Künftig müssen Unternehmen über ihre Lieferanten detailliert Auskunft geben sowie Recycling-Schleifen in ihre Produktwelt integrieren. Diese neuen Anforderungen sollten aber nicht als Hürde verstanden werden, sondern vor allem als Chance.
Die Aras-Studie „Von Nachhaltigkeit bis Digitalisierung“ zeigt: Für sieben von zehn Unternehmen ist Nachhaltigkeit mittlerweile ein absolutes Topthema.
Mit schärferen Regelwerken wie dem deutschen Lieferkettengesetz oder der Corporate Sustainability Reporting Directive (CSRD) der EU steht die Elektronikbranche unter besonderer Beobachtung. Unternehmen müssen künftig ihre nicht-finanzielle Berichterstattung ernster nehmen und eine umfassende Nachhaltigkeitsstrategie implementieren. Verfehlungen führen nicht nur zu Strafen oder Imageverlust, sondern auch zu Nachteilen auf dem Kapitalmarkt. Das Thema hat in der Industrie einen hohen Stellenwert, wie die Aras-Studie „Von Nachhaltigkeit bis Digitalisierung“ belegt: Für sieben von zehn Unternehmen ist Nachhaltigkeit mittlerweile ein absolutes Topthema.
In der aktuellen Diskussion werden klassische Umweltthemen um gesellschaftspolitische Aspekte erweitert. Unter dem Oberbegriff ESG (Environmental, Social, Governance) werden ergänzend zur Ökologie auch soziale Verantwortung und gute Unternehmensführung gleichberechtigt behandelt. Diese Kombination ermuntert zu einer ganzheitlichen Unternehmensstrategie. Und statt des traditionellen Silo-Denkens wird ein interdisziplinärer Ansatz verfolgt, der einen unternehmensweiten und lieferantenübergreifenden Informationsaustausch sicherstellt.
Dieser Ansatz führt dazu, dass die Akteure der gesamten Wertschöpfungskette – vom Rohmaterial-Produzenten über den Zwischenhändler bis zum Recyclingunternehmen – tiefer in die Entwicklungs- und Fertigungsarbeit der Unternehmen eingebunden werden. Und auch die Produkte selbst müssen ESG-konform geplant werden – ausgehend vom Herstellungsprozess bis hin zur endgültigen Lagerung nicht mehr verwertbarer Reste. Damit kann auch für komplexe Produkte aus der Elektronikbranche die Einführung einer echten Kreislaufwirtschaft Realität werden.
Der wichtigste Begriff in diesem Zusammenhang ist „Cradle to Cradle“ (von Wiege zu Wiege). Gemeint ist damit die Gestaltung und Steuerung des gesamten Produktlebenszyklus‘ von der Gewinnung der Rohstoffe über möglichst umfassende „Re-Use“-Schleifen bis zur Weiterverwertung von Abfällen. Damit Produkte die Anforderungen einer Kreislaufwirtschaft erfüllen, muss sich ausgehend von zirkulären Designkonzepten bis hin zu Kooperationen in der Wertschöpfungskette hinweg eine durchgehende Informationskette wie ein roter Faden digital zurückverfolgen und auch virtuell in die Zukunft projizieren lassen.
Höhere Recyclingquote lohnt auch aus wirtschaftlichen Gründen
Das Nachhaltigkeits-Potenzial der Elektrotechnik- und Elektronikindustrie ist noch groß: So lag zum Beispiel die Sammelquote von Elektro-/Elektronik-Altgeräten laut Umweltbundesamt zuletzt bei lediglich 44,1 Prozent. Das seit 2019 in der EU geltende Mindestsammelziel von 65 Prozent wurde damit erneut deutlich verfehlt. Dabei lohnt sich eine höhere Recyclingquote sowohl aus Umweltgründen wie auch aus wirtschaftlichen Überlegungen, schließlich besteht der Elektronikschrott unter anderem aus wertvollen Metallen, genauso wie aus unterschiedlichsten organischen und anorganischen Stoffen.
Unternehmen stehen beim Thema Nachhaltigkeit und den von außen auferlegten Pflichten also vor vielfältigen Herausforderungen. Denn zusätzlich zu den Veränderungen in der Produktpalette müssen auch Lieferanten unter Berücksichtigung der ESG-Kriterien genauestens geprüft werden. Dies bedingt eine Reihe von Herausforderung:
Das Sammeln qualitativ hochwertiger Daten
Das Verarbeiten sehr hoher Datenmengen
Die Zusammenführung der Datenströme über die passenden Schnittstellen
Die aussagekräftige Analyse der Daten
Jens Rollenmüller, Aras: „Mit intelligenter Analyse vorliegender Daten können Effizienzpotenziale gehoben und eine nachhaltige Kreislaufwirtschaft etabliert werden – sofern das dafür notwendige Werkzeug bereitsteht.“
(Bild: JANINA LASZLO)
Die Unternehmen benötigen deshalb eine digitale Lösung zur systematischen Erfassung und Analyse der Daten. Dies gelingt mit einem kollaborativen Product Lifecycle Management (PLM), das über die Datenanalyse Einblick in die gesamte Wertschöpfungskette gibt und auch für Prognosezwecke genutzt werden kann. Vom Datenmanagement über die Prozesse bis hin zur unternehmensübergreifenden Zusammenarbeit wird eine digitale Durchgängigkeit gewährleistet.
Damit ist ein Rahmenwerk geschaffen, über das die jeweiligen regulatorischen Anforderungen iterativ abgearbeitet werden können. Denn mittels datenbasierter Prozesse, die die Supply Chain wie einen digitalen Zwilling abbilden, können die Unternehmen z.B. ihre Lieferketten steuern, überprüfen und flexibel anpassen.
Alte Werkzeuge taugen nicht für die Prozesse von morgen
Wie groß sind Ihre aktuellen Herausforderungen beim Thema Nachhaltigkeit?
(Bild: Aras)
Über die PLM-Plattform wird zudem die Vernetzung gefördert und vorhandene Silos aufgebrochen. Dies ermöglicht die Einbeziehung aller Abteilungen und Experten. Denn um den neuen gesetzlichen Vorgaben zu entsprechen, ist eine ausfallsichere Kooperation aller Akteure entlang der gesamten Supply Chain unumgänglich. Unternehmen benötigen daher intelligente, vernetzte, auf digitalen Technologien und einem beschleunigten Wissensaustausch basierende Abläufe. Sie sind die Grundlage für widerstandsfähige Prozesse.
Stand: 08.12.2025
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Mit den bislang in vielen Unternehmen gebräuchlichen Excel-Listen sind die mit der kommenden Gesetzgebung einhergehenden Aufgaben nicht zu schaffen. Dies haben die Unternehmen auch erkannt. So werden veraltete IT-Systeme in der Aras-Studie von nahezu jedem zweiten Unternehmen als Hürde auf dem Weg zu Veränderungen wahrgenommen. Aber auch träge Prozesse, Daten-Silos und überholte Unternehmenskulturen bremsen die Firmen nach eigener Aussage aus. Die Kunst liegt darin, Informationen nicht nur zu sammeln oder zu speichern. Entscheidend ist eine Datenanalyse, die Mehrwerte generiert und Effizienzpotenziale hebt.
Viele Unternehmen sitzen laut der Studie auf „Datenschätzen“: So räumen 73 Prozent der deutschen Führungskräfte offen ein, das Potenzial ihrer Daten bisher nicht auszunutzen. Sechs von zehn haben zudem trotz großer Datenmengen Transparenzdefizite im eigenen Haus erkannt und können Daten aus verschiedenen Quellen nur schwer zusammenführen. Was fehlt, ist ein ganzheitlicher Ansatz, um der enormen Datenfülle Herr zu werden.
Mit PLM zur digitalen Was-passiert-dann-Maschine
Wie groß sind Ihre aktuellen Herausforderungen im Bereich Digitalisierung?
(Bild: Aras)
Mit einem Product Lifecycle Management (PLM) steht Unternehmen das passende und vor allem flexible Tool zur Verfügung, um aus der Datenwelt Erkenntnisse zu generieren, Entscheidungen abzuleiten und künftigen Berichtspflichten gerecht zu werden. Das System ermöglicht es, Daten nicht mehr als Momentaufnahme zu betrachten, sondern die Informationen in ein kontinuierlich wachsendes Gesamtsystem einzubetten. Das Ziel: ein robuster digitaler Faden, der sämtliche Informationen aus dem Unternehmen mit dem Produkt-Ökosystem verbindet.
Dieser sogenannte Digital Thread ist damit auch die Grundlage für einen digitalen Zwilling, der Unternehmen dabei unterstützt, schon in der Konzeptionsphase verschiedenste Anforderungen, Nutzungsszenarien und sogar Recycling-Möglichkeiten virtuell nachzubilden. Zudem kann über eine cloudbasierte PLM-Lösung – Stichwort Software as a Service (SaaS) – sichergestellt werden, auf regulatorische Neuerungen stets mit der modernsten Software reagieren zu können.
Über die Studie „Von Nachhaltigkeit bis Digitalisierung“
Für die Studie „Von Nachhaltigkeit bis Digitalisierung“ befragte die Produkt-Innovations-Plattform Aras mehr als 130 Eigentümer und Top-Manager deutscher Unternehmen mit einem Umsatz von mindestens 100 Mio. Euro. (jw)
* Jens Rollenmüller ist Geschäftsführer bei Aras Deutschland.