Heger Leiterplatten-Schnellservice Norderstedter Leiterplattenhersteller feiert 40-jähriges Firmenjubiläum

Redakteur: Claudia Mallok

Obwohl die Krise die europäische und deutsche Leiterplattenbranche gezeichnet hat, blickt das Familienunternehmen Heger Leiterplatten-Schnellservice aus Norderstedt zuversichtlich in die Zukunft. Heger ist spezialisiert auf extrem kurzfristig hochwertige Muster-Leiterplatten- und Kleinserien-Fertigung. Zum 40-jährigen Jubiläum erinnert man sich an den Anfang im Oktober 1969 in einem ehemaligen Kuhstall.

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Grundpfeiler des Erfolgs seit der Stunde Null im Oktober 1969 war für Heidemarie Heger „Qualität plus Geschwindigkeit“. Mit diesem Leitmotto hat die Gründerin von Heger Leiterplatten-Schnellservice allen Marktwidrigkeiten standgehalten. Die große Rezession 1991 und 1992 mit einem geschätzten Preisverfall von 25%, die allein in Deutschland binnen zweier Jahre mehr als 150 Leiterplattenhersteller vom Markt fegte, konnten der Powerfrau genauso wenig etwas anhaben wie der Zusammenfall der gigantischen DotCom-Blase von 2001 bis 2003.

Das Konzept: Stets offen für Neues und extrem pünktliche Lieferung bei gleich bleibend hoher Qualität. Das ist insofern beachtlich, als es zu den Anfängen von Heger in Deutschland nur rd. 10 Firmen gibt, die Leiterplatten fertigen, meist Inhouse-Betriebe, die häufig aus der Not der Anwender entstanden waren.

Erfolgsrezept: kurze Lieferzeiten

Der Bedarf ist wesentlich höher als die vorhandenen Kapazitäten, so dass lange Lieferzeiten unausweichlich sind. Nicht ausreichend abgestimmte Fertigungs- und Ablaufsorganisation führten zudem zu Lieferengpässen, so dass beispielsweise die Durchlaufzeit bei einem durchschnittlichen Auftrag im Jahr 1985 noch vier bis sechs Wochen betrug; die reine Bearbeitungszeit jedoch nur 12 bis 15 Stunden. Der Rest war Wartezeit. Wohltuend abheben konnte sich da Heidemarie Heger: „Zugesagt und geliefert“ bescheren der Jungunternehmerin und gebürtigen Wienerin schnell namhafte Kunden wie Philips, Plath, das Deutsche Elektronen Synchotron (DESY) oder Eppendorf Gerätebau Netheler & Hinz. Die Mund-zu-Mund-Propaganda tut ihr übriges, um die Auftragsbücher voll zu halten.

Turbulenzen im deutschen Leiterplattenmarkt

Jedoch werden die europäische und besonders die deutsche Leiterplattenindustrie durch die übermächtige Konkurrenz aus Fernost in die Knie gezwungen. Durch EG- bzw. EU-Subventionen begünstigt, gesellen sich zu Fernost zunehmend europäische Billiglohnländer. Erschwerend kommt hinzu, dass die Elektronikproduktion in Japan und den Tigerstaaten (Taiwan, Singapur, Hongkong und Korea) zwischen 1979 und 1989 um 600 bis 700% wächst. Die Bundesrepublik legt im gleichen Zeitraum um lediglich 350% zu.

Bis heute hat sich die Situation der Leiterplattenindustrie kaum gebessert – von ein paar Verschnaufpausen abgesehen. So sind die Aussichten für 2010 nicht minder trübe als für das aktuelle Jahr. Die anhaltende Wirtschaftskrise wirkt sich auch auf dem Parkett des deutschen Leiterplattenmarktes aus, der kaum mehr 77 Leiterplattenhersteller zählt und im Jahr 2008 einen Umsatz von 969,5 Mio. Euro erwirtschaftetet. Zum Vergleich: 2007 erzielten 80 Leiterplattenproduzenten in Deutschland noch 1.039 Mio. Euro Umsatz. Die in den 1990er Jahren in Bewegung geratene Abwanderung der hochvolumigen Elektronik- und damit auch die Leiterplattenproduktion hat mit China ihren einstweiligen Höhepunkt erreicht.

Die Ein-Frau-Leiterplattenfirma

Vor diesem Hintergrund ist die Entwicklung von Heger Leiterplatten-Schnellservice beachtenswert: Die turbulenten Marktentwicklungen haben sich auf das Unternehmen kaum ausgewirkt, hat es doch von Anfang an mit der Prototypen- und Kleinserienfertigung seine Nische gefunden: „Unsere Unternehmenshistorie ist eng verknüpft mit der Lebensgeschichte meiner Mutter“, betont die geschäftsführende Gesellschafterin Katja Ranocha, die das Familienunternehmen in zweiter Generation führt. Besagte Mutter, Heidemarie Heger, gründete das Unternehmen vor exakt 40 Jahren.

Bescheidene Anfänge: In einem Kuhstall startete im Jahr 1969 die Firma Heger mit der Leiterplattenfertigung (Archiv: Vogel Business Media)

Der erste Firmensitz ist ein Bauernhof – genauer gesagt, dessen Stall. Am Speckenkamp in Norderstedt, direkt in der Einflugschneise des Hamburger Flughafens, bezieht die patente Jungunternehmerin für insgesamt 180 Mark Miete pro Monat von einem Bauern einen leer stehenden Kuhstall mit 55 m² und einen angrenzenden Schweinestall mit 25 m². In dem Kuhstall wird die erste kleine Leiterplattenfertigung untergebracht, der angrenzende Schweinestall wird zu einem Mini-Appartement mit einem winzigen Kinderzimmer umfunktioniert.

Die Anfänge sind bescheiden, fallen aber in eine Zeit, als nahezu ausschließlich die einseitige Platte nachgefragt wird; lediglich 10% der Entwickler denken fortschrittlich, nämlich doppelseitig. Die Durchkontaktierung ist aber in einzelnen Betrieben gerade in der ersten Erprobung. Für die Entrepreneurin stellt diese Herausforderung eine Chance dar, bevorzugt sie doch von jeher die „learning by doing“-Methode. Immerhin: Auf ihre profunden Kenntnisse aus der Druckerei aufbauend, diente einst eine Hasenstalltür als Druckschablone, um Farbe auf eine Kupferplatte aufzutragen, woraus letztlich die erste Leiterplatte entstand.

1990 Umzug in eigene 2000 m2 große Produktionsräume

1972 gelingt Heger der Durchbruch: Das Unternehmen Eppendorf Gerätebau beginnt damit, durchkontaktierte Leiterplatten in einigen Geräten einzusetzen und beauftragt Heger mit der Platinenfertigung. Eine Geldspritze und ein Großauftrag von Eppendorf Gerätebau verhelfen der Heger-Chefin zum Umzug in die Stormarnstraße in ein größeres Firmengebäude und damit auch zur weiteren Expansion. Die Kundenwünsche von Eppendorf wie den direkten Zugriff auf die Leiterplattenfertigung, technische Beratung sowie ein Hol- und Liefer-Service werden zum Markenzeichen von Heger.

Nach einer rund zweijährigen Planungs- und Bauphase zieht das Leiterplatten-Schnellservice-Team schließlich im März 1990 in die eigenen, 2000 m² großen Produktionsräume in die Norderstedter Oststraße. Es wird in neue Maschinen und in die Sondergalvanik investiert, was sich gerade in den Jahren nach der Maueröffnung bewährt. Die mittlerweile 20-jährige Tochter Katja steigt zur Unterstützung der Mutter in die Firma ein und übernimmt 1993 die Geschäftsleitung.

Durchschnittlich 10% Wachstum in den letzten 5 Jahren

Mut zu Neuem, aber auch die Zeichen der Zeit rechtzeitig zu erkennen, haben den Norderstedter Leiterplattenhersteller vorangetrieben: Neben der pünktlichen Lieferung, dem besonderen Service und Dienstleistung, sowie Qualität als auch Zuverlässigkeit waren es den technischen Fortschritten zu verdanken, dass Heger heute ganz vorne in der Liga der Leiterplattenhersteller für Prototypen und Kleinserien mitspielt: „Die meisten unserer Kunden sind Entwicklungsingenieure. Gemeinsam erarbeiten wir individuelle Problemlösungen, um für sie das optimale Ergebnis zu erzielen“, erklärt Katja Ranocha und freut sich über die internationale Wertschätzung ihres Unternehmens. Der Erfolg gibt ihr Recht: In den letzten fünf Jahren erzielte das Familienunternehmen eine jährliche durchschnittliche Wachstumsrate von etwa 10% und im Jahr 2008 4,2 Mio. € Umsatz.

Der Leiterplattenhersteller hat sich auf Komplettlösungen von der Entwicklung bis zum fertigen Gerät mit Bestückung und Test in extrem kurzen Lieferzeiten spezialisiert: Binnen 4 Stunden sind einseitige, in 8 Stunden doppelseitige Leiterplatten verfügbar und Multilayer liefert Heger nach 24 Stunden. Ebenfalls im Portfolio sind Multilayer mit Blind- und Burried Vias, Ultra-Thin-Multilayer (UTM) und Micro-Via-Multilayer von unter 100 µm genauso wie auch chemisch Silber, chemisch Gold, galvanisches Bondgold für Alu- und Gold-draht, Feinstleiter-Technologie (50 µm), gepluggte Vias, Fotosensibler Lötstopplack in allen Farben und Carbon-Technik. Ein sehr großer Spezialmaterialienlager auch für die HF-Technik komplettieren das Angebot.

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