Verbindungstechnik Phoenix Contact: 3,5 Milliarden Euro sind das Fazit für 2023

Von Kristin Rinortner 5 min Lesedauer

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Herausforderungen in unstetigen Zeiten: Mit einem Gesamtumsatz von ca. 3,5 Milliarden Euro schließt Phoenix Contact das laufende Geschäftsjahr ab. Dies bedeutet einen Umsatzrückgang von etwas über zwei Prozent gegenüber dem Vorjahr.

Ulrich Leidecker, Phoenix Contact: „Nach zwei Jahren mit überdurchschnittlich hohen Wachstumsraten von jeweils über 20 Prozent war zu erwarten, dass es eine Pendelbewegung zurück geben wird.“(Bild:  Kristin Rinortner)
Ulrich Leidecker, Phoenix Contact: „Nach zwei Jahren mit überdurchschnittlich hohen Wachstumsraten von jeweils über 20 Prozent war zu erwarten, dass es eine Pendelbewegung zurück geben wird.“
(Bild: Kristin Rinortner)

Ein Gesamtumsatz von ca. 3,5 Mrd. Euro im Geschäftsjahr 2023 für Phoenix Contact. Alles in allem kein schlechtes Ergebnis. Nach zwei Jahren mit überdurchschnittlich hohen Wachstumsraten von jeweils über 20 Prozent sei zu erwarten gewesen, dass es eine Pendelbewegung zurück geben werde, erklärt denn auch Ulrich Leidecker, Chief Operating Officer bei Phoenix Contact. Dies sei seit dem 2. Quartal dieses Jahres klar erkennbar mit deutlichen Rückgängen im Auftragseingang, die ebenfalls um oder über 20 Prozent liegen.

„Nach einem Wachstum von über einer Milliarde Euro in 2021 und 2022, hatten wir für 2023 bereits mit einer Konsolidierung des Wachstums gerechnet“, lautet nun das Fazit Leideckers.

Überhitzung der Vorjahre: Korrektur in Q3 2024

Dies sei vorrangig eine Korrektur aus der teilweisen Überhitzung der Vorjahre mit Wachstumsraten von 9,1 Prozent. Die aktuelle wirtschaftliche Entwicklung stelle somit kein strukturelles Problem dar. „Wir gehen daher davon aus, dass diese aktuelle Korrekturphase nicht weiter als in das 2. Halbjahr des nächsten Jahres reichen wird und wir dann wieder Wachstum erwarten“, so Leidecker weiter.

Der Nachfragerückgang – getrieben durch zu hohe Vorräte an vielen Stellen der gesamten Wertschöpfungskette – betrifft alle Weltregionen. Besonders deutlich ist dies in Asien spürbar, während einzelne Länder in Europa nach wie vor ein Wachstum verzeichnen. Der Absatz der beiden größten Einzelmärkte für das Unternehmen, Deutschland und die USA, ging ebenfalls leicht zurück. Dabei sind aktuell die Geschäftsbereiche der Elektromechanik stärker betroffen als die der Elektronik und Automation, die weiterhin wachsen.

Phoenix Contact habe besonnen auf die Situation reagiert und geeignete Maßnahmen getroffen, um die die finanziellen Ressourcen des Unternehmens so zu schonen, dass man für die nächste Wachstumsphase gut aufgestellt sei, berichtet der COO. Zu diesen Maßnahmen zählte auch, die Rahmenbedingungen für Kurzarbeit zu prüfen. So sind seit Anfang November 2023 erste Unternehmensbereiche in Kurzarbeit. Die Kurzarbeit werde Anfang 2024 wohl ausweitet werden.

Investitionen in die Lieferketten

Um das Unternehmen mittel- bis langfristig auf das Wachstum vorzubereiten, wurde für die nächsten fünf Jahre ein Investitionsprogramm mit einem Volumen von über einer Milliarde Euro geplant.

Der Erweiterungsbau zum bestehenden Logistikgebäude am Standort Blomberg wurde bereits begonnen. Das vollautomatische Gebäude wird 220.000 m³ zusätzliches Lagervolumen bieten. Von hier aus sollen Kunden auch direkt ins Ausland beliefert werden. Mit rund 100 Millionen Euro ist das die größte Einzelinvestition der Unternehmensgeschichte. Am Standort in Indien werden drei Gebäude mit Produktions-, Logistik- und Büroflächen mit insgesamt 70.000 m² entstehen. Die Investitionen belaufen sich hier auf rund 40 Millionen Euro. Mit diesem Ausbau der Kapazitäten reagiert man in Blomberg auf die Herausforderung, globale Lieferketten resilienter zu gestalten und die Abhängigkeiten von einzelnen Weltregionen zu minimieren.

Wachstumsmotor Elektromobilität

Für die Elektromobilität ist China der entwicklungsstärkste Markt mit eigenständigen Mobilitätsansätzen. Die E-Mobility-Produktionskapazitäten werden hier mit einem neuen Werk in Lishui erweitert. Grundsteinlegung war Ende Juni 2023. An diesem neuen Produktionsstandort wird Phoenix Contact E-Mobility unter anderem verschiedene Ladekabel für Elektrofahrzeuge entwickeln und fertigen, die an chinesische Automobil- und auch Ladeinfrastruktur-Hersteller geliefert werden.

Das neue Gebäude umfasst eine Gesamtfläche von rund 26.000 m², davon sind 20.000 m² Produktions- und Lagerfläche sowie 6.000 m² Bürofläche. Bis zum Produktionsstart im ersten Quartal 2025 wird die Belegschaft auf mehr als 200 Mitarbeitende anwachsen. Mit dem Hochlauf der Produktion im 2. Halbjahr 2025 wird eine jährliche Produktionskapazität bei mehreren Hunderttausend AC- und DC-Ladekabeln liegen. Zusätzlich sollen hunderttausende Fahrzeug-Ladedosen jährlich für den chinesischen Markt produziert werden.

Ebenfalls wurden 2023 am Sitz von Phoenix Contact E-Mobility in Schieder-Schwalenberg neue Büroflächen für rund 160 Mitarbeitende auf 2.300 m² geschaffen. Auf dem nordamerikanischen Markt stärkt das Unternehmen seine Position mit dem Ausbau seiner Vertriebsstrukturen durch eine neue Vertriebstochtergesellschaft Phoenix Contact E-Mobility Inc. Ann Arbor, USA.

Bereits zum Jahreswechsel hat Phoenix Contact das kanadische Unternehmen iS5 Communications Inc. mit Sitz in Mississauga, Ontario übernommen. Der Anbieter industrieller Netzwerkprodukte ist spezialisiert auf Dienstleistungen und Lösungen für kritische Infrastrukturnetzwerke. Insbesondere Cyber Security und Datenanalyse nehmen hier eine zunehmend strategisch wichtige Position ein.

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Industrielle Gleichstromnetze und gelebte Sektorenkopplung

Rund 35 Millionen Euro beträgt die Investition in Blomberg in das Produktions- und Technologiezentrum industrielle Gleichstromnetze im Rahmen des „All Electric Society“-Parks. Das Gebäude mit 18.485 Quadratmeter Nutzfläche für 400 Arbeitsplätze veranschaulicht die Vernetzung der Sektoren Energie, Mobilität, Infrastruktur und Gebäude. Es sei eine erlebbare Blaupause für skalierbare Lösungen, mit denen sich ganze Quartiere im Sinne einer All Electric Society vernetzen lassen, so Leidecker.

Phoenix Contact setzt einen weiträumigen DC-Bus im Gebäude 60 ein. „Damit gehen wir über kurzfristige Zwischenspeicherungen hinaus und managen komplett den Energiefluss von der Quelle bis zur Senke. Ziel ist es, am Stammsitz in Blomberg ganz unterschiedliche Ökosysteme per DC-Bus miteinander zu verbinden, um so Sektorenkopplung mit multidirektionalen Energieflüssen zu betreiben“, so Leidecker.

Aus dem einfacheren Aufbau der Netze resultieren Effizienzgewinne. Denn für die einphasigen Energieströme reichen zwei Leiter für plus und minus anstelle von drei- oder fünfadrigen Kabeln. So wird Isolierungsmaterial und vor allem Kupfer gespart. Laut Schätzungen liegt hier ein Einsparpotenzial bis 50 Prozent. Auf Verbraucherseite führt der Wechsel bei der Energieversorgung von AC zu DC ebenfalls zu Einsparungen. Es entfallen Gleichrichter, wenn Geräte direkt mit Gleichstrom versorgt werden.

Verschmelzung von Produktions- und Gebäudeautomation

Das intelligente Zusammenspiel von Produktion und Gebäude am Standort Bad Pyrmont ist ein gelebtes Beispiel von Sektorenkopplung in der Praxis von Bestandsanlagen.

Die Idee des offenen PLCnext Ökosystems verschmilzt dabei mit unserem IoT-basierten Gebäudemanagementsystem Emalytics, der Plattform für alle Anwendungen und Prozesse im Gebäude. „Durch die Berücksichtigung der gesamten Prozesskette und das intelligente Zusammenspiel von Produktion und Gebäude schaffen wir neue Möglichkeiten zur Steigerung der Wertschöpfung bis hin zu einer Senkung der Gebäude-Betriebskosten um rund 50 Prozent“, so Leidecker.

Ausblick 2024: Wachstum im einstelligen Bereich

Die aktuelle Lage von Überbevorratung in vielen Teilen der industriellen Wertschöpfungskette werde vermutlich auch im ersten Halbjahr 2024 noch anhalten, meint Leidecker. „Dementsprechend gehen auch wir von einer nachhaltigen konjunkturellen Erholung erst im zweiten Halbjahr aus.“ Die Marktbedarfe der Fokusbereiche Elektrifizierung, Vernetzung und Automatisierung seien nach wie vor sehr hoch. Darüber hinaus stellen die gesellschaftlichen Bestrebungen nach mehr Nachhaltigkeit einen erheblichen Treiber für die gesamte Elektroindustrie dar und werden sich in den kommenden Jahren weiter verstärken. „Für 2024 gehen wir von einem Wachstum von ungefähr fünf Prozent aus, welches im Wesentlichen durch eine spürbare Belebung der Marktnachfrage im zweiten Halbjahr geprägt ist“, schließt Leidecker seine Prognosen ab. (kr)

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