Stromversorgungen Normen und Richtlinien für Netzteilentwickler
Normen und Richtlinien Netzteilentwickler zu berücksichtigen haben.
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Nur wenige vermögen ohne langes Zögern die Unterschiede zwischen einer Norm, einer Richtlinie oder einer Leitlinie zu erläutern. Wie etwa Udo Schweizer von Lambda: „Eine Rechtsnorm fasst eine unbestimmte Menge von Einzelfällen zusammen und definiert die rechtlichen Folgen, wenn diese Norm nicht eingehalten wird. Richtlinien unterstehen den Normen, denn sie sind per Definition Handlungsvorschriften mit bindendem Charakter, jedoch ohne gesetzliche Natur. Dennoch ist die Richtlinie gesetzlich ermächtigt und hat damit zum Beispiel auch einen arbeitsrechtlich sanktionierbaren Geltungsbereich.
Eine Leitlinie hat wiederum weniger Gewicht als eine Richtlinie. Sie spiegelt im Wesentlichen allgemein akzeptierte Standards wieder. EG-Richtlinien sind keine Richtlinien im eigentlichen Sinne. Vielmehr werden darin die nationalen Gesetzgeber der EU aufgefordert, die in der Richtlinie formulierten Forderungen in nationales Recht umzusetzen und anzuwenden.“
Bei Endgeräten, in die auch Netzteile eingebaut werden, können also vielfältige Richtlinien und Normen Gültigkeit haben. Meist beziehen sich jedoch nur wenige davon auf die Netzteile selbst. Relevante Normen sind hier zum Beispiel die EN 61010 (Sicherheitsbestimmungen für elektrische Mess-, Steuer-, Regel- und Laborgeräte), die EN 60335 (Sicherheit elektrischer Geräte für den Hausgebrauch und ähnliche Zwecke) und die EN 60601 (medizinische elektrische Geräte). Die wichtigste Norm im Zusammenhang mit Netzteilen ist aber die EN 60950 zur Sicherheit von Einrichtungen der Informationstechnik.
Welche Normen und Richtlinien sind für Netzteilentwickler wichtig?
Schweizer: „Diesen Normen sind diverse Richtlinien untergeordnet, die ebenfalls Netzteile betreffen. Zum Beispiel die Niederspannungsrichtlinie 72/23/EEC, EMV-Richtlinie 89/336/EEC, Richtlinie 93/68/EEC zur CE-Kennzeichnung, Maschinenrichtlinie 98/37/EC, Richtlinie 93/42/ECC für medizinische Geräte, Richtlinie 98/79/EC für In-Vitro-Diagnostik, Produkthaftungsrichtlinie 85/374/EEC, ATEX-Richtlinie 94/9/EC und die Produktsicherheitsrichtlinie 2001/95/EC. Die wichtigsten dieser Richtlinien für Netzteile sind die Niederspannungsrichtlinie und die EMV-Richtlinie.“
Die Niederspannungsrichtlinie betrifft alle elektrischen und elektronischen Geräte mit Eingangsspannungen von 50 bis 1000 V Wechselspannung bzw. 75 bis 1500 V Gleichspannung. Ihre Hauptaussage ist, dass diese Geräte sicher sein müssen und keinerlei Schaden an Menschen, Haustieren und Sachen verursachen dürfen. Sie betrifft sowohl eingebaute Komponenten als auch Komplettgeräte.
Die Richtlinie weist eine Besonderheit auf: Wird eine EN-Sicherheitsnorm verabschiedet, die ein Produkt nach der Niederspannungsrichtlinie abdeckt, ist diese Norm sofort zur Veröffentlichung frei. Sie muss nicht zuvor im Amtsblatt der EU verzeichnet werden. Dazu ist jedoch zu prüfen, ob bereits vorhandene oder ältere Standards im Amtsblatt immer noch für die CE-Kennzeichnung nach der Niederspannungsrichtlinie aktuell sind.
Was interessiert den chinesischen Hersteller eine deutsche Richtlinie?
Schweizer: „Eine Richtlinie gibt beispielsweise vor, dass zu jedem Produkt eine technische Dokumentation angelegt werden muss und schreibt die Art der darin enthaltenen Informationen und Dokumente fest. Die Dokumentation muss beim Hersteller vorliegen, sofern dessen Firmensitz in der EG ist; andernfalls ist die europäische Vertretung oder der Importeur dafür zuständig. Sie hilft auch die Frage zu klären, ob ein Produkt überhaupt sicher ist und dient darüber hinaus dem Nachweis, dass diese Sicherheit eines Produktes richtig beurteilt wurde.“
Zu diesem Zweck wird die Dokumentation auch den unabhängigen Prüfstellen zur Produktbeurteilung vorgelegt. Sie muss für 10 Jahre nach der Herstellung des letzten Produkts unverändert aufbewahrt werden.
Relevant für Entwickler von Netzteilen ist die EMV-Richtlinie (elektromagnetische Verträglichkeit). Sie betrifft alle Geräte, die elektromagnetische Störungen verursachen könnten oder deren Leistung von elektromagnetischen Störungen beeinflusst wird. Ihr Hauptziel ist der Schutz von Funkkommunikation, Telekommunikation und öffentlichen Stromversorgungsnetzen sowie Geräten, Anlagen und Systemen, die damit verbunden sind.
Gilt sie für autonome und für in Geräte integrierte Netzteile gleichermaßen?
Schweizer: „Ja. Und die Richtlinie erfordert Prüfungen gemäß gültiger Produktnormen oder allgemeiner Normen. Sollten diese für das konkrete Produkt nicht vorhanden sein, wird anhand angemessener nationaler Normen geprüft. Auch die EMV-Richtlinie macht klare Vorgaben, welche Informationen die technische Dokumentation beinhalten muss.“
Mit Wirkung zum 20. Juli 2007 soll die EMV-Richtlinie durch die Richtlinie 2004/108/EC ersetzt werden, die man im Dezember 2004 im Amtsblatt veröffentlicht hat. Nach dieser neuen Richtlinie sind Prüfungen durch zuständige Prüfstellen nicht mehr obligatorisch, sondern optional. Dafür werden die Hersteller beim Einhalten der Richtlinie stärker in die Pflicht genommen.
Schweizer: „Das ist richtig. In der neuen Fassung grenzt sie sich außerdem deutlicher von anderen Richtlinien ab und vereinfacht die notwendige Prozedur zur Bewertung eines Produktes. Auch die Rolle der für die Prüfung benannten Stellen ist klar spezifiziert. Bringt ein Hersteller ein Produkt auf den Markt, hat er die Pflicht, dieses Produkt auch weiterhin zu beobachten und entsprechende Maßnahmen zu ergreifen, sollte sich im Gebrauch herausstellen, dass potenzielle Gefahren von dem Produkt ausgehen.“
Wissen, was wirklich wichtig ist
Unter anderem die Niederspannungsrichtlinie und EMV-Richtlinie decken in den meisten Anwendungsfällen die rechtlichen Forderungen für Netzteile ab. In besonderen Einsatzbereichen beispielsweise der Telekommunikation, bei Aufzügen, bei Schienenfahrzeugen oder in der Medizintechnik können zudem weitere Normen oder Richtlinien relevant sein. Normen die für den Maschinenbau gelten, sind für den Entwurf von Netzteile meist unbedeutend. Dagegen sind wichtigste Normen und Richtlinien für Netzteile die EN 60950, die Niederspannungs- und die EMV-Richtlinien. Der Beitrag verdeutlicht, worauf zu achten ist.
Lambda, Tel. +49(0)7841 6660
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