Deutliche Worte des COO Phoenix Contact: Unsicherheit und Herausforderungen prägen das Geschäftsjahr

Von Manuel Christa 3 min Lesedauer

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Erfrischend deutliche Worte fand der COO von Phoenix Contact Ulrich Leidecker auf der Pressekonferenz zur SPS in Nürnberg: So ärgert ihn beispielsweise das „Gezicke auf Persönlichkeitsebene“ in der Politik oder kritisiert die „Nemesis“ Lieferkettengesetz.

Pressekonferenz von Phoenix Contact zur SPS 2024 in Nürnberg(Bild:  Manuel Christa/EP)
Pressekonferenz von Phoenix Contact zur SPS 2024 in Nürnberg
(Bild: Manuel Christa/EP)

Der Blomberger Automatisierungs- und Elektronikspezialist Phoenix Contact blickt auf ein herausforderndes Geschäftsjahr 2023 zurück. Chief Operating Officer (COO) Ulrich Leidecker zeichnete im Rahmen der Jahrespressekonferenz auf der SPS-Messe in Nürnberg ein differenziertes Bild: „Der wirtschaftliche Aufschwung erfolgt leider nicht so schnell und so stark, wie ursprünglich von uns erwartet.“ Das Unternehmen rechnet für 2023 mit einem Umsatzrückgang von rund zwei Prozent auf etwa 3,5 Milliarden Euro.

Diese Entwicklung sei jedoch in einen größeren Kontext zu setzen. „Betrachten wir die mehrjährige Entwicklung seit dem Jahr 2019 bis heute, wurde ein durchschnittliches Wachstum von 9,1 Prozent pro Jahr erzielt“, erklärte Leidecker. Die außergewöhnlich hohen Zuwächse der Vorjahre, die durch einen Nachfrageboom aufgrund von Materialknappheit getrieben waren, seien nicht nachhaltig fortsetzbar gewesen. Stattdessen habe sich der Abbau von Lagerbeständen in der gesamten Wertschöpfungskette deutlich auf die Nachfrage ausgewirkt, insbesondere in Asien.

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Wachstum in Nischen, Rückgänge in Kerngeschäften

Während in den traditionellen Hauptmärkten wie Maschinenbau und Automobilindustrie Rückgänge verzeichnet werden, sieht Phoenix Contact Lichtblicke in bestimmten Nischenmärkten. „Wir wachsen in Bereichen wie Smart Grids, Ortsnetzstationen, Data Centers und der Logistik“, so Leidecker. Positiv sei auch der Ausblick auf die USA. Trotz der global angespannten Wirtschaftslage bleibe der amerikanische Markt eine wichtige Säule: „Wir gehen auch zukünftig von einer hohen Wertschöpfung zwischen uns und den amerikanischen Märkten aus und hoffen auf neue positive Impulse.“

Investitionen und Internationalisierung

Um sich für die Zukunft zu wappnen, setzt Phoenix Contact auf gezielte Investitionen. Rund eine Milliarde Euro sollen in den nächsten fünf Jahren fließen. Am Standort in Blomberg wird ein vollautomatisches Logistikzentrum weiter ausgebaut, für das 100 Millionen Euro bereitgestellt wurden. Auch international weitet das Unternehmen seine Präsenz aus: In Indien entstehen neue Produktions-, Logistik- und Büroflächen mit Investitionen von 40 Millionen Euro, weitere Projekte sind in Südostasien und Mexiko geplant.

Die strategische Ausrichtung soll auch die Abhängigkeit von einzelnen Märkten reduzieren und die Resilienz stärken. Doch COO Leidecker wies in seiner Rede auch auf entscheidende Herausforderungen hin: „Wir machen uns das Leben im europäischen Wirtschaftsraum schwer.“ Die Kosten durch EU-Vorschriften zu Umwelt-, Sozial- und Governance-Aspekten (ESG) beliefen sich bei Phoenix Contact auf einen mittleren sechsstelligen Betrag.

Auch Regelungen wie die Lieferkettensorgfaltspflicht und der geplante EU AI Act erschweren das Geschäft. An sich steht Leidecker hinter dem Lieferkettengesetz „wie kein Zweiter“, betont er, aber dadurch würde Deutschland sich selbst vom Markt nehmen. Im Ausland lache man über solche selbst auferlegte Regularien.

Führungswechsel in schwierigen Zeiten

Eine besondere Rolle in der Unternehmensführung spielt die anstehende Übergabe des Staffelstabs an der Unternehmensspitze. Nach 33 Jahren bei Phoenix Contact wird CEO Frank Stührenberg Ende des Jahres in den Ruhestand treten. Sein Nachfolger, Dirk Görlitzer, hat bereits im Juli gemeinsam mit Stührenberg die Leitung übernommen, um einen reibungslosen Übergang sicherzustellen. „In diesen herausfordernden Zeiten ist es umso wichtiger, Kontinuität und Stabilität in der Unternehmensführung zu erhalten“, betonte Leidecker.

Abschluss eines besonderen Jahres

Neben den wirtschaftlichen Herausforderungen blickt Phoenix Contact auch auf ein emotional bedeutendes Jahr zurück: 2023 feierte das Unternehmen sein 100-jähriges Bestehen. „Gemeinsam haben wir in diesen 100 Jahren viel erreicht und sind dabei den Werten und der Kultur unseres Familienunternehmens treu geblieben“, sagte Leidecker. Zahlreiche Veranstaltungen und Projekte verdeutlichten das enge Verhältnis zu Mitarbeitenden und Kunden. Nachhaltigkeitsprojekte standen dabei besonders im Fokus – ein Signal, dass Phoenix Contact trotz Gegenwind optimistisch nach vorn schaut. (mc)

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