Chip- und Elektronik-Hersteller wollen sich ein immer größeres Stück vom lukrativen Geschäft mit intelligenten, autonom fahren E-Autos abschneiden. Zwei führende Unternehmen in ihren jeweiligen Branchen haben zu diesem Zweck nun eine strategische Partnerschaft geschlossen: KI-Chip-Spezialist Nvidia und iPhone-Produzent Foxconn.
Elektroautos mit autonomen Fahrfunktionen versprechen einen rasanten Wachstumsmarkt. Daran wollen Nvidia und Foxconn teilhaben.
Der amerikanische GPU-Hersteller Nvidia und das taiwanesische Foxconn, der weltweit größte Elektronik-Auftragshersteller, wollen gemeinsam Plattformen mit autonomen Fahrfunktionen entwickeln, die von OEM in der globalen Autoindustrie als fertige Lösungen für ihre E-Autos eingesetzt werden können. „Gemeinsam versetzen wir die Industrie in die Lage, Energie-effiziente, automatisierte Fahrzeuge zu bauen“, sagte Eric Ye vom Zentrum für Software-Entwicklung von Foxconn.
Die neue Zusammenarbeit besteht aus zwei wesentlichen Teilen: Zum einen werde Foxconn als „Tier-1-Zulieferer agieren“ und ECUs, also elektronische Kontrolleinheiten auf der Basis des „Nvidia Drive Orin“ fertigen, heißt es in einer Presseerklärung von Nvidia, die kurz vor Beginn der Tech-Messe CES in Las Vegas im Januar 2023 verteilt worden ist.
Zweiteilige strategische Kooperation
Nvidia Drive Orin ist ein „System-on-a-Chip“ (SoC), das dem Chiphersteller zufolge 254 Billionen Rechenoperationen ausführen kann und damit genügend Kapazität für die zahlreichen Anwendungen und neuralen Netzwerke hat, die für selbstfahrende Autos simultan gebraucht werden.
Im zweiten Teil der strategischen Kooperation haben die beiden Unternehmen vereinbart, dass von Foxconn hergestellte Elektrofahrzeuge Drive-Orin-ECUs und die modulare Plattform Drive Hyperion von Nvidia mit den notwendigen Sensoren für ihre autonomen Fahrfunktionen verwenden werden.
„Miteinander kombiniert, dienen sie als Gehirn und zentrales Nervensystem des Fahrzeugs, wo sie massive Mengen von Sensordaten in Echtzeit verarbeiten, damit autonome Fahrzeuge sicher wahrnehmen, planen und agieren können“, erläutert Nvidia.
Gaming und Smartphones schwächeln: Nvidia braucht Erfolge
Nvidia ist wie viele andere Chiphersteller von der allmählich nachlassenden Nachfrage für Halbleiter in den Bereichen Gaming und Smartphones betroffen. Der jüngste Quartalsbericht des Konzerns weise daher einen Rückgang der Einnahmen von 17 Prozent im Vergleich zum Vorjahr aus, allein in der Business Unit „Gaming“ sogar von 51 Prozent, schreibt das Fachportal EET China.
Das Geschäft Nvidias in der Autoindustrie sei jedoch im selben Zeitraum um 86 Prozent im Jahresvergleich gewachsen. Die Einnahmen von 251 Millionen US-Dollar pro Quartal machten allerdings erst 4,2 Prozent des gesamten Umsatzes des Chipherstellers aus.
Das Wachstum veranschaulicht aber sehr deutlich die Attraktivität, die von der Emobilität und dem autonomen Fahren für Nvidia ausgeht. Da ist für den Konzern noch Luft nach oben in der Höhe von Milliarden, würde es der Analyst einer Investment-Bank formulieren. Nvidia hat auf der Messe auch gerade eine neue Zusammenarbeit mit Mercedes-Benz bekannt gegeben, das sein Produkt „Nvidia Omniverse“ nutzen wird.
Foxconn versucht in Fahrzeugmarkt einzusteigen
Foxconn wiederum seinerseits ist derzeit noch immer vorwiegend dafür bekannt, dass es für Apple das iPhone und viele andere seiner Produkte in riesigen Werkhallen in China und anderswo produziert. Darüber hinaus ist das Unternehmen vor knapp einem Jahr in die Chipfertigung eingestiegen und hat mit Partner Yageo die XSemi Corporation gegründet. Der Fokus liegt auf „small ICs“ mit einem Stückpreis unter zwei US-Dollar – 90 Prozent der Chips in E-Autos fallen darunter.
Seit mehreren Jahren aber setzt auch Foxconn-Gründer Terry Gou schon auf die Automobilindustrie als neuen Wachstumstreiber für sein Geschäft. Darüber hatte auch unsere Schwesterredaktion Automobil Industrie berichtet.
Die Zusammenarbeit mit Nvidia ist für Foxconn nun also ein weiterer Schritt in Richtung Tier-1-Zulieferer für die Autoindustrie, oder sogar in Richtung Hersteller eigener E-Autos. Oder beides – so ganz genau will man sich da in Taiwan noch nicht festlegen.
Wachstumsmarkt Elektromobilität im Fokus
„Elektrische Fahrzeuge sind ein globaler Trend und sie sind auch die größten und teuersten smarten Elektronikprodukte in der Welt“, zitiert das Finanzblatt Caihua She aus Hongkong den Foxconn-Gründer Terry Gou. Da wolle man auf jeden Fall mitspielen, erklärte der Foxconn-Gründer demnach sinngemäß.
Man könnte den Anspruch der Taiwanesen auch so formulieren: Wenn Foxconn für Apple Smartphones bauen kann, dann kann es auch die „Smartphones auf Rädern“ bauen, als die intelligente Elektroautos häufig bezeichnet werden. (me)
Stand: 08.12.2025
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