Mit satter staatlicher Unterstützung gründen acht japanische Großkonzerne einen neuen Halbleiterproduzenten: Rapidus. Im Gegensatz zu China kann Japan dabei mit Unterstützung aus den USA rechnen.
In puncto Anteil am Halbleitermarkt spielt Japan derzeit in der Bonsai-Liga. Doch das Land will – ähnlich wie Europa – wieder eine größere Rolle im Chipmarkt einnehmen. Und zur Diversifizierung der globalen IC-Lieferketten beitragen.
Der ehemalige Halbleiterprimus Japan bäumt sich auf: Eine Allianz von nationaler Technologieunternehmen hat mit Unterstützung des japanischen Wirtschaftsministeriums einen neuen Halbleiterhersteller aus der Taufe gehoben. Ziel des „Rapidus“ genannten Unternehmen ist es, integrierte Schaltkreise mit neuesten Fertigungsprozessen herzustellen. So will das Reich der aufgehenden Sonne unabhängiger von ausländischen Chipfertigern werden.
An dem Gemeinschaftsunternehmen sind global agierende Konzerne beteiligt, darunter Elektronikhersteller Sony Group, NEC, Arm-Eigner SoftBank, Nippon Telegraph and Telephone (NTT), Denso und Speicherspezialist Kioxia (früher Toshiba Memory) sowie Toyota Motor. Nach vorliegenden Informationen wird jeder Partner zunächst 1 Milliarde Yen (6,9 Millionen Euro) Startkapital für Rapidus aufbringen. Auch die Großbank Mitsubishi UFJ will sich beteiligen.
Das japanische Wirtschaftsministerium hat am heutigen Freitag angekündigt, das Vorhaben mit bis zu 70 Milliarden Yen (480 Millionen Euro) unterstützen zu wollen. Diese Bereitschaft kommt nicht von ungefähr: Wirtschaftsminister Yasutoshi Nishimura sagte vor Journalisten, dass Halbleiter kritische Komponenten seien für die Entwicklung von Technologien wie Künstliche Intelligenz sowie für die Digitalisierung beispielsweise der Industrie und des Gesundheitswesens. Ihre Bedeutung für die eigenen Wirtschaft kann man daher nicht hoch genug einschätzen.
Diversifizierung der Lieferketten
Damit reiht sich Japan in die Reihe der Länder und Regionen ein, die nach den Erfahrungen mit der noch anhaltenden aktuellen Chipkrise mit Milliardenbeträgen versuchen, Halbleiter wieder verstärkt im eigenen Einflussbereich herstellen zu können und so die bestehenden, massiven Abhängigkeiten von einigen wenigen Ländern wie Taiwan aufzulösen oder zumindest abzuschwächen. Die USA haben zu diesem Zweck den US CHIPS and Science Act verabschiedet, ein ähnliches Konstrukt soll in der Europäischen Union der EU Chips Act („Europäisches Chip-Gesetz“) werden.
Bislang konzentriert sich die Fertigung modernster Logikchips auf Fernost, vor allem Taiwan und Südkorea sind hier mit Abstand führend, während der Großteil der stark nachgefragten Legacy- oder Mainstream-Chips mittlerweile in China gefertigt werden. In Zeiten zunehmender geopolitischer Spannungen mit China und Nordkorea in eben diesen Regionen ist dies eine unbefriedigende, riskante Situation. Zumal die USA seit mehreren Monaten alle Hebel in Bewegung setzen, um China bei der Entwicklung hochmoderner Halbleiter auszubremsen.
USA unterstützen Japans Bestrebungen
Im Fall Rapidus scheinen die USA an der Seite Japans zu stehen. Bereits im Frühjahr hatten die Regierungen beider Länder vereinbart, hochmoderne Chips gemeinsam zu entwickeln und ihre Halbleiterlieferketten gegenseitig abzusichern. Bis zum Jahresende soll in Japan ein gemeinsames Forschungszentrum entstehen, in das die japanische Regierung 350 Milliarden Yen (2,4 Milliarden Euro) zu investieren bereit ist.
Klar ist, dass sich ein frisch gegründetes Halbleiterunternehmen nicht an Legacy-Strukturgrößen orientiert – zumal, wenn es auf neuste Technologien ausgerichtet ist. So soll Rapidus ab etwa 2027 ICs mit einem 2-nm-Technologieknoten fertigen. Damit würde es mit der Konkurrenz wie TSMC in Taiwan, Samsung Electronics in Südkorea oder auch Intel in den USA gleichziehen. Samsung hat die Produktion von 3-nm-Chips in diesem Sommer gestartet, TSMC steht kurz davor. Beide Unternehmen streben die Fertigung von 2-nm-Chips bis 2025 an. In diesem Jahr will auch Intel seine 18A-Fertigung starten.
So schnell auf ein solches Technologielevel zu kommen, dürfte für Rapidus ohne umfangreiche Technologiekooperationen unmöglich sein. Hierbei dürften genau die Unternehmen zentrale Rollen besetzen, denen die USA durch ihre Handelsrestriktionen den Zugang beispielsweise nach China verwehren – etwa Applied Materials und ASML. Denn ohne deren Maschinen – Stichwort EUV (extrem ultra-violet) – ist das Belichten derart winziger Strukturen auf den Wafern unmöglich.
Japan setzt auf breites Technologieangebot
Neben der Initiative rund um Rapidus versucht Japan auch mit anderen Vorhaben, bei der Halbleiterherstellung wieder einen Fuß in die Tür zu bekommen. So beteiligt sich die Regierung am Bau einer Chipfabrik von TSMC: In Kumamoto, auf der südjapanischen Insel Kyushu, baut der weltweit größte Chipauftragsfertiger auf einem 21,3 Hektar großen Gelände eine Fab, die hauptsächlich Chips mit 22- und 28-Nanometer-Technologie produzieren soll. Also stark nachgefragte Mainstream-Bausteine.
Stand: 08.12.2025
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Damit nicht genug: Der japanische Speicherchiphersteller Kioxia und sein amerikanische Pendant Micron Technology erhalten für den Bau von Fabriken auf japanischem Boden umgerechnet 640 Millionen und 320 Millionen Euro Fördergeld. Insgesamt hat die Regierung einen Nachtragshaushalt beschlossen, der 1,3 Billionen Yen (8,9 Milliarden Euro) für die Förderung der Halbleiter zur Verfügung stellen wird.
Japan will zurück zu alter Stärke
Das enorme Engagement Japans zeigt: Man will zurück zu alter Größe – oder zumindest wieder ein gewichtiges Wörtchen mitreden im Halbleitermarkt. Noch 1990 stammten rund die Hälfte aller weltweit verbrauchten ICs aus dem Land der aufgehenden Sonne. Mittlerweile sind es noch rund 9 Prozent. Damit liegt das Land auf einem Niveau mit Europa. Auch technologisch muss Japan aufholen, wenn es zur Spitzengruppe aufschließen will: Chips aus Japan basieren meist auf bewährten Legacy-Technologieknoten mit beispielsweise 40 nm.
Für Applikationen, die viel Rechenleistung und hohe Energieeffizienz bei gleichzeitig wenig Bauraum benötigen, etwa Künstliche Intelligenz oder auch Zentralrechner in modernen Autos, reicht das aber nicht mehr aus. Daher soll Rapidus zu den State-of-the-Art-Technologieknoten aufschließen. (me)