Dresdner Wissenschaftler haben für den Zink-Luft-Akku einen neuartigen Katalysator entwickelt, der auf Zirkonium basiert und die Lade- und Entladeleistung deutlich verbessert.
Bick ins Detail: Der poröse Katalysator (rote Kugeln) beherbergt auf seiner Oberfläche dichte, katalytisch aktive Zirkoniumstellen (im gelben Kreis dargestellt) und verbessert so die chemischen Reaktionen der Batterie, die mit der Energiespeicherung verbunden sind.
(Bild: HZDR/Bernd Schröder, Minghao Yu)
Der langfristige Umstieg auf erneuerbare Energien ist ohne moderne Technologien zur Energiespeicherung undenkbar. Dazu zählen auch Akkus, in denen Elektrizität in Form von chemischer Energie zwischengespeichert wird. Wesentlich für ihre Effizienz ist die Verfügbarkeit geeigneter Katalysatoren, die die damit verbundenen chemischen Reaktionen optimiert ablaufen lassen.
Dresdner Wissenschaftler haben sich nun mit dem Zink-Luft-Akku einen bekannten Akkutyp genauer angesehen, der heute vor allem als Knopfzelle verbreitet ist und beispielsweise in Hörgeräten zum Einsatz kommt. Dafür haben sie einen neuartigen Katalysator entwickelt, der auf dem unedlen Metall Zirkonium basiert. Mit ihm kann das bisher am häufigsten als Katalysator eingesetzte Edelmetall Platin ersetzt und der Akku dennoch in ein Kraftpaket verwandelt werden.
Lade- und Entladeleistung deutlich verbessert
Der neue Katalysator verbessert die Lade- und Entladeleistung des Akkus deutlich. Er ist darüber hinaus sehr langlebig: Nach 130 Betriebsstunden hielt die Testbatterie immer noch 92 Prozent des ursprünglichen Stroms vor. „Das ist ein ausgezeichneter Wert, wenn man bedenkt, dass wir uns noch in einem frühen Stadium der Entwicklung unserer neuartigen Katalysatoren befinden“, erklärt Dr. Agnieszka Kuc vom Institut für Ressourcenökologie am Helmholtz-Zentrum Dresden-Rossendorf (HZDR). Sie forscht an den chemisch-physikalischen Eigenschaften von Akku-Katalysatoren. Diese werden oft als Metallnanostrukturen auf geeigneten Trägermaterialien eingesetzt, wobei deren Metallatome als katalytisch aktive Stellen fungieren. Die Größe der verwendeten Metallpartikel ist dabei wichtig für die Leistungsfähigkeit solcher Katalysatoren: Erfahrungen aus der Forschung zeigen, dass die katalytische Wirksamkeit der Metallatome in der Regel zunimmt, je kleiner die sie beherbergenden Metallpartikel sind.
Der Einzelatom-Katalysator
„Die ultimative Grenze ist der Einzelatom-Katalysator: isolierte Metallatome, die einzeln auf einem Träger verteilt sind“, erläutert Dr. Minghao Yu von der TU Dresden. Er stellt Katalysatoren her, deren Zentrum aus einzelnen Übergangsmetallatomen – wie etwa Zirkonium – bestehen, die durch benachbarte, in einer Ebene liegende Kohlenstoff- oder Stickstoffatome in einer Kohlenstoffmatrix gefangen sind.
„In unserem Fall haben wir jedoch noch ein Sauerstoffatom als zusätzlichen Koordinationspartner oberhalb unseres Metalls angeordnet, was zu einer weiteren Wechselwirkung mit der elektronischen Struktur des Zirkoniums führt“, hebt Yu ein besonderes Merkmal hervor, das zu einer neuen Designstrategie für fortschrittliche Einzelatom-Katalysatoren führen könnte.
Auswirkung der Überspannungveringert
Der Katalysator soll die Auswirkungen eines Phänomens verringern, das die praktische Effizienz vieler elektrochemischer Reaktionen begrenzt: die sogenannte Überspannung, ein Maß für die Abweichung der realen Chemie in der Akkuzelle von dem, was theoretisch eigentlich erwartet werden könnte. „Das bedeutet im Grunde, dass wir weniger Energie nutzbar machen können als von der Thermodynamik vorhergesagt“, erklärt Kuc.
Knifflige Miniaturisierung
Katalysatoren verringern diese Überspannung und werden so der Schlüssel zur Effizienz der Umwandlung von chemischer in elektrische Energie. Heute sind Katalysatoren auf Platinbasis der Maßstab in der Akkuchemie kommerzieller Anwendungen. Sie haben jedoch einen Nachteil: Platin kommt nur in geringen Mengen in der Erdkruste vor und ist daher sehr teuer. Die Entwicklung neuartiger Katalysatoren auf Basis weniger edler Metalle als praktikable Alternativen war daher in den letzten Jahrzehnten ein Schwerpunkt der Forschung. Und nun präsentieren die Dresdner Forscher mit dem unedlen Metall Zirkonium einen echten Rekordkandidaten.
Clusterbildung verhindern
Die Wissenschaftler der Dredsden-Concept-Partner TU Dresden, Max-Planck-Institut für Chemische Physik fester Stoffe (MPI-CPfS) und HZDR mussten dabei eine Auswirkung der Miniaturisierung im Auge behalten: Die abnehmende Partikelgröße fördert die Zusammenballung eben jener Partikel zu kleinen Clustern. Das wiederum führt zu einer begrenzten Leistung, vor allem bei hohen Betriebsstromdichten.
Die Verwendung eines geeigneten Trägermaterials, das eine starke Wechselwirkung mit dem Metall eingeht, unterbindet diese Verklumpung und schafft stabile, fein verteilte Metallcluster mit hoher katalytischer Aktivität. Mit einer gut definierten und gleichmäßigen Verteilung der Metallatome können die Katalysatoren eine hohe Aktivität und Selektivität erreichen.
Stand: 08.12.2025
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Synthetisiertes Material auf der Oberfläche von Quarzkügelchen isoliert
„In unserem Fall haben wir unser synthetisiertes Material auf der Oberfläche von Quarzkügelchen isoliert, die eine für katalytische Prozesse vorteilhafte poröse Struktur aufweisen. Bei unserer Anordnung stellten wir eine ausgeprägte Abneigung des Zirkoniums hinsichtlich einer Zusammenballung fest, sodass wir Katalysatoren mit einer hohen Zirkoniumbeladung herstellen konnten. Damit haben wir eine rekordverdächtige Leistungsdichte unter allen bisher mit Einzelatom-Katalysatoren hergestellten Zink-Luft-Akkus erzielt“, berichtet Kuc.