Beim Ausbau der Stromerzeugung durch Sonnenenergie hängt die EU stärker von China ab als früher bei der Gasversorgung von Russland: Drei Viertel aller Solarmodule stammen aus der Volksrepublik. Die EU will eine Renaissance der heimischen Photovoltaikindustrie – die Chancen stehen schlecht. Auch, weil die USA hiesige Firmen mit hohen Subventionen abwerben.
Die allermeisten Photovoltaikmodule kommen heute aus dem Einparteienstaat China, die europäische PV-Industrie verschwindet fast im Grundrauschen des Marktes. Dabei ließe sich eine Produktionskapazität von 30 Gigawatt etablieren, ist Matthias Taft, Vorstandschef der Baywa RE, überzeugt. Schließlich habe die heimische PV-Industrie einen Technologievorsprung.
Europa steht beim erhofften Wiederaufbau einer Solarindustrie nach Einschätzung der Branche vor nahezu unüberwindlichen Hürden. Der Kosten- und Größenvorteil insbesondere der chinesischen Hersteller ist mittlerweile so groß, dass der „Green Deal“ der EU demnach nur mit konzertierter politischer und finanzieller Unterstützung gelingen kann. Darüber hinaus locken die USA die verbliebenen europäischen Firmen mit immensen Subventionen über den Atlantik, wie Industrievertreter berichten. „Wenn wir in Europa mithalten wollen, brauchen wir jetzt einen energie- und industriepolitischen Doppelwumms“, argumentiert Carsten Körnig, Hauptgeschäftsführer des Bundesverbands Solarwirtschaft.
„Bei der Herstellung von Solarzellen und Solarmodulen haben die Asiaten in den vergangenen Jahren einen Skalierungsvorteil erlangt“, sagt Körnig. „Auch die USA wollen mit dem Inflation Reduction Act Solar-Gigafabs ins eigene Land holen.“ Skalierung bedeutet, dass ein Unternehmen umso günstiger produzieren kann, je mehr es herstellt: Eine große Fabrik produziert in aller Regel günstiger als eine kleine.
Derzeit beläuft sich die jährliche Produktionskapazität der europäischen Solarindustrie auf Module mit einer Gesamtleistung von gut 8 Gigawatt. Das Fraunhofer-Institut für solare Energiesysteme schätzt den europäischen Anteil an der weltweiten Produktion auf ein Prozent und den chinesischen auf 75 Prozent.
Ein Konzern wächst schneller als europäische Branche
Ziel der EU im Rahmen ihres Green Deals ist es, dass die heimische Solarindustrie 2030 wieder Module mit 30 Gigawatt Leistung herstellt. Doch nach einer Analyse der Unternehmensberatung PWC produziert allein der größte chinesische Hersteller Jinko derzeit schon 45 Gigawatt. Laut Jinko-Webseite war die Kapazität Ende 2022 mit 70 Gigawatt bereits wesentlich höher. Ende dieses Jahres sollen es 90 Gigawatt sein. Der Konzern hat Vorsorge für das erhoffte rasante Wachstum in den kommenden Jahren getroffen und erhöht seine Kapazität offensichtlich schneller als die gesamte europäische Industrie.
Sogar wenn ansonsten Kosten etwa für Personal, Energie oder Vorprodukte vergleichbar wären, können Unternehmen wie Jinko allein wegen ihres Größenvorteils günstiger produzieren als kleinere Konkurrenten. „Seit 2011 hat China über 50 Milliarden Dollar in neue Photovoltaik-Lieferkapazitäten investiert – zehnmal mehr als Europa – und 300.000 Produktionsjobs in der solaren Wertschöpfungskette geschaffen“, heißt es in einem Bericht der Internationalen Energie-Agentur vom November.
Die Produktionskosten von Solarmodulen werden in Cent pro Watt der elektrischen Leistung angegeben. Die chinesische Solarindustrie liegt nach Angaben aus der Branche bei geschätzt 17 bis 18 US-Cent pro Watt. Chinesisches Ziel für 2025 sind 15 Cent, wie der französische Unternehmer und Solarexperte Gaetan Masson auf der Münchner Messe Intersolar berichtete. „Wenn die Chinesen so etwas sagen, tun sie es auch.“
Doppelt so hohe Kosten in Europa
Die europäischen Kosten sind nach Schätzung eines Fachmanns nach einer groben Formel etwa doppelt so hoch. „Wir sind viel teurer als die Chinesen“, sagte Masson. „Das ist nicht nur eine Frage von Investitionen und Betriebsausgaben, sondern von fehlender Wettbewerbsfähigkeit.“
Bei der Herstellung eines Solarmoduls gibt es fünf Hauptproduktionsschritte: Aus Quarzsand wird Polysilizium hergestellt, der Grundstoff photovoltaischer Zellen. Das Polysilizium wird zu Barren geformt, diese in hauchdünne Scheiben gesägt, damit die photovoltaischen Zellen gefertigt und am Ende das Modul montiert. Vor allem die ersten Produktionsschritte sind sehr energieintensiv. Verteuert wird die Herstellung in Europa durch die Strompreise.
„Ohne einen Industriestrompreis wird eine Renaissance der Solarindustrie in Europa kaum gelingen“, sagt BSW-Chef Körnig. Billigerer Strom alleine würde nach Körnigs Einschätzung aber nicht genügen – daher das Plädoyer für einen „Doppelwumms“ mit gleichzeitiger industriepolitischer Hilfe für die Solarindustrie.
Die USA bieten – abgesehen vom billigeren Strom – Solarfirmen im Rahmen des Inflation Reduction Acts große Steuervorteile. Da es in Europa keine vergleichbaren Anreize gibt, ist es für Solarunternehmen derzeit keine Frage, wo Geld besser investiert wäre.
Heimische Industrie ist „Trabi mit kaputtem Motor“
„Wenn nichts getan wird, um die europäischen Modulhersteller zu schützen, wird auch niemand hier investieren“, resümierte auf der Intersolar Gunter Erfurt, Vorstandschef des Modulherstellers Meyer Burger. Verglichen mit den außereuropäischen Wettbewerbern sei die heimische Industrie in der Situation eines „Trabi mit kaputtem Motor“.
Stand: 08.12.2025
Es ist für uns eine Selbstverständlichkeit, dass wir verantwortungsvoll mit Ihren personenbezogenen Daten umgehen. Sofern wir personenbezogene Daten von Ihnen erheben, verarbeiten wir diese unter Beachtung der geltenden Datenschutzvorschriften. Detaillierte Informationen finden Sie in unserer Datenschutzerklärung.
Einwilligung in die Verwendung von Daten zu Werbezwecken
Ich bin damit einverstanden, dass die Vogel Communications Group GmbH & Co. KG, Max-Planckstr. 7-9, 97082 Würzburg einschließlich aller mit ihr im Sinne der §§ 15 ff. AktG verbundenen Unternehmen (im weiteren: Vogel Communications Group) meine E-Mail-Adresse für die Zusendung von redaktionellen Newslettern nutzt. Auflistungen der jeweils zugehörigen Unternehmen können hier abgerufen werden.
Der Newsletterinhalt erstreckt sich dabei auf Produkte und Dienstleistungen aller zuvor genannten Unternehmen, darunter beispielsweise Fachzeitschriften und Fachbücher, Veranstaltungen und Messen sowie veranstaltungsbezogene Produkte und Dienstleistungen, Print- und Digital-Mediaangebote und Services wie weitere (redaktionelle) Newsletter, Gewinnspiele, Lead-Kampagnen, Marktforschung im Online- und Offline-Bereich, fachspezifische Webportale und E-Learning-Angebote. Wenn auch meine persönliche Telefonnummer erhoben wurde, darf diese für die Unterbreitung von Angeboten der vorgenannten Produkte und Dienstleistungen der vorgenannten Unternehmen und Marktforschung genutzt werden.
Meine Einwilligung umfasst zudem die Verarbeitung meiner E-Mail-Adresse und Telefonnummer für den Datenabgleich zu Marketingzwecken mit ausgewählten Werbepartnern wie z.B. LinkedIN, Google und Meta. Hierfür darf die Vogel Communications Group die genannten Daten gehasht an Werbepartner übermitteln, die diese Daten dann nutzen, um feststellen zu können, ob ich ebenfalls Mitglied auf den besagten Werbepartnerportalen bin. Die Vogel Communications Group nutzt diese Funktion zu Zwecken des Retargeting (Upselling, Crossselling und Kundenbindung), der Generierung von sog. Lookalike Audiences zur Neukundengewinnung und als Ausschlussgrundlage für laufende Werbekampagnen. Weitere Informationen kann ich dem Abschnitt „Datenabgleich zu Marketingzwecken“ in der Datenschutzerklärung entnehmen.
Falls ich im Internet auf Portalen der Vogel Communications Group einschließlich deren mit ihr im Sinne der §§ 15 ff. AktG verbundenen Unternehmen geschützte Inhalte abrufe, muss ich mich mit weiteren Daten für den Zugang zu diesen Inhalten registrieren. Im Gegenzug für diesen gebührenlosen Zugang zu redaktionellen Inhalten dürfen meine Daten im Sinne dieser Einwilligung für die hier genannten Zwecke verwendet werden. Dies gilt nicht für den Datenabgleich zu Marketingzwecken.
Recht auf Widerruf
Mir ist bewusst, dass ich diese Einwilligung jederzeit für die Zukunft widerrufen kann. Durch meinen Widerruf wird die Rechtmäßigkeit der aufgrund meiner Einwilligung bis zum Widerruf erfolgten Verarbeitung nicht berührt. Um meinen Widerruf zu erklären, kann ich als eine Möglichkeit das unter https://contact.vogel.de abrufbare Kontaktformular nutzen. Sofern ich einzelne von mir abonnierte Newsletter nicht mehr erhalten möchte, kann ich darüber hinaus auch den am Ende eines Newsletters eingebundenen Abmeldelink anklicken. Weitere Informationen zu meinem Widerrufsrecht und dessen Ausübung sowie zu den Folgen meines Widerrufs finde ich in der Datenschutzerklärung, Abschnitt Redaktionelle Newsletter.
Gleichzeitig sagen quasi alle beteiligten Manager, dass sie gerne mehr europäische Module her- beziehungsweise bestellen würden. Die Abhängigkeit insbesondere von chinesischen Importen empfindet niemand als glücklich. „Wir wollen unsere Lieferketten regional diversifizieren“, sagt Matthias Taft, Vorstandschef der Baywa RE, einem großen Projektentwickler von Solarkraftwerken. „Hierfür gibt es ein übergeordnetes Interesse – nicht nur von uns als Entwicklern, sondern auch von Herstellern oder Stromversorgern. Wir wollen uns entlang der gesamten PV-Wertschöpfungskette breiter aufstellen.“ An mangelnden Absatzchancen liegt es jedenfalls nicht. Der Markt sei groß genug, um eine europäische Photovoltaik-Industrie mit einer Kapazität von 30 Gigawatt zu etablieren, meint Taft.
„Wir haben nach wie vor einen Technologievorsprung“
Asiatische Hersteller hätten mit besseren Rahmenbedingungen und einem großen Produktionsvolumen einen Wettbewerbsvorteil erreicht. „Wir haben aber nach wie vor einen Technologievorsprung“, sagt der Manager. „Ein Produkt „made in Europe“, wo wir volle Transparenz bezüglich der Lieferkette haben, wo wir grünen Strom zum Einsatz bringen können, würde meines Erachtens bei vielen Endkunden gut ankommen.“
Doch Konsens in der Branche ist, dass eine Renaissance der europäischen Solarindustrie ohne staatliche Förderung und Unterstützung nicht möglich sein wird. „Um in der Industrie wettbewerbsfähig zu werden, braucht es jedoch planbare finanzielle Anreize“, sagt Taft – und verweist auf den Inflation Reduction Act der USA. (me)