Mit Rhythmus und Energie die Zukunft gestalten

< zurück

Seite: 2/2

Anbieter zum Thema

Welche Rolle spielen künftig die in anderen Ländern unterschiedlichen Normen und Richtlinien, gerade im Hinblick auf Ihre Batterietechnologie?

Detlev Seiler: Was Zertifizierungen von Batterien angeht, haben wir international sehr viel Know-how aufgebaut. Wir kennen lokale Gegebenheiten und achten darauf, dass wir mit entsprechenden Organisationen vor Ort zusammenarbeiten, um die Freigaben unserer Produkte in diesen Ländern zu erreichen.

Daniel Panzini: In manchen Ländern, wie zum Beispiel Indien, ist dies sehr aufwändig, dort gibt es gewaltige Hürden. Wir haben sehr gut ausgebildete Mitarbeiter, die diese Thematik im Fokus haben und auch anwaltlich ausgebildete Spezialisten.

Bildergalerie

Ab diesem Jahr werden wir auch die Möglichkeit haben, UN-Tests, also geforderte Sicherheitstest für Batterien, selbst durchführen zu können. Das werden wir dann ebenfalls als weitere Serviceleistung anbieten. Kunden schätzen unser Wissen und unsere Fähigkeiten in der Batterietechnologie sehr, das zeigt sich zum einen an unserem sehr stabilen Kundenstamm und zum anderen an der Tatsache, dass Jauch immer wieder als kompetenter Ratgeber für Analysen angefragt wird.

Wie sehen Sie das Thema Abwanderung der Fertigung in den asiatischen Raum? Was bleibt in Europa, was verschwindet, was kommt zurück?

Steffen Fritz: Nach heutigem Stand sehen wir hier gegenüber den letzten Jahren keine grundlegende Änderung. Wir beobachten aber, dass Unternehmen, die neu auf den Markt kommen, keine eigene Produktion mehr aufbauen, sondern diesen Prozess an Fertigungsdienstleister übergeben. Bei diesen verteilt es sich zum einen auf Osteuropa, verstärkt Polen und Rumänien, und zum anderen auf den asiatischen Raum. Die globalen Bestücker sind so aufgestellt, dass sie in allen Regionen vertreten sind und somit die Fertigung je nach Kundenwunsch oder Kapazitätsauslastung verschieben können. Unter anderem gibt es auch europäische Kunden, die asiatische Produktpiraterie befürchten und aus diesem Grund nur in Osteuropa produzieren lassen.

Wie geht Ihr Unternehmen mit dem Thema Nachhaltigkeit und soziale Verantwortung (CSR) um?

Andreas Nann: Im Zuge der Unternehmensnachfolge hat unser Inhaber Thomas Jauch angekündigt, dass er sein Unternehmen in eine Stiftung einbringen will. So stellt er sich die Fortführung seines Lebenswerkes vor und diese Stiftung wird auch einen sozialen Aspekt haben.

Detlev Seiler: In den letzten Jahren gab es einige Übernahmeangebote, die Herr Jauch aber sofort ausgeschlagen hatte. Sein Interesse ist es, das Unternehmen zu erhalten und nicht, es zu verkaufen. Auch aus Dankbarkeit den Mitarbeitern gegenüber, die es mit ihm zusammen aufgebaut haben. Die Sicherheit der Arbeitsplätze für die Angestellten steht für ihn im Vordergrund. Daher dieser Weg in die Stiftung.

Welche besonderen technologischen Herausforderungen gibt es im Bereich frequenzgebende Bauelemente?

Detlev Seiler: Große Veränderungen gab es hier in den letzten Jahren nicht. Allerdings wurden die Abmessungen immer kleiner. Gehäuse in 3225 und kleiner werden mehr oder weniger zum Standard, die größeren Bauformen verschwinden.

Die technische Herausforderung bei diesen kleinen Bauformen ist es, die Bauelemente so zu entwickeln, dass sie auch mit geringen Leistungen noch anschwingen. Viele Applikationen sind heute Ultra-Low-Power. Und Quarze benötigen eine gewisse Energie, um anzuschwingen. Das Design und die Fertigungsprozesse müssen dazu schon sehr sauber und sehr gut sein.

Ebenso stellen beispielsweise Applikationen im WLAN-Bereich ganz besondere Forderungen, was die Stabilität angeht. Der Quarz muss in einem weiten Temperaturbereich sehr eng toleriert sein, und das über einen Zeitraum von 10 und mehr Jahren. Zusätzlich verschieben sich die Frequenzen weiter nach oben, auch über 50 MHz hinaus. Das ist technologisch extrem anspruchsvoll.

Welche Herausforderungen gibt es im Bereich der Batterietechnologie?

Daniel Panzini: Bei den Batterien ist es ähnlich, darüber könnte man ein ganzes Buch schreiben. Vieles wird kleiner oder miniaturisiert; für den vorhandenen Platz und die Umgebungsbedingungen wird schier Unmögliches von der unabhängigen Stromversorgung verlangt. Was man übergreifend sagen kann, ist, dass wir immer mehr an oder in Grenzbereiche geraten, da die Kunden bei ihren neuen Applikationen den benötigten Bauraum nicht haben. Alles muss sehr klein sein und dabei vielen Anforderungen, wie beispielsweise Laufzeit und Sicherheit, Genüge tun. Da gerät ein System ganz schnell an seine Grenzen.

Daher betreiben wir einen erheblichen Aufwand, um sogenannte Stromprofile zu berechnen. Dabei bewerten wir die Anforderungen und bestimmen beispielsweise, welche Chemie zum Einsatz kommen sollte, welche Größe notwendig ist und ob die Zelle oder die Batterie das überhaupt leisten kann.

Jetzt Newsletter abonnieren

Verpassen Sie nicht unsere besten Inhalte

Mit Klick auf „Newsletter abonnieren“ erkläre ich mich mit der Verarbeitung und Nutzung meiner Daten gemäß Einwilligungserklärung (bitte aufklappen für Details) einverstanden und akzeptiere die Nutzungsbedingungen. Weitere Informationen finde ich in unserer Datenschutzerklärung. Die Einwilligungserklärung bezieht sich u. a. auf die Zusendung von redaktionellen Newslettern per E-Mail und auf den Datenabgleich zu Marketingzwecken mit ausgewählten Werbepartnern (z. B. LinkedIn, Google, Meta).

Aufklappen für Details zu Ihrer Einwilligung

Solche Dinge auch im Hinblick auf die Gesamtapplikation, die Stromversorgung und die größtmögliche Sicherheit zusammen mit dem Kunden zu gestalten, ist eine umfangreiche und aufwändige Arbeit. Hier sind wir ein guter Begleiter, da wir den Kunden sowohl bezüglich der Chemie als auch der Schaltungsauslegung beraten können. Diese Unterstützung wird geschätzt, aber mittlerweile auch verlangt.

Wird es im Bereich der frequenzgebenden Bauelemente noch eine Weiterentwicklung geben oder wird der Status quo sich auch in den kommenden Jahren halten?

Detlev Seiler: Aktuell ist abzusehen, dass sich an den Bauformen nicht viel verändern wird. Die Anforderungen an das Bauteil werden durch die Applikationen deutlich höher. Wir werden natürlich auch von der Halbleiterindustrie getrieben, die nun einmal die Prozessoren vorgibt, und damit die benötigten Frequenzen. Hier ist der Trend, dass diese in höhere Bereiche vordringen, was wiederum zu einer Steigerung der Ansprüche an die frequenzgebenden Bauteile führt.

Sie haben seit nicht allzu langer Zeit MEMS-Oszillatoren im Programm. Wie werden diese am Markt angenommen?

Detlev Seiler: Die Nachfrage am Markt hält sich noch in Grenzen. Ich denke, dass weltweit der Prozentsatz einstellig ist. Das liegt daran, dass der Bekanntheitsgrad von quarzbasierten Systemen, gleich ob reiner Quarz oder Quarzoszillator, bei Ingenieuren einfach größer ist. Das funktioniert, das hat sich über Jahrzehnte bewährt. Die neue Technologie ist sehr gut und sie kann viel. Sie wird aber den Oszillator nur teilweise ersetzen können und den Quarz gar nicht. MEMS-Oszillatoren haben aufgrund des mechanischen Aufbaus und der mechanischen Eigenschaften durchaus ihre Berechtigung. Gerade im Automobilbereich spielen sie ihre Vorteile was Schock- und Vibrationsfestigkeit betrifft klar aus. Aber hier werden aus Kostengründen fast nur Quarze eingesetzt.

Bleiben wir bei den MEMS-Oszillatoren. Sehen Sie hier einen im Vergleich zu den herkömmlichen Quarzen erhöhten Beratungs- und Schulungsbedarf?

Detlev Seiler: Ja, es existiert bei den MEMS-Oszillatoren ein erhöhter Beratungsbedarf. Sie müssen Vertrauen in dieses Bauteil aufbauen. Es ist eine neue Technologie, etwas, das auf Halbleitertechnik basiert. Aber wer seinem Mikroprozessor vertraut, sollte auch Vertrauen zu einem MEMS-Oszillator haben.

Spricht man mit Ingenieuren über diese Thematik, bemerkt man ein gewisses Altersgefälle: Junge Ingenieure sind offener, weil sie mit der MEMS-Technologie aufgewachsen sind, während Ältere doch gerne an ihrem bewährten Design festhalten wollen.

Akkupacks weisen eine immer höhere Energiedichte auf. Wird sich dieser Trend in den kommenden Jahren fortsetzen, oder sind hier bereits die Grenzen erreicht?

Daniel Panzini: Ja, dieser Trend wird sich weiter fortsetzen, und ein ganz klares Nein, es wird hier keine, beziehungsweise kaum Grenzen geben.

Was aber bedacht werden sollte: Auf der einen Seite haben wir das Bedürfnis, die Energiedichten und Kapazitäten extrem nach oben zu schrauben. Auf der anderen Seite geht dies aber unter Umständen gleichzeitig mit mangelnder Sicherheit oder Zyklenfestigkeit einher. Hier müssen wir die Balance zwischen dem Wunsch, an die Grenze zu gehen und der nötigen Sicherheit finden. Gehen wir zu weit, kommt es im schlimmsten Fall zum Brand oder zur Explosion. Daher wird in diesem Bereich intensiv geforscht.

Für uns und die gesamte Branche ist das alles sehr spannend.

Artikelfiles und Artikellinks

(ID:45295045)