Modellbasierte Risikoanalyse sicherheitskritischer Systeme

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Risikoakzeptanz und Risikoevaluation

Eine für den Systembetreiber zentrale Technik ist die "Risikomatrix". Ein Risiko in der Risikomatrix ist eine mögliche Folge (typischerweise ein Unfall), die aus einer Gefährdung resultiert. Dazu werden die erwarteten Häufigkeiten der Folgen mit dem erwarteten Schadensausmaß multipliziert und in die Risikomatrix eingetragen.

Dies erlaubt die Klassifikation von Risiken bezüglich ihrer Häufigkeit (vertikale Achse) und ihrem Schadensausmaß (horizontale Achse). Die beiden Achsen werden typischerweise in ein paar wenige sprechende Bereiche unterteilt.

Durch die Quantifizierung der Achsen lassen sich die den Zellen zugeordneten Risiken quantifizieren und deren Akzeptanz beurteilen (s.h. Bild 3 in der Bildergalerie): Mit der Maßeinheit "Geld pro Zeiteinheit" illustrieren diese Zahlen die jeweiligen Risiken sehr deutlich: dieser Betrag weist ein enormes Spektrum auf und ist jeweils pro angegebener Zeiteinheit durch den Betreiber "auf die Seite zu legen" um ein Risiko zu decken, welches der jeweiligen Zelle zugeordnet ist.

Typischerweise wird eine Risikomatrix in drei farblich getrennte Bereiche unterteilt:

  • Die im grünen Bereich liegenden Risiken sind so klein, dass sie diskussionslos akzeptiert werden können.
  • Die im roten Bereich liegenden Risiken sind so groß, dass sie keinesfalls akzeptiert werden können. Hier sind Maßnahmen unumgänglich.
  • Im gelben Bereich liegen Risiken, die Grenzfälle sind. Hier wird nur dann in Maßnahmen investiert, wenn sie sich mit vernünftigem Aufwand realisieren lassen. Dieser Bereich wird auch "ALARP-Bereich" genannt ("As Low As Reasonably Practicable").

Das Ergebnis dieses Prozesses wird auch als "Risikoakzeptanz" bezeichnet, da es die Risikobereitschaft des Systembetreibers deklariert. Werden die einzelnen in der Risikoanalyse untersuchten Risiken in die Risikomatrix eingetragen, so wird dies als "Risikoevaluation" bezeichnet. Dies zeigt Bild 4 in der Bildergalerie anhand dreier Risiken.

In diesem Bild ist jedes Risiko zweimal aufgezeigt: einmal ohne Berücksichtigung von Schutzmaßnahmen (hellblau) und einmal mit deren Berücksichtigung (dunkelblau). Gegen Risiko 1 ist offenbar eine Schutzmaßnahme zur Reduktion der Häufigkeit in Kraft. Demgegenüber wirkt bei Risiko 2 offenbar eine Schutzmaßnahme zur Reduktion des Schadensausmaßes. Bei Risiko 3 wirken offenbar beide Arten von Schutzmaßnahmen, sodass das Risiko vom inakzeptablen Bereich wenigstens in den ALARP-Bereich zu liegen kommt.

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