IEC 61810-1 und UL 61810-1

Nach der Norm ist vor der Norm – Neues aus der Relaisnormung

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Wo bisher noch keine Annäherung erfolgt ist

In anderen Punkten war jedoch eine Annäherung bis heute noch nicht möglich. Dies betrifft z.B. die Bewertung von Kunststoffen für Isolationszwecke und zur Unterstützung von leitenden Teilen bezüglich Langzeitverhalten, Flammschutz, Entzündung etc. In den USA gelten hier Anforderungen aus der UL 94 bzw. den Normen UL 746. Für gängige Kunststoffe sind hier Prüfergebnisse von den Kunststoffherstellern bei UL verfügbar, die aber von europäischen Prüfinstituten (also auf IEC-Ebene) normalerweise nicht anerkannt werden.

Wie man sich unschwer denken kann, gilt dies auch anders herum. Die Ergebnisse von Glühdraht- oder Kugeldruckprüfung sind in den USA praktisch wertlos. Ob dies jeweils technisch nachvollziehbar ist oder es andere Gründe dafür gibt, bleibt dem Leser zu bewerten. So ist es ja auch möglich, dass die Sicherheit und Zuverlässigkeit von Kunststoffen in der Elektroindustrie gerade durch die Kombination der verschiedenen nationalen Anforderungen so hoch ist.

Neben der Harmonisierung mit den amerikanischen Anforderungen werden in der 4. Edition der IEC 61810-1 noch weitere neue Aspekte aufgegriffen:

  • Ein neuer Anhang behandelt die Verarbeitbarkeit von Leiterplattenrelais mit Referenzlötprofilen (Quelle: IEC 61760).
  • Ein weiterer Anhang beschreibt die Risikobewertung von Relais, listet typische Fehlerbilder und -konsequenzen und leitet entsprechende Maßnahmen ab, um die sich ergebenden Pflichten zwischen dem Relaishersteller und dem Anwender abzugrenzen.

Der Schlüssel zum Erfolg: Enge internationale Kooperation

Betrachtet man die Zusammenarbeit zwischen den Beteiligten weltweit, ist festzuhalten, dass insbesondere die amerikanischen Organisationen sich sehr bereitwillig, aktiv und produktiv in dieses Projekt eingebracht haben. Nachdem in der Ausgangssituation erst einmal ein gemeinsames Verständnis zur internationalen Normung gefunden werden konnte, wurden zügig die organisatorischen Voraussetzungen geschaffen und das IHC 61810 (International Harmonisation Committee) gegründet.

Hier beteiligten sich mehrere amerikanische Hersteller und Interessenten, UL selbst und auch das IEC TC 94 an der aufwändigen Arbeit, die für Relais relevanten Inhalte aus der UL 508 herauszufiltern, um diese an die Struktur der IEC-Norm anzupassen und letztendlich daraus eine ANSI zugelassene Norm zu erstellen.

Die Publikation der neuen Normen (IEC 61810-1: 4.Ausgabe und UL 61810-1) ist ein großer Schritt zu einer weltweit einheitlichen Normung für Relais. Jedoch sollten noch weitere folgen. Zum einen ist, wie oben angesprochen, eine weitere Harmonisierung der technischen Inhalte wünschenswert. Zum anderen ist es dafür notwendig, die kanadische Prüfgrundlage mit ins Boot zu holen, welche jetzt als letzte „große“ nicht IEC basierte Norm übriggeblieben ist.

Die konstruktive Zusammenarbeit mit UL wird hier als „gutes Beispiel“ sicherlich hilfreich sein. Die Relaishersteller werden auf jeden Fall auch zukünftig daran arbeiten, die Prüfgrundlagen global zu vereinheitlichen, um die sichere Anwendung von Relais für ihre Kunden und die Endnutzer sicherzustellen. Wie heißt es so schön: „Nach der Norm ist vor der Norm!“

* * Christoph Oehler ist General Manager bei Panasonic Electric Works Europe in Holzkirchen und Chairman IEC TC 94.

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