Kontakte für Leiterplattensteckverbinder PCF: Ressourcenschonende Stift- und Buchsenleisten

Von Timon Dahlhaus* 6 min Lesedauer

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Für Steckverbinder-Hersteller bietet die CO2-Bilanzierung die Grundlage, um eine effektive Nachhaltigkeitsstrategie zu planen und die Marktfähigkeit ihrer Produkte sicherzustellen. Doch welche Herausforderungen sind dabei zu meistern?

Nachhaltigkeit bei Steckverbindern: 
Die Buchsenleiste BL 5 aus der Serie f.ECOcon wird aus nachhaltigeren Materialien und mit ressourcenschonenden Prozessen gefertigt.(Bild:  Fischer Elektronik)
Nachhaltigkeit bei Steckverbindern: 
Die Buchsenleiste BL 5 aus der Serie f.ECOcon wird aus nachhaltigeren Materialien und mit ressourcenschonenden Prozessen gefertigt.
(Bild: Fischer Elektronik)

Der globale Trend zu nachhaltigen Produktionsverfahren prägt zunehmend alle Industriezweige inklusive der Elektronikbranche. Hier stehen insbesondere umweltschonende Herstellverfahren für Steckverbinder im Fokus, deren Entwicklung den Wandel hin zu ressourcenschonenden und energieeffizienten Technologien widerspiegelt.

Entgegen der weit verbreiteten Annahme, dass nachhaltige Produkte zwangsläufig mit Qualitätseinbußen einhergehen, zeigen aktuelle Entwicklungen, dass sich hochwertige Materialien in Kombination mit ökologischer Verantwortung keineswegs ausschließen. Vielmehr lässt sich durch innovative Recyclingtechnologien und optimierte Fertigungsprozesse eine Balance zwischen erstklassiger Funktionalität und Nachhaltigkeit herstellen, ohne die Wettbewerbsfähigkeit zu beeinträchtigen.

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Balance zwischen Ressourcenschonung und Leistungsfähigkeit

In der Welt der Leiterplattensteckverbinder sind vergoldete Kontakte unabdingbar. Sie zeichnen sich durch exzellente Korrosionsbeständigkeit, herausragende elektrische Leitfähigkeit sowie hohe mechanische Belastbarkeit aus. Darüber hinaus gewährleistet die vergoldete Oberfläche eine zuverlässige Lötbarkeit, unabhängig vom verwendeten Lötverfahren – ein entscheidender Vorteil in der Fertigung moderner und automatisiert bestückter Elektronikbaugruppen.

Ursprünglich galt eine Goldschichtstärke von etwa 0,2 µm als Industriestandard für Leiterplattensteckverbinder. Doch angesichts des anhaltenden Preisanstiegs auf den globalen Goldmärkten sahen sich Hersteller zunehmend gezwungen, auf deutlich dünnere Hauchvergoldungen zu setzen. Diese Flashgoldschichten liegen oft unter mit herkömmlichen Messmitteln zu prüfenden Werten und stellen aus rein technischer Sicht eine kritische Kompromisslösung dar. Ihre dünne Struktur begünstigt eine rissige Oberflächenmorphologie, die eine zwischenliegende Diffusionssperre unzureichend vor Umwelteinflüssen schützt (Bild 1).

Um dieser Gefahr zu begegnen, empfehlen sich Goldschichtstärken ab 0,1 µm als legitimer Kompromiss. Diese Stärke ermöglicht eine Halbierung des Goldverbrauchs im Vergleich zum ehemaligen Standard und trägt somit erheblich zur Materialeinsparung und -kostensenkung bei. Gleichzeitig wird eine hochwertige Schutzfunktion gewährleistet, die den Anforderungen im höheren Leistungsbereich gerecht wird. Lediglich in Bezug auf die Anzahl der Steckzyklen sind minimale Einbußen zu verzeichnen, deren Relevanz jedoch stark von der jeweiligen Endanwendung und den tatsächlich erwarteten Steckvorgängen abhängt.

Nachhaltigkeitsaspekte und Zukunftsperspektiven

Die Optimierung der Veredelungsprozesse ist nicht nur aus ökonomischer Sicht relevant, sondern trägt wesentlich zur ökologischen Bilanz von Elektronikprodukten bei. Durch die Reduzierung des Goldverbrauchs sinkt der ökologische Fußabdruck, da der Abbau von Edelmetallen mit hohem Energie- und Umweltaufwand verbunden ist. Beschichtungsverfahren wie selektive Vergoldung oder mit PVD-Verfahren aufgebrachte Dünnschichten (Physical Vapour Deposition, physikalische Dampfabscheidung) eröffnen neue Potenziale für ressourceneffiziente und leistungsfähige Steckverbinder.

Darüber hinaus rückt die Entwicklung alternativer Kontaktmaterialien und -beschichtungen, etwa auf Basis von Graphen oder anderen nanostrukturierten Metallen, zunehmend in den Fokus der Materialwissenschaften. Diese bergen das Potenzial, künftig die Balance zwischen nachhaltigem Ressourcenmanagement und höchsten technischen Anforderungen noch besser zu gewährleisten.

Die Integration nachhaltiger Veredelungstechnologien ist somit ein essenzieller Baustein für die Entwicklung zukunftsfähiger, umweltschonender Steckverbinder und unterstreicht die Verantwortung der Elektronikindustrie, ökologische Innovationen konsequent voranzutreiben.

Materialinnovationen: Qualität trifft Umweltbewusstsein

Neben der Reduktion von Goldschichten ist auch die Verwendung nachhaltiger Kunststoffe ein großer ökologischer Hebel. Isolierkörper von Stift- und Buchsenleisten bestehen aus technischen Kunststoffen – meist Polyamide oder Polybutylenterephthalate. Diese müssen nicht nur hervorragende Isolationseigenschaften gewährleisten, um Kriechströme und Kurzschlüsse zu verhindern, sondern auch mechanischen Belastungen standhalten und flammhemmend sein.

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Wo man hochqualifizierte Neuware erwartet, setzt auch die Integration von recyceltem Material an: Rezyklate aus sortenreinem Kunststoff ermöglichen eine signifikante Ressourceneinsparung, erfordern jedoch umfangreiche Qualitäts- und Sicherheitsnachweise im Rahmen von Zertifizierungen wie RoHS, CE oder Flammschutzklassen. Diese und weitere oft unerlässliche Zertifikate garantieren, dass der Kunststoff flammhemmend wirkt und keine gefährlichen Stoffe aufweist. Letztendlich muss ein Rezyklat die gleichen Qualitätsmerkmale erfüllen wie die ursprüngliche Neuware.

Balanceakt Kreislaufwirtschaft und Qualitätsmanagement

Der Weg zu funktionalen und nachhaltigen Steckverbinder-Serien führt über Kreislaufprozesse, bei denen Produktionsabfälle in den Fertigungskreislauf zurückgeführt werden. Im Bereich Spritzguss fallen Angüsse, Schlecht- und Anlaufteile als Basis für rezyklierbares Material an. Essenziell ist, dass die Sortenreinheit bestehen bleibt, damit das Material keine Qualitätsverluste erleidet.

Glasfasern stärken die mechanischen Eigenschaften des Kunststoffes maßgeblich bei Biegesteifigkeit, Zug-/ Druckfestigkeit und einigen mehr. Diese Glasfasern verkürzen sich bei Wiederverwendung ohne zwischenzeitliche Aufbereitung mit jedem erneuten Spritzgießprozess. Das führt bei einfachen Regranulierungen zu Qualitätsverlusten. Durch ein aufwändiges Filtrationsverfahren, das verkürzte Fasern entfernt, und den gezielten Zusatz neuer Glasfasern wird die Materialqualität aufrechterhalten. Diese Technologien erfüllen alle relevanten mechanischen und elektrischen Anforderungen.

Die konsequente Umsetzung einer geschlossenen Materialkreislaufwirtschaft reduziert den Verbrauch von neuem Granulat und somit die Abhängigkeit von fossilen Rohstoffen enorm. Daraus resultiert ein drastisch reduzierter CO₂-Fußabdruck, was durch zertifizierte und nachgewiesene Messungen belegt ist. So gelang es Fischer Elektronik mit ihrer grünen Steckverbinderserie f.ECOcon, den Product Carbon Footprint (PCF) des eingesetzten Polyamids um nahezu 95 % gegenüber konventionellen Materialien zu senken.

Nachhaltigkeit als Innovationsmotor in der Elektronikfertigung

Die Entwicklung umweltschonend hergestellter Steckverbinder ist ein Beispiel dafür, wie ökologische Verantwortung und technologische Innovation Hand in Hand gehen. Zukünftige Forschung und Fertigung wird sich verstärkt auf die Optimierung biobasierender Kunststoffe, die Integration intelligenter Produktionsverfahren wie Additive Manufacturing sowie auf die Verbesserung der Recyclingfähigkeit durch Design-for-Recycling-Konzepte (vorgelebt durch die Verpackungsindustrie) konzentrieren. Gleichzeitig erfordert die globale Elektronikindustrie einen verstärkten Dialog zwischen Materialwissenschaftlern, Herstellern und Zertifizierungsstellen, um nachhaltige Standards zu etablieren, die ökologischen Mehrwert mit wirtschaftlicher Effizienz verbinden.

Einsparpotenziale beim CO₂-Fußabdruck von Steckverbindern

Im Rahmen moderner Umweltmanagementsysteme gewinnt der Product Carbon Footprint (PCF) – der CO₂-Fußabdruck eines einzelnen Produkts – zunehmend an Bedeutung. Dieser Wert dokumentiert die vollständige Treibhausgasemission, die während des gesamten Herstellungsprozesses eines Artikels freigesetzt wird, und ist integraler Bestandteil des umfassenderen Corporate Carbon Footprints (CCF) eines Unternehmens. Besonders im Bereich der Scope-3-Emissionen, die indirekte Treibhausgasemissionen entlang der Wertschöpfungskette umfassen, spielen auch scheinbar kleine Bauteile wie Steckverbinder eine entscheidende Rolle für den ökologischen Fußabdruck der finalen Baugruppe.

Berechnung des CO2-Fußabdrucks von Steckverbindern

Derzeit gibt es noch keine einheitlichen Vorgaben bzw. Vorgehensweisen und Berechnungsformeln zur CO2-Bilanzierung. Der Leitfaden des ZVEI (https://voge.ly/CO2-Fußabdruck/) gibt einen kompakten Überblick über allgemeine Begrifflichkeiten und derzeitige regulatorische Vorgaben. In einem weiteren Teil werden die Ergebnisse aus dem ZVEI Arbeitskreis PFC Connectors vorgestellt. Der Arbeitskreis hat bestehende Open Source Software-Systeme, Datenbanken und insbesondere bereits vorhandene Leitfäden und Guidelines gesichtet, um eine Berechnung an einem fiktiven Steckverbinder exemplarisch darzustellen.

Das Ziel ist es, ein einheitliches Berichtsformat und Berichtsprozesse von unterschiedlichen Kundenanforderungen zu etablieren sowie eine einheitliche Sprachregelung und transparente Methodik zur Ermittlung, Detaillierung und Weitergabe von Treibhausgasemissionsdaten unter Wahrung unternehmensspezifischer Interessen zu gestalten.

Die Zusammenarbeit zwischen Herstellern und Anwendern eröffnet hohe Einsparpotenziale: So ist der PCF von Leiterplattensteckverbindern mithilfe der beschriebenen Möglichkeiten im Mittel um 55 % reduzierbar. Wesentliche Gründe hierfür sind die Reduktion des Goldverbrauchs sowie der Einsatz von recyceltem Material. Dabei ist es entscheidend, dass Hersteller konsequent ressourcenschonende Technologien implementieren und die Endanwender ihre Anforderungen präzise definieren, um eine Überdimensionierung in Bezug auf Leistung und Materialeinsatz zu vermeiden (Bild 2).

Kleine Komponenten mit großer Wirkung auf den ökologischen Fußabdruck

Obwohl Steckverbinder nur kleine Komponenten innerhalb komplexer elektronischer Systeme sind, haben sie in ihrer millionenfachen Verwendung und Fertigung einen großen Einfluss auf Umwelt und Industrie. In dieser Größenordnung summieren sich selbst marginale Reduktionen des PCF zu erheblichen Umweltentlastungen. Die Schonung von Ressourcen, die Wiederverwendung von Materialien sowie ein sorgfältig gestalteter Recycling-Kreislauf wirken sich nicht nur positiv auf den ökologischen Fußabdruck aus, sondern bringen in kosten- und preissensiblen Projekten auch einen entscheidenden wirtschaftlichen Vorteil. Somit wird die Integration nachhaltiger Materialien und Fertigungsprozesse zum unverzichtbaren Erfolgsfaktor – für Hersteller, Kunden, Umwelt. (kr)

* Timon Dahlhaus, B. Eng., ist als Entwicklungsingenieur für Leiterplattensteckverbinder bei Fischer Elektronik in Lüdenscheid tätig.

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