EMV Praxis 2013

Power-Integrity-Simulation mit der Software SILENT V4

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Die Optimierung des Powersystems

Ohne die Ursachen dafür an dieser Stelle genauer zu ergründen, kann festgestellt werden, dass filigrane Strukturen in Powersystemen in der Regel zu Problemen führen. Der hier dargestellte Fall ist ein gutes Beispiel dafür. Daraus lässt sich die einfache Regel ableiten, dass Powersysteme immer als homogene Flächen ausgeführt werden sollten.

Gegen diese Strategie spricht allerdings der allseits vorherrschende Kostendruck, der der möglichen Lagenanzahl sehr schnell Grenzen setzt. Und so ist man oft gezwungen, Kompromisse zu machen und mehrere Spannungen in derselben Lage unterzubringen. Genau dabei entstehen die „filigranen Strukturen“, die zu den oben gezeigten Problemen führen.

Was genau heißt aber „filigran“ in diesem Zusammenhang? Es kommt drauf an! Welche Strukturen noch vertretbar sind, bzw. durch entsprechende Kondensatorbeschaltung beherrscht werden können, hängt von einer Vielzahl von Parametern ab und lässt sich deshalb nur im Einzelfall mit Hilfe einer den Layout-Prozess begleitenden Simulation klären.

Im vorliegenden Beispiel wurden sowohl Änderungen im Layout als auch bei der Kondensatorbeschaltung vorgenommen, um das in Bild 5 gezeigte Impedanzverhalten zu erreichen. Bei dieser Darstellung wird für jede Position des Flächensystems der jeweils schlechteste (höchste) Impedanzwert innerhalb des analysierten Frequenzbereichs dargestellt.

Dies erlaubt einen schnellen Überblick über die Impedanzverhältnisse: In dem gesamten Flächensystem treten keine Werte mehr über 2Ohm auf, nennenswerte Probleme aufgrund von Resonanzen sind folglich nicht zu erwarten. Die nächste Verfeinerung des Powersystems bestünde in der Sicherstellung der gewünschten Zielimpedanz, abhängig von den angeschlossenen Verbrauchern. Mithilfe der Simulation lässt sich sehr schnell ergründen, welche Maßnahmen (Parameter) erforderlich sind, um die gewünschte Zielimpedanz zu erreichen.

Inhomogene Power-System-Strukturen simulieren

Eine Vielzahl von Projekten kämpft mit EMV-Problemen, die durch eine sorgfältigere Auslegung der Powersysteme von vornherein hätten vermieden werden können!

Für die Praxis ergeben sich zwei mögliche Strategien:

  • Simulation der Powersysteme begleitend zum Layoutprozess: a) keine kritischen Resonanzen und b) Einhaltung der Zielimpedanz für die Stützung
  • Realisierung der Powersysteme ausschließlich als homogene Flächen auf sehr dünnen Substraten: in der Regel keine besonders kritischen Resonanzen

Die erste Strategie führt in Verbindung mit einem sinnvollen Konzept für Layout und Lagenaufbau zu optimalen Powersystemen, die alle eingangs erwähnten PI-Aufgaben erfüllen.

Die zweite Strategie ist als „Notnagel“ zu sehen, wenn eine Simulation nicht gewünscht ist. Die Anwendbarkeit dieser Strategie wird sich in der Regel auf wenig stückkostenkritische Projekte geringer Komplexität beschränken. Die PI-Simulation hilft Redesigns zu vermeiden.

* Nils Dirks ist Inhaber von Dirks Compliance Consulting sowie Organisator und Referent der Seminarreihe EMV-Praxis.

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