Deutsche Wirtschaft Produktionseinbruch 2024: Automobil- und Elektronikindustrie unter Druck

Von Susanne Braun 3 min Lesedauer

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Während sich das verarbeitende Gewerbe in Deutschland im Dezember 2024 über einen Auftragseingangszuwachs freuen konnte, sank die Produktion. Wenig überraschend ging die Produktion in der Automobilproduktion im Gesamtjahr 2024 zurück, aber auch bei der Herstellung von elektrischen Ausrüstungen – und zwar um satte 14,6 Prozent.

Im "Sonstigen Fahrzeugbau" gab's im Dezember 2024 einen Produktionsaufschwung.(Bild:  frei lizenziert /  Pixabay)
Im "Sonstigen Fahrzeugbau" gab's im Dezember 2024 einen Produktionsaufschwung.
(Bild: frei lizenziert / Pixabay)

Die deutsche Wirtschaft blickt auf ein Jahr zurück, das schwierig war und allerhand Herausforderungen zu bieten hatte. Die komplizierte Lage spiegelt auch der Bericht des Bundesministeriums für Wirtschaft und Klimaschutz (BMWK) zur Entwicklung der Produktion im produzierenden Gewerbe für den Dezember 2024 sowie für das Gesamtjahr wider. Der Bericht wurde am 7. Februar 2024 veröffentlicht. Der am Vortag veröffentlichte Bericht zum Auftragsplus im verarbeitenden Gewerbe im Dezember 2024 ließ mit 6,9 Prozent Zuwachs noch hoffen, doch der Produktionsbericht fällt eher negativ aus.

Die Produktion im produzierenden Gewerbe ist im Dezember 2024 preis-, kalender- und saisonbereinigt im Vergleich zum Vormonat um 2,5 Prozent gesunken, nachdem im November 2024 noch ein Anstieg um 1,3 Prozent berichtet worden war. Doch natürlich lassen sich nicht alle Industriezweige über einen Kamm scheren, das wäre zu einfach.

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Dezember 2024: Deutliches Minus im Bereich Kfz, deutliches Plus bei pharmazeutischen Erzeugnissen

Das größte Minus im produzierenden Gewerbe kommt im Dezember 2024 aus der Automobilindustrie mit -10,0 Prozent bei Kfz-Teilen und Kfz. Das größte Plus konnten die Hersteller pharmazeutischer Erzeugnisse berichten; in dem Bereich wurde +11,6 Prozent gemeldet. Im weniger volatilen Dreimonatsvergleich, so halten das BMWK und das Statistische Bundesamt (Destatis) fest, sank die Produktion im produzierenden Gewerbe im Dezember 2024 „lediglich“ um 0,9 Prozent.

Aus den gesammelten Daten schließen die Analysten, dass in der Industrie noch keine konjunkturelle Erholung erkennbar sei. Das Geschäftsklima befände sich auf Basis der Indikatoren von ifo und S&P Global auf einem niedrigen Niveau. Gleichzeitig unterstreichen sie, dass die Produktion im Dezember 2024 saison- und kalenderbereinigt so niedrig war wie im Mai 2020 zu Beginn der Coronapandemie.

Bedeutet: Die Wirtschaftsbelebung im Jahr 2025, an die die Bundesregierung im Herbst glaubte, ist zum Jahreswechsel nicht erkennbar. Die Zahlen zu Auftragseingängen und Produktionsraten des BMWK und des Destatis werden in den kommenden zwei, drei Monaten interessant, um zu sehen, ob die Regierung mit ihrer Herbstprojektion nur gute Laune verbreiten wollte oder ob tatsächlich etwas dahintersteckt.

Gesamtjahr 2024: Produktion zurückgegangen

„Im Gesamtjahr 2024 war die Produktion im produzierenden Gewerbe kalenderbereinigt um 4,5 % niedriger als im Vorjahr“, halten die Statistiker von Destatis fest. „Im Bereich der Investitionsgüter lag die Produktion im Jahr 2024 um 5,6 % niedriger als im Vorjahr. Dieser Rückgang ist maßgeblich auf die Produktionsentwicklung in der Automobilindustrie (kalenderbereinigt -7,2 % zum Vorjahr) und im Maschinenbau (‑8,1 %) zurückzuführen“, merkt das Destatis ebenfalls an. In der Automobilindustrie ist der Einbruch schnell erklärt: Diverse Autobauer und Zulieferer haben in den vergangenen Monaten Phasen der Kurzarbeit oder gar Entlassungen angekündigt.

Im „Sonstigen Fahrzeugbau“ hingegen, der Schiffe, Flugzeuge, Züge und Militärfahrzeuge umfasst, macht sich ein Produktionsaufschwung von 6,5 Prozent bemerkbar. Bei den Vorleistungsgütern wiederum war die Produktion um 5,0 Prozent niedriger als 2023, und das liegt vor allem am Rückgang bei den elektrischen Ausrüstungen. Der beträgt im Vergleich zum Jahr 2023 satte 14,6 Prozent.

Wer sich in der Elektronikindustrie im vergangenen Jahr aufmerksam umgehört hat, wird vermutlich nicht nur einmal Worte wie Kurzarbeit vernommen haben. Die Einbrüche bei der Produktion elektrischer Ausrüstung sind ein starkes Echo der wirtschaftlichen Schwierigkeiten im Automobil- und Industriesektor. Wenn die Produktion in der Automobilindustrie (-7,2 %) und im Maschinenbau (-8,1 %) stark zurückgeht, hat das fast zwangsläufig auch negative Auswirkungen auf die Elektronikindustrie. Diese Branchen verbauen große Mengen an Chips, Steuergeräten, Sensoren und anderen elektronischen Komponenten.

Eine Patentlösung für die Situation gibt es leider nicht. Kurzfristig bleibt die Lage angespannt, da sich die Nachfrage aus der Industrie und der Automobilbranche nicht von heute auf morgen erholen dürfte. Langfristig kann die Diversifizierung des Portfolios helfen und neue Chancen in Bereichen bieten, die stabiler sind. (sb)

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