Interview mit Peter Hecktor von Data Modul Mit Mitarbeiterqualifizierungen und Forschungsaufstockung die Krise meistern

Redakteur: Dipl.-Ing. (FH) Hendrik Härter

ELEKTRONIKPRAXIS sprach mit Peter Hecktor, CEO bei Data Modul in München, über den aktuellen Geschäftsbericht 2009: Nach einem massiven Einbruch der Verkaufszahlen von 25% im Vergleich zu 2008 konnte das Unternehmen im 1. Quartal 2010 eine Trendwende feststellen. Ob für Data Modul die Krise überstanden ist und welche Gegenmaßnahmen ergriffen worden sind, lesen Sie im Interview.

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Data Modul hat kürzlich seinen Geschäftsbericht von 2009 vorgelegt. Es zeigte sich, dass vor allem der Geschäftsbereich Informationssysteme von der Krise stärker betroffen war. Woran liegt das?

Im vergangenen Jahr sind die Finanzmärkte und die gesamte Weltwirtschaft in einer Weise aus dem Gleichgewicht geraten und in eine tiefe Krise gestürzt, wie nie zuvor in den vergangenen 60 Jahren. Wie schnell die Weltwirtschaft wieder Tritt fasst ist offen, auch wenn es inzwischen Anzeichen für eine allmähliche Stabilisierung und im 1. Quartal 2010 sogar schon eine Trendwende festzustellen ist. Data Modul hatte im Vergleich zum Geschäftsjahr 2008 einen Umsatzrückgang von 25% zu verkraften.

Der Geschäftsbereich der Informationssysteme umfasst die Entwicklung und Produktion von Produkten in den Anwendungsbereichen Flughäfen, Bahnen und Business-Systeme. Im abgelaufenen Geschäftsjahr musste dieser Geschäftsbereich einen Umsatzrückgang von 55% hinnehmen. Das erreichte Niveau liegt jedoch auch weiterhin unter den deutlich höheren Volumina der Jahre 2007 und 2008. Entsprechend wurden die Kapazitäten und Organisationsstrukturen in diesem Bereich dem vorrausichtlich auch mittelfristig niedrigeren Umsatzniveau angepasst.

Der Auftragseingang konnte sich im dritten Quartal stabilisieren und im vierten Quartal sogar wieder erholen. Worin sehen Sie die Ursachen?

Der Gesamtauftragseingang, der speziell im Halbjahr deutlich zurückging, sich jedoch im 3. Quartal stabilisierte und im 4. Quartal wieder eine leichte Erholung verzeichnete, verringerte sich um 18% auf 99 Mio. €. Der Auftragsbestand zum Stichtag 31.12.2009 war im Konzern auf dem Vorjahresniveau von 63 Mio. €. Die Exportquote beträgt 34% .

Im 1. Quartal des laufenden Jahres kommt es speziell in den USA und auch in Europa zu einem erfreulichen Anstieg im Auftragseingang was zu deutlichen Lieferengpässen führt. Wir sehen eine Steigerung zum 1. Quartal 2009, werden aber noch nicht an die guten Jahre 2007 und 2008 herankommen. Die weltweiten Konjunkturprogramme scheinen zu greifen, d.h. aber nicht, dass wir schon aus der Krise heraus sind.

In Ihrem Bericht sprechen Sie von umfangreichen Personal- und Sachkosteneinsparungen. Gab es betriebsbedingte Kündigungen?

Data Modul hat entschlossen auf die Krise regierte mit Kurzarbeit, Gehaltsverzicht, Reduzierung der Zeitarbeiter , Reduzierung der Verwaltungskosten und Fixkosten. Dabei wurde betriebsbedingt die Anzahl der Mitarbeiter um 15% auf 265 zum 31.12.2009 reduziert.

Was unternimmt Data Modul, um seine Mitarbeiter zu halten und zu qualifizieren?

Vertrauen und Kontinuität setzen wir in unserer Personalpolitik konsequent um und bieten unseren Mitarbeitern neben einer offenen Führungskultur auch einen attraktiven Arbeitsplatz in einem zukunftsorientierten Unternehmen. Die Integration von unterschiedlichsten Kulturen, wir beschäftigen derzeit Mitarbeiter aus 15 Nationen, ist dabei genauso Nährboden für die Schaffung neuer Lösungen und Beschreitung neuer Wege in allen Bereichen, von der Organisation bis zum Produkt, um den Kunden, als dem zentralen Element unserer unternehmerischen Tätigkeit, weltweit und regionsspezifisch optimiert stets beste Lösungen und höchsten Service zu bieten.

Die stetige Weiterbildung unserer Mitarbeiter sowohl durch externe Schulungen und interne Seminare, als auch die Berufsausbildung von jungen, motivierten Menschen – zum 31.12.2009 waren 31 Auszubildende in den Konzerngesellschaften beschäftigt – bilden die Basis für ein auch zukünftig erfolgreiches Handeln. Ebenso bietet Data Modul wöchentlich stattfindende Sprachkurse in englisch, französisch, italienisch und spanisch an, sowie einen Yogakurs. Data Modul investiert auch in Krisenjahren in die Aus- und Weiterbildung der Mitarbeiter.

Welche Strategien oder neue Produkte planen Sie für 2010 und können Sie einen Ausblick auf die aktuelle wirtschaftliche Lage geben?

Um die Zukunft und Wettbewerbsfähigkeit zu sichern hat Data Modul im letzten Jahr die Forschungs- und Entwicklungskosten um 42% gesteigert und somit auf den wirtschaftlichen Trend mit einer Produktoffensive regagiert. Wesentliche Neuentwicklungen waren im Bereich easyBoards, easyEmbedded, easyPanel und easyTouch.

Bei dem easyTouch handelt es sich um eine völlige Neuentwicklung für den industriellen Einsatz. Die Touchbedienung ist auch durch eine Schutzscheibe mit einer Dicke von einem Zentimeter möglich. Die Bedienung kann mit Handschuhen erfolgen. Der easyTouch ist wie das iPhone von Apple zu bedienen jedoch, bietet er zusätzlich die Anwendung für den industriellen Bereich für Display Größen bis 12,1" und ab 3. Quartal auch bis 19". Für das laufende Jahr sind weitere Produktinvestitionen im Bereich Embedded geplant.

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