Eingabesysteme Maus und Tastatur aus organischen Werkstoffen

Redakteur: Kristin Rinortner

Biokunststoffe auf der Basis von Celluloseacetat und Lignin könnten bei Computer-Peripheriegeräten herkömmliches Hartplastik verdrängen. Denn sie sind günstig und kompostierbar.

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Ein wesentlicher Aspekt von „Green IT“ ist die Umweltverträglichkeit von Computer-Komponenten. Dazu zählen auch Peripheriegeräte wie Tastatur und Maus. Solche Systeme lassen sich mittlerweile statt aus Hartplastik auch aus umweltfreundlichen organischen Materialien auf Basis von Zellulose und Holz herstellen.

Die Zahlen sprechen für sich: Im Jahr 2010 wurden nach Angaben der Marktforschungsgesellschaft Gartner in Deutschland rund 13,3 Millionen neue PCs und Macintosh-Systeme verkauft. In Westeuropa waren es 46 Millionen. Viele dieser Systeme ersetzen ältere Geräte.

Nur 15 Prozent des Computerschrotts werden recycelt

Nach Schätzungen der amerikanischen Umweltschutzbehörde EPA (Environmental Protection Agency) werden alleine in den USA pro Tag an die 130.000 PCs entsorgt. Doch nur etwa 15% der 53 Millionen Tonnen Elektronik- und Computerschrott, die weltweit pro Jahr anfallen, werden recycelt. Ein Großteil der Komponenten landet auf Mülldeponien oder in Verbrennungsanlagen. Vor dem Hintergrund rapide steigender Preise für Rohstoffe wie Kupfer, Gold und Erdöl ist das pure Verschwendung, ganz zu schweigen vom Schaden für die Umwelt.

Häufig konzentriert sich die Diskussion um „Green IT“ bei Arbeitsplatzrechnern auf Komponenten wie Hauptplatinen, Kabel, Gehäuse, Festplatten und DVD-Laufwerke. Übersehen werden dabei zwei wesentliche Bestandteile eines Rechners: die Tastatur und die Maus. Denn zusammen mit den ausgemusterten Rechnern wandern in vielen Fällen auch das alte Keyboard und die Maus auf den Müll.

Gehäuse lassen sich nicht wiederverwerten

Das Problem dabei: Zwar lassen sich die Leiterplatten und Kabel von Mäusen und Tastaturen recyceln, nicht aber die Gehäuse. Denn diese bestehen in der Regel aus Kunststoffen auf Basis von ABS oder Polystyrol. Diese Materialien sind nicht biologisch abbaubar und müssen daher entweder auf Mülldeponien entsorgt oder verbrannt werden – mit den bekannten Nachteilen wie dem Freisetzen von Schadstoffen, die aus der Abluft von Müllverbrennungsanlagen herausgefiltert werden müssen.

Dass es auch anders geht, zeigt Fujitsu mit der Fujitsu Mouse M440 Eco und der Tastatur Fujitsu KBPC PX Eco. Auf den ersten Blick unterscheidet sich die M440 Eco nicht von einer herkömmlichen Zweitasten-Maus mit Scroll-Rad und USB-Kabel. Allerdings handelt es sich bei dem System um die weltweit erste Computermaus, die in Massenfertigung hergestellt wird und deren Gehäuse sich zu 100% biologisch abbauen lässt.

Keyboard und Maus aus nachwachsenden Rohstoffen

Das Gehäuse der M440 Eco besteht aus Biograde. Dieses Material hat FKuR Kunststoff in Willich in Zusammenarbeit mit dem Fraunhofer-Institut für Umwelt-, Sicherheits- und Energietechnik („Umsicht“) in Oberhausen entwickelt. Ein Kernbestandteil von Biograde ist Celluloseacetat (Acetylzellulose). Dieser Stoff ist bereits seit mehr als 50 Jahren auf dem Markt. Er wird aus Zellulose gewonnen, die mit Essigsäure versetzt wird. Acetylzellulose wird unter anderem zu Textilfasern verarbeitet. Zudem kommen Folien aus diesem Material bei LCD-Bildschirmen und Displays von Mobiltelefonen zum Einsatz.

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