electronics America
Laut Renesas wolle man „über den japanischen Managementansatz hinausgehen“ und die „One Global Renesas“-Strategie durch einen Ansatz auf der Grundlage einer überregionalen, globalen Organisationsstruktur realisieren.
Der derzeitige Executive Vice President, Global Operations und Chief Technology Officer von IDT, Dr. Sailesh Chittipeddi, wird zum 30. März 2019 die Funktionen des Präsidenten und CEO von IDT und des Executive Vice President von Renesas übernehmen. Dieser Schritt soll dazu beitragen, die Geschäftsaktivitäten von IDT schnell zu integrieren.
Zwei Geschäftsbereiche werden zusammengelegt
Weiterhin wird Renesas zum 1. Juli 2019 die derzeitige „Industrial Solution Business Unit“ (IBU) und die „Broad-based Solution Business Unit“ (BBU) zur neuen „IoT and Infrastructure Business Unit“ (IIBU) zusammenführen. Zusammen mit der derzeitigen „Automotive Solution Business Unit“ (ABU) wird das IIBU die zweite Säule des Geschäftsmodells von Renesas. Mit der neuen Organisationsstruktur sieht sich Renesas besser gerüstet, Produkte und Lösungen mit hohen Gewinnmargen zu entwickeln.
Renesas mischt die Karten auf mehreren Führungsebenen neu. Mehrere Executive-Vice-President- und Senior-Vice-President-Positionen entfallen oder werden durch neue ersetzt. Ein Prominantes Beispiel ist der bisherige EMEA-Chef Michael Hannawald, der in der neuen Aufstellung seine bisherige Position als „Senior Vice President and Deputy General Manager of Industrial Solution Business Unit“ verliert.
Renesas und die vermeintlichen Produktionsstopps
Zuletzt war Renesas in die Schlagzeilen geraten, da es Produktstopps an mehreren seiner Fertigungsstandorte in Erwägung zieht, um auf die schwächelnde Nachfrage nach Halbleitern im Markt zu reagieren. Die Überlegungen führten zu teils heftigen Reaktionen: So schmierte der Aktienkurs an einem Tag um über 14% ab. Völlig überzogen, meint Renesas. Denn laut einer Unternehmenssprecherin in der japanischen Firmenzentrale ist noch gar nicht sicher, ob es überhaupt zu einer Drosselung der Fertigung kommt.
Derzeit überlege man sich lediglich Maßnahmen, mit denen das Unternehmen frühzeitig auf eine schwankende Nachfrage reagieren kann. Dazu gehören Möglichkeiten, die Frontend-Fabriken für bis zu zwei Monate und die Backend-Fabriken für mehrere Male über einen Zeitraum von einer Woche auszusetzen. Welche Fabrik wie lange heruntergefahren werde, hänge von der Entwicklung der Nachfrage und vom Lieferstatus bei den Kunden ab.
„Hintergrund für diese Überlegungen ist die schwankende Halbleiternachfrage, bedingt durch die potenziellen Auswirkungen von Marktunsicherheiten im laufenden Geschäftsjahr“, sagt die Unternehmenssprecherin. Auf diese wolle man flexibel und zeitnah reagieren können. „Abhängig von der Nachfrageentwicklung besteht die Möglichkeit, dass wir diese Maßnahme nicht im August umsetzen.“
Aus der Vergangenheit lernen und rechtzeitig reagieren
In der der Vergangenheit habe es immer wieder Phasen gegeben, in denen es trotz Anpassen der Produktion nicht gelungen sei, die Nachfrageschwankungen abzufangen. Die Folge seien Überbestände gewesen, erklärt Renesas. Aus dieser Erfahrung heraus beabsichtige man nun, eine Struktur aufzubauen, die in der Lage ist, Überbestände zu unterdrücken und den Gewinn trotz schwächerer Nachfrage zu sichern.
Dadurch wolle man besser in der Lage sein, plötzlichen Veränderungen der Nachfrage gerecht zu werden und gleichzeitig die Produktionsauslastung an die Kosten anzupassen. Auch in Zukunft werde „Renesas weiterhin flexibel Entscheidungen über den Betrieb seiner Fabriken treffen“.
Stand: 08.12.2025
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