Die Elektronikbranche steht immer wieder vor neuen Herausforderungen – von vermeintlichen Chipkrisen bis hin zu wirtschaftlichen Berg- und Talfahrten, die sich zyklisch wiederholen und in einer nervenaufreibenden Dynamik den Markt bestimmen.
In der schnelllebigen Mainstream-Presse werden Bad News bevorzugt.
"Bad News is Good News": Das war zu Beginn meiner Fachjournalisten-Laufbahn der erste Leitsatz, den mir, als Jung-Ingenieur, mein Chefredakteur mit auf den langen Weg gab. Klang zunächst höchst beeindruckend. Indes: Good News für wen?
Solange es die Elektronikindustrie gibt, begleitet Roland Ackermann sie. Unter anderem als Chefredakteur, Verlagsleiter und Macher des „Technischen Reports“ im Bayrischen Rundfunk prägt er die Branche seit den späten 1950er-Jahren mit.
(Bild: Roland Ackermann)
In erster Linie wohl doch nur für den Verleger, und hier vor allem in der Publikums- und Boulevardpresse. Betraf mich nur peripher. Also habe ich die Vorgabe jeweils nur dann befolgt, wenn sie ausnahmsweise auch in unsere Fachwelt gepasst hat. Mit anderen Worten: nicht sonderlich oft.
Um ehrlich zu sein: Hier handelt es sich um nichts anderes als um eine subtile Manipulation des angepeilten Leserkreises zur Erhöhung des Kaufanreizes (für die Publikation). Diese Vorgehensweise ist in der Elektronik-Fachpresse weder üblich noch nötig. Aber auch sie kann es sich keinesfalls leisten, die politischen und in der Folge wirtschaftlichen Aspekte völlig außer Acht zu lassen.
Die Publikums- und Boulevardpresse kann in der heutigen Zeit bezüglich Schreckensszenarien aus dem Vollen schöpfen, und das Phänomen der selbsterfüllenden Prophezeiung unterstützt sie. Die dafür Verantwortlichen stehlen dem Journalisten ungeniert die Schau – es geht ihm ähnlich wie dem Kabarettisten, dessen Zielperson sich in ihrer lächerlichen Schräglage selbst karikiert.
Allerdings muss ich zugeben, dass auch wir Fachjournalisten ständig auf der Hut sein müssen, um nicht – hinterhältig oder auch nicht –ähnlich zu Handlangern degradiert und missbraucht zu werden. Beispielsweise, und gar nicht so sehr aus der Luft gegriffen, um eine neue Chipkrise auszurufen, die sich lawinenartig verbreitet und eine Panik mit zwangsläufig folgenden Hamsterkäufen im Anwenderbereich auslöst.
Wenn sich nämlich die Bad News totgelaufen haben, liegt nichts näher als die Versuchung, sie durch Panikmache und Krisengerede zu neuem Leben zu erwecken – Begründungen gibt´s ja en masse: Kriege, die KI, die Digitalisierung, 5G, die Lieferkette, Energiekrisen, Erdbeben, Asien... Dahinter steckt die nicht unberechtigte Hoffnung, dass sowohl die Kollegen als auch möglichst die gesamte Branche ohne nachzudenken auf den anscheinend talabwärts rasenden Zug aufspringen und ihn dadurch um so mehr beschleunigen werden. Die drohende Verknappung und Allokation hat Panik- und Hortungskäufe zur Folge, in deren Schatten stark steigende Preise unwidersprochen in Kauf genommen werden. Beispiel: Anfang April meldete die Financial Times, dass Samsung ein Ende des schlimmsten Downturns seit einem Jahrzehnt (bei Speicher-Chips) verkündet – und jetzt einen zehnfachen (!) Gewinnsprung vorhergesagt hat.
Das Auf und Ab habe ich in meiner jahrzehntelangen Karriere häufig durchlebt. Und aus den abgeflauten Krisen, wenn die Nervosität einer Entspannung gewichen war, schälte sich immer eine Schar kerngesunder Gewinner ebenso heraus wie Verschiebungen im Marktanteil – und zwar so lange, bis irgendjemand, weshalb auch immer, den nächsten Abschwung an die Wand malte. Die resultierende Berg- und Talfahrt in der Elektronik hat ihren Namen – Schweinezyklus – wohl verdient.
Wenn Ihnen das alles zu abstrakt, zu pauschal oder zu theoretisch ist: Mir liegt eine Marktuntersuchung (von in4ma) zur Embedded World 2024 vor, die sich speziell mit der Situation der Auftragsfertiger (EMS) befasst. Sie berichtet von einer in den Vorjahren aufkommenden Nervosität wegen ausbleibender Bestellungen, weil die Aufträge, die unter normalen Umständen erst für 2024 von den OEM benötigt worden wären, bereits 2023 von den EMS-Anbietern produziert worden waren und jetzt bei den OEMs auf Lager liegen: Die klassische Entwicklung des so genannten Bullwhip-Effekts, der 2022 und 2023 einen deutlich überhöhten Bedarf signalisierte und nun aber zum Absturz ins Tal der Tränen führte.
Gewiss, diese Szenarien lassen sich nicht über einen Kamm scheren: Firmen mit hoher Abhängigkeit von wenigen A-Kunden sind eher betroffen, und es gibt deutliche Unterschiede in den einzelnen Marktsegmenten. Andererseits beginnen Anbieter, denen es schlecht geht, aus lauter Panik bereits wieder ein noch größere Chipkrise vorherzusagen, um erneute Bestellungen zu forcieren.
Stand: 08.12.2025
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Event-Tipp
Das Managementtreffen für die EMS-Branche
Der EMS-Tag gilt als eines der wichtigsten Managementtreffen der Branche, bei dem aktuelle Veränderungen, erfolgversprechende Strategien, generelle Managementfragen und wichtige technologische Entwicklungen in der Elektronikwelt analysiert und diskutiert werden. Das Programm bietet praxisorientierte Vorträge und interessante Einblicke in den EMS-Markt.
* Solange es die Elektronikindustrie gibt, begleitet Roland Ackermann sie. Unter anderem als Chefredakteur, Verlagsleiter und Macher des „Technischen Reports“ im Bayrischen Rundfunk prägt er die Branche seit den späten 1950er-Jahren mit.