Subvolt-Transistoren Mit Redox-Gating zu energieeffizienterer Mikroelektronik

Ein Gastbeitrag von Henning Wriedt 3 min Lesedauer

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Wissenschaftlern des Forschungszentrums Argonne haben mit dem Redox-Gating genannten Verfahren einen neuartigen Ansatz entwickelt, um den Ladungstransport in Halbleitern zu steuern. Er bietet Potenzial für funktionelle Halbleiter-Heterostrukturen und niedrigdimensionale Quantenmaterialien für Anwendungen in elektronischen Geräten.

Bild 1: Illustration des Redox-Gating für die Ladungsträgermanipulation und Steuerung des elektronischen Zustands durch elektrische Felder. Die grünen Fäden stellen funktionelle Moleküle für das Redox-Gating dar und die Fähigkeit, bei geringer Leistung zu funktionieren. Das ahmt das synaptische Schalten im menschlichen Gehirn nach, wie es durch die zugrunde liegende Synapse dargestellt wird. (Bild:  Argonne National Laboratory)
Bild 1: Illustration des Redox-Gating für die Ladungsträgermanipulation und Steuerung des elektronischen Zustands durch elektrische Felder. Die grünen Fäden stellen funktionelle Moleküle für das Redox-Gating dar und die Fähigkeit, bei geringer Leistung zu funktionieren. Das ahmt das synaptische Schalten im menschlichen Gehirn nach, wie es durch die zugrunde liegende Synapse dargestellt wird.
(Bild: Argonne National Laboratory)

Die Mikroelektronik steht aufgrund ihrer geringen Größe vor einer großen Herausforderung. Um eine Überhitzung zu vermeiden, darf sie nur einen Bruchteil des Stroms herkömmlicher Elektronik verbrauchen und muss trotzdem mit einer Spitzenleistung arbeiten.

Forschern des US-amerikanischen Forschungszentrums Argonne National Laboratory ist ein Durchbruch gelungen, der es einem neuartigen Halbleitermaterial ermöglichen könnte, genau das zu erreichen. In einer neuen Studie, die in der Fachzeitschrift „Advanced Materials“ veröffentlicht wurde, schlägt das Argonne-Team eine neue Art von „Redox-Gating“-Technik vor, mit der sich die Bewegung von Elektronen in und aus einem Halbleitermaterial steuern lässt.

Der Begriff „Redox“ bezieht sich auf die nichtionische Reaktion, die eine Übertragung von Elektronen bewirkt. Mikroelektronische Geräte sind normalerweise auf einen elektrischen „Feldeffekt“ angewiesen, um den Elektronenfluss zu steuern.

In dem Experiment entwarfen die Wissenschaftler eine Schaltung, die den Elektronenfluss von einem Ende zum anderen regulieren konnte, indem sie eine Spannung an ein Material anlegten, das als eine Art Elektronentor fungierte. Erreicht die Spannung einen bestimmten Schwellenwert, etwa ein halbes Volt, werden Elektronen aus einer Redox-Quelle durch das Gate in einen Leitungskanal injiziert.

Indem die Spannung zur Veränderung des Elektronenflusses genutzt wird, funktioniert das halbleitende Bauelement wie ein Transistor, der zwischen mehr leitenden und mehr isolierenden Zuständen umschaltet.

„Die neue Redox-Gating-Strategie ermöglicht es uns, den Elektronenfluss selbst bei niedrigen Spannungen erheblich zu modulieren, was zu einer wesentlich höheren Leistungseffizienz führt“, erklärt der Materialwissenschaftler Dillon Fong. „Dies verhindert auch eine Beschädigung des Systems. Wir sehen, dass diese Materialien wiederholt ohne Leistungseinbußen betrieben werden können“.

Argonne Center for Nanoscale Materials (National Lab)

Das Center for Nanoscale Materials ist eines der fünf DOE Nanoscale Science Research Centers (NSRCs). Sie sind führende nationale Einrichtungen für interdisziplinäre Forschung im Nanobereich, die vom DOE Office of Science unterstützt werden.

Zusammen bilden die NSRCs eine Reihe sich ergänzender Einrichtungen, die den Forschern modernste Möglichkeiten zur Herstellung, Verarbeitung, Charakterisierung und Modellierung von Materialien im Nanobereich bieten und die größte Infrastrukturinvestition der Nationalen Nanotechnologie-Initiative darstellen. Die NSRCs befinden sich in den DOE-Nationallaboratorien Argonne, Brookhaven, Lawrence Berkeley, Oak Ridge, Sandia und Los Alamos.

Das Argonne National Laboratory sucht nach Lösungen für dringende nationale Probleme in Wissenschaft und Technologie. Als erstes nationales Laboratorium des Landes betreibt Argonne wissenschaftliche Grundlagenforschung und angewandte Forschung auf höchstem Niveau in praktisch allen wissenschaftlichen Disziplinen.

Argonne-Forscher arbeiten eng mit Forschern aus Hunderten von Unternehmen, Universitäten und Bundes-, Landes- und Kommunalbehörden zusammen, um sie bei der Lösung ihrer spezifischen Probleme zu unterstützen, Amerikas wissenschaftliche Führungsrolle zu fördern und die Nation auf eine bessere Zukunft vorzubereiten, und zwar mit Mitarbeitern aus mehr als 60 Nationen.

Schaltkreise, die sich wie Synapsen verhalten

„Der Subvolt-Bereich, in dem dieses Material arbeitet, ist von enormem Interesse für Forscher, die nach Schaltkreisen suchen, die sich ähnlich verhalten wie das menschliche Gehirn, das ebenfalls mit großer Energieeffizienz arbeitet“, ergänzt Materialwissenschaftler Wei Chen.

Das Redox-Gating-Phänomen könnte auch nützlich sein, um neue Quantenmaterialien zu entwickeln, deren Phasen sich mit geringem Energieaufwand manipulieren lassen, meint Physiker Hua Zhou. Darüber hinaus könnte die Redox-Gating-Technik auch für vielseitige funktionale Halbleiter und winzige Quantenmaterialien aus nachhaltigen Elementen eingesetzt werden.

Zur Charakterisierung des Redox-Gating-Verhaltens trugen Arbeiten an der Advanced Photon Source in Argonne bei, einer Einrichtung des DOE Office of Science. Darüber hinaus wurde das Center for Nanoscale Materials von Argonne, ebenfalls eine Einrichtung des DOE Office of Science, für die Materialsynthese, die Herstellung der Bauelemente und die elektrischen Messungen der Bauelemente genutzt. (kr)

* Henning Wriedt ist freier Fachautor.

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