Weltweit wächst der Markt für Mikroelektronik weiter – allerdings verhaltener als in den letzten Jahren. Angesichts globaler Verschiebungen mahnt der ZVEI, weiter in europäische Spitzenforschung zu investieren.
Abgebremst: Nach einem schwachen Start des weltweiten Halbleitermarktes geht der ZVEI für 2019 von einem einstelligen Wachstum aus.
(Bild: Micron)
„Im Jahr 2018 hat der weltweite Mikroelektronikmarkt auf 469 Milliarden US-Dollar zugelegt, was einem mittleren jährlichen Wachstum zwischen 2013 und 2018 von 8,9 Prozent entspricht“, erklärt Dr. Sven Baumann, Experte für Mikroelektronik, Sensorik und Aktorik im Zentralverband Elektrotechnik- und Elektronikindustrie (ZVEI), anlässlich der Veröffentlichung der ZVEI-Mikroelektronik-Trendanalyse in München. Umsatztreiber sei vor allem der zeitweise extreme Preisanstieg für Speicherchips gewesen. Das habe sich besonders in den Jahren 2017 und 2018 bemerkbar gemacht: Hier erreichte das Wachstum sehr hohe 21,6% beziehungsweise 13,7%. Ohne Speicher hätte es rund 10% in 2017 und 7,8% in 2018 betragen – was immerhin noch hoch ist. Bis 2023 sei ein Anstieg auf 535 Mrd. US-Dollar zu erwarten.
Die ZVEI-Erhebung zeigt aber auch: Derzeit erlebt die Weltmarkt für Mikroelektronik den stärksten Einbruch seit Februar 2009, als die weltweite Finanzkrise voll durchschlug. Nach einem deutlichen Rückgang der Steigerungsraten Ende 2018 hat auch 2019 verhalten begonnen. „Derzeit liegt das Wachstum sogar im negativen Bereich, der Markt schrumpft“, sagt Dr. Ulrich Schäfer, Marktexperte und Referent des ZVEI. Und gibt gleich Entwarnung: Über die nächsten Jahre werde es sich jedoch bei etwa 3 bis 5% einpendeln, ist der Experte überzeugt.
Europa Spitze bei Automotive- und Industrietechnologien
Laut Baumann betrug der europäische Markt 2018 rund 43 Milliarden US-Dollar. Dabei handelt es sich um ein mittleres jährliches Wachstum zwischen 2013 und 2018 von 4,3 Prozent. Unverändert legen die Europäer ihren Fokus auf die Wachstumsfelder Automobil- und Industrieelektronik und sind beim Einsatz von Halbleitern für Automobilelektronik zudem in einer weltweiten Führungsposition.
Der ZVEI-Mikroelektronik-Trendanalyse 2018 zufolge lassen beide Bereiche in den kommenden fünf Jahren weiter hohe Zuwächse erwarten. Abnehmer sind insbesondere die Hersteller von Automobilelektronik und die Unternehmen der Automation. Zu den Treibern zählen Industrie 4.0 und das Internet of Things sowie immer mehr Fahrerassistenzsysteme und die zunehmende Elektrifizierung der Mobilität. Der Wert der Mikroelektronik pro Kraftfahrzeug wachse im weltweiten Mittel bis zum Jahr 2023 auf 685 US-Dollar, so Baumann. Dabei handele es sich um den fünffachen Wert von 1998.
China setzt zum Überholvorgang an
Die Analyse macht aber auch deutlich: Europa verliert in vielen Bereichen weiter Marktanteile. So verlagere sich die Wertschöpfung anteilsmäßig zunehmend ins EU-Ausland: „Der Verbrauch von Halbleitern in den Branchen Automotive und Industrie ist in den letzten 20 Jahren außerhalb von Europa deutlich schneller gewachsen“, sagt Schäfer.
Allen voran China versucht mit aller Macht und seinem ehrgeizigen Masterplan, unabhängiger von ausländischen Produzenten zu werden und mehr Wertschöpfung ins eigene Land zu holen. Ein Indiz dafür sind die mittlerweile 61 chinesischen Autohersteller, darunter viele junge und entsprechend noch kleine Unternehmen. Immerhin 6 haben mittlerweile eine beachtliche Größe erreicht – sie fertigen 65% der gesamten Landesproduktion.
Sie drängen in einen Markt, in dem bislang die Europäer unangefochtener Weltmeister sind – allen voran Deutschland. Schäfer ist überzeugt: „Der Mikroelektronikbedarf der chinesischen Automobilbranche wird den der europäischen Hersteller in den nächsten Jahren überholen.“ Fakt ist aber auch: Seit 2017 sind die Neuzulassungen in China rückläufig. Offenbar ist der Markt zunehmend gesättigt, außerdem leiden die Metropolen bereits unter massiven Verkehrsproblemen und hoher Luftverschmutzung.
Europa muss Spitzenforschung weiter fördern
Angesichts der weltweiten Entwicklungen in den Hightech-Märkten mahnt Baumann: „Es ist wichtig, weiterhin die Spitzenforschung in Europa zu fördern.“ Um unter anderem die Automation der Produktion voranzutreiben, seien Programme wie „Horizon Europe“ oder öffentlich-private Partnerschaften wie „Ecsel“ unverzichtbar.
Stand: 08.12.2025
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Die erhobenen Zahlen verdeutlichen zudem: Trumps „America first“-Strategie verpufft im Halbleitermarkt. Bereits vor mehr als zehn Jahren hatten die USA erkannt, dass die eigene Wirtschaft nicht allein auf Basis von Dienstleistungen erfolgreich sein kann. In der Folge kurbelten Wirtschaftsprogramme wieder Fertigungen im eigenen Land an. Zunächst erfolgreich: Von 2013 bis 2018 stieg der Halbleiterverbrauch um rund 11%. Doch mittlerweile liegt das Wachstum lediglich noch bei 1,6%. Der Verbrauch an Mikroelektronik zeige zudem, dass US-Autohersteller in den letzten Jahren weiter an Boden verloren haben, sagt Schäfer. Eine mögliche Erklärung dafür sind die von Trump entfachten Handelsstreitigkeiten weltweit.