Ratschläge für Manager und Techies Plädoyer für Einfachheit im Denken und Handeln

Franz Graser

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Dieter Brandes, Gründer des Instituts für Einfachheit, hat in einem Gastvortrag bei Würth Elektronik ICS zum Management nach dem Prinzip der Einfachheit aufgefordert. Er warnte vor vernebelnder Fachsprache und plädierte für die Konzentration auf das Wesentliche.

Dieter Brandes, unter anderem langjähriger Chef von ALDI Nord, hat in Hamburg das Institut für Einfachheit gegründet. Er plädiert für eine Reduktion auf das Wesentliche – in der Technik und im Management.  (Bild:  Würth Elektronik ICS)
Dieter Brandes, unter anderem langjähriger Chef von ALDI Nord, hat in Hamburg das Institut für Einfachheit gegründet. Er plädiert für eine Reduktion auf das Wesentliche – in der Technik und im Management.
(Bild: Würth Elektronik ICS)

Bei der Vorstellung der Steckverbinder-Technologie SKEDD in Heilbronn (ELEKTRONIKPRAXIS berichtete) sprach sich Brandes, langjähriger Geschäftsführer von ALDI Nord, in einem Gastvortrag für gesunden Menschenverstand und die Reduktion auf das Wesentliche in Management und Technik aus. Bezugnehmend auf ein Zitat von Albert Einstein sagte er, viele Probleme ließen sich in sehr kurzer Zeit lösen, wenn man die dahinter liegenden komplexen Zusammenhänge verstanden habe.

Brandes verwies darauf, dass ein nicht geringer Teil der Komplexität im modernen Leben künstlich erzeugt sei. „Gerade Software-Ingenieure sind in ihrer Innovationskraft unbegrenzt“, sagte er. Diese Innovationsfreude sei aber mitunter kontraproduktiv. Er erzählte, dass seine Frau erst vor kurzem eine Kurznachricht von ihrem iPad verschickt habe, die durch die Autokorrektur-Funktion verschlimmbessert worden sei. „Keiner hat um diese Funktion gebeten“, so Brandes.

Als weiteres Beispiel nannte der Referent die Fahrkartenautomaten der Deutschen Bahn, für deren Bedienung man schon ein Diplom brauche. Hier seien aber nicht in erster Linie die Softwareentwickler schuld, sondern die verschachtelte Tarifstruktur der Bahn, die in den Automaten abgebildet werden müsse. Brandes warf einen vergleichenden Blick auf die Schweiz. In den Zügen der dortigen Bundesbahn hätten am Muttertag alle Frauen kostenlos fahren dürfen.

Brandes setzte gallig fort, falls die Deutsche Bahn ein ähnliches Angebot einführe, würden wahrscheinlich nur Frauen einer bestimmten Altersgruppe in einem eng umschränkten Zeitraum einen ermäßigten Fahrpreis bekommen – und dies wohl nur in ausgewählten Zügen.Als weitere Beispiele für künstlich hergestellte Komplexität nannte Brandes die „Informationsseuche“, also das Überangebot an Informationen und Daten, sowie „Nebelsprachen“, die Inhalte verhüllten, statt sie zu beschreiben.

Wortmonster wie „Rindfleischetikettierungsüberwachungsaufgabenübertragungsgesetz“ und „Potenzialprognosekorridor“ fielen in diese Kategorie. Diese und ähnliche Kabinettstückchen der Vernebelungssprache, die in Politik- und Beraterkreisen zuhause seien, verdammte Brandes mit einem Zitat von Altbundespräsident Roman Herzog: „Was nicht zu verstehen ist, kann nicht auf Verständnis hoffen.“

Auch der Daten- und Kennzahlenhunger der Ökonomen bekam sein Fett ab: „Man muss nicht wissen, wie hoch die Kosten eines Prozesses sind. Ein Prozess muss funktionieren und schnell sein“, so Brandes. Ebensowenig fand der inflationäre Gebrauch des Wortes „Optimierung“ Gefallen vor den Augen des früheren ALDI-Managers. Das Wort „optimieren“ bedeute ja im mathematischen Sinne ein Maximum unter Berücksichtigung gewisser Rahmenbedingungen. Stattdessen rief Brandes die Zuhörer auch hier zu klarer Sprache auf: „Minimieren Sie! Maximieren Sie!“

Als Quintessenz forderte Brandes das Publikum dazu auf, die Komplexität in Projekten und Prozessen durch Klarheit und Verzicht zu reduzieren. Das bedeutet: Zunächst müsse man sich klar darüber werden, welche Ziele man erreichen wolle. Und dann müsse man auf all das verzichten, was hierfür nicht notwendig sei. Die dann noch übrig bleibende Komplexität lasse sich dann in der Regel mit dezentraler Organisation und gesundem Menschenverstand beherrschen.

Die Steckverbinder-Technologie SKEDD von Würth Elektronik ICS lobte Brandes als ein gelungenes Beispiel für Reduktion auf das Wesentliche im technischen Bereich. Als weiteres Exempel nannte er ein Motto des Werkzeugherstellers Hilti: „Wir produzieren keine Bohrer – wir produzieren Löcher.“

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