Gestiegener Umsatz Rohde & Schwarz durchbricht 3-Milliarden-Marke

Von Dipl.-Ing. (FH) Hendrik Härter 3 min Lesedauer

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Das geopolitische Umfeld und die weltweite wirtschaftliche Lage waren für Rohde & Schwarz keine einfachen Rahmenbedingungen. Dennoch durchbrach der Münchner Technologiekonzern die Umsatzmarke von 3 Mrd. Euro. Das ist allerdings nicht auf das Kerngeschäft Messtechnik zurückzuführen.

Rohde & Schwarz erweitert seine Teams am Hauptsitz in München sowie an mehreren deutschen und internationalen Standorten. Weltweit beschäftigt das Unternehmen inzwischen mehr als 15.000 Mitarbeiter, davon fast 10.000 in Deutschland.(Bild:  Rohde & Schwarz)
Rohde & Schwarz erweitert seine Teams am Hauptsitz in München sowie an mehreren deutschen und internationalen Standorten. Weltweit beschäftigt das Unternehmen inzwischen mehr als 15.000 Mitarbeiter, davon fast 10.000 in Deutschland.
(Bild: Rohde & Schwarz)

Der Messtechnikmarkt durchlebt derzeit eine der herausforderndsten Phasen der vergangenen Jahre. Während die Halbleiterindustrie mit Nachfrageschwankungen kämpft und viele Elektronikentwickler ihre Investitionen zurückhalten, zeigt sich: Wer breit aufgestellt ist, fährt besser durch die Krise. Rohde & Schwarz, einer der etablierten Platzhirsche in der elektronischen Messtechnik neben Keysight und Tektronix, demonstriert das eindrucksvoll.

Rohde & Schwarz hat im Geschäftsjahr 2024/25 einen Umsatz von 3,16 Mrd. Euro erreicht (+7,8 %), womit erstmals die Drei-Milliarden-Grenze überschritten wurde. Das Wachstum kommt allerdings nicht aus dem Kerngeschäft Messtechnik, sondern primär aus dem Sicherheits- und Verteidigungsbereich, der die schwächelnde Nachfrage nach Messgeräten kompensiert.

Messtechnik stabilisiert sich durch Portfoliobreite

Während das Marktumfeld für elektronische Messtechnik weiterhin herausfordernd bleibt, zeigt sich das diversifizierte Produktportfolio von Rohde & Schwarz als stabilisierender Faktor. Kunden nutzen die Testlösungen zunehmend für 6G-Forschung, KI-Integration in Mobilfunknetze sowie für die Entwicklung von Sensor-Kommunikations-Systemen.

Die Münchner setzen dabei auf Frequenzen über 100 GHz, Millimeterwellen-Technologie und modulare Softwarearchitekturen. Ein konkretes Ergebnis der F&E-Arbeit ist der im Juni 2025 eingeführte Signal- und Spektrumanalysator FSWX für Satellitentests und Mobilfunkanwendungen.

6G-Entwicklung mit Nvidia vorangetrieben

In der Kooperation mit Nvidia konnte Rohde & Schwarz einen Durchbruch bei KI-gestützten Mobilfunktests erzielen. Der auf dem MWC 2025 gezeigte Proof-of-Concept ermöglicht Tests neuronaler Empfänger für 5G-Advanced und 6G. Solche Testverfahren werden für die Entwicklung der nächsten Mobilfunkgeneration kritisch.

Die Konvergenz terrestrischer und satellitengestützter Mobilfunknetze treibt die Nachfrage nach spezialisierten Testlösungen. Rohde & Schwarz demonstrierte bereits 5G-Satellitentechnologie für nicht-terrestrische Netze auf der World Expo 2025 und realisierte eine Verbindung über die OneWeb-Konstellation von Eutelsat.

Strategische Erweiterungen des Technologieportfolios

Durch gezielte Akquisitionen hat der Konzern seine Marktposition ausgebaut: Die Partnerschaft mit Start-up fiveD ermöglicht digitale Radarentwicklung und -optimierung. Mit ZES Zimmer Electronic Systems wurde das Portfolio um Präzisions-Leistungsmesstechnik für E-Mobilität und erneuerbare Energien erweitert.

Aktuelle strategische Schritte umfassen die Übernahme von Munich Innovation Labs (Data Analytics) und eine Beteiligung an Orbint für weltraumgestützte Signalaufklärung.

Partnerschaft mit Trumpf für Drohnenabwehr

Ein strategischer Schwerpunkt liegt auf Anwendungen für kritische Infrastrukturen. Im Oktober 2025 gaben Rohde & Schwarz und Trumpf ihre Partnerschaft zur Entwicklung einer umfassenden, souveränen Drohnenabwehrlösung bekannt. Das System kombiniert die Drohnenerkennungstechnologie von Rohde & Schwarz mit der Lasertechik von Trumpf. Rohde & Schwarz hatte bereits seine bewährten Drohnenerkennungs- und -abwehrsysteme weiterentwickelt. Neu ist die Fähigkeit, nicht autorisierte Drohnen in 5G-Campusnetzen zu identifizieren. Die Partnerschaft mit TRUMPF erweitert das Portfolio um hochpräzise Laserwaffen für den Schutz kritischer Infrastrukturen wie Flughäfen, Kraftwerke oder Regierungsgebäude.

Verteidigung kompensiert Messtechnik-Schwäche

Der Auftragsbestand von über fünf Mrd. Euro resultiert hauptsächlich aus Sicherheits- und Verteidigungsprojekten. Dazu gehören das D-LBO-Programm (Digitalisierung Landbasierter Operationen) der Bundeswehr, Marineprojekte für deutsche F124-Fregatten und australische Hunter-Klasse-Fregatten sowie KI-Backbone-Entwicklung für das FCAS (Future-Combat-Air-System-)Kampfflugzeugprogramm.

Als Reaktion auf die hohe Auftragslage plant Rohde & Schwarz den Ausbau der Produktionsstandorte in Deutschland, Tschechien und Malaysia. In den vergangenen Jahren flossen bereits 300 Mio. Euro in die Fertigungskapazitäten. Die Belegschaft wuchs auf über 15.000 Mitarbeiter weltweit, davon fast 10.000 in Deutschland.

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F&E-Quote bleibt zweistellig

Trotz der Marktvolatilität hält Rohde & Schwarz an hohen Forschungsausgaben fest. Der zweistellige Prozentsatz des Umsatzes fließt weiterhin in Entwicklungsprojekte, mit Fokus auf Schlüsseltechnologien wie KI, Halbleiterentwicklung und Hochfrequenztechnik über 100 GHz.

Für Elektronikentwickler bedeutet das: Ein etablierter Messtechnik-Anbieter bleibt investitions- und lieferfähig, auch wenn das Kerngeschäft unter Druck steht. Die Diversifikationsstrategie scheint aufzugehen – allerdings zu einem Preis: Die Abhängigkeit von staatlichen Aufträgen steigt. (heh)

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