Smart Village statt Smart City – Seit mehr als fünf Jahren testet eine Gemeine den Einsatz von LoRaWAN-IoT unter realistischen Bedingungen. Das reicht von der vernetzten Straßenbeleuchtung, über Messung der Fahrbahntemperatur, Bodenfeuchtesensoren und Verkehrsüberwachung.
Digitalisierung kleiner Kommunen: Defekte Straßenlaternen werden innerhalb von Minuten bemerkt, die Müllabfuhr wird nach Bedarf eingesetzt und aktuelle Pegelstände von Gewässern sind öffentlich einsehbar.
(Bild: Alpha-Omega Technology)
Ländliche Regionen sind oftmals benachteiligt. Das beginnt mit der Anbindung an den öffentlichen Nahverkehr, aber auch bei Themen wie Digitalisierung und Netzausbau. Projekte rund um Digitalisierung finden in den Medien vor allem bei großen Städten statt. Hinzu kommt, dass im ländlichen Raum eine Smart City nicht immer sinnvoll sein kann. Kleine Kommunen haben oftmals andere Bedürfnisse und stellen andere Anforderungen an IoT-Projekte als bei urbanen Gebieten.
Aber wie bei großen Städten kann die Digitalisierung im ländlichen Raum den Kommunen große Vorteile bieten. Zum Beispiel, wenn in dünn besiedelten Gebieten Sensoren den Ausfall von Straßenlaternen signalisieren. Ein Dorf mit einer zeitgemäßen Infrastruktur hat einen Standortvorteil: Moderne Bürgerservices tragen dazu bei, dass sich junge Familien und damit dringend benötigte Fachkräfte ansiedeln. IoT-Entwicklungen können den bestehenden Personalmangel abmildern. Füllstandsensoren beispielsweise optimieren den Personaleinsatz der Müllabfuhr, wenn diese die öffentlichen Altglascontainer bei Bedarf leert anstatt zu festen Terminen.
Gemeinsames Modellprojekt von Wirtschaft und Gemeinde
In der thüringischen Gemeinde Martinfeld haben Jan Bose, Geschäftsführer des ortsansässigen IoT-Unternehmens Alpha-Omega Technology, und der damalige Ortsteilbürgermeister Gerhard Stitz vor fünf Jahren mit SMARTinfeld ein Modellprojekt für Smart-Village-Anwendungen ins Leben gerufen. Jan Bose sagt: „Der Standort unseres Unternehmens ist in Martinfeld. Damit sind wir die treibende Kraft hinter dem Projekt. Das Experten-Knowhow aus unserer langjährigen IoT-Projekterfahrung fließt direkt in die Entwicklung des Modellortes SMARTinfeld ein.“
Technische Grundlage ist ein Long Range Wide Area Netz, kurz LoRaWAN. Diese Funktechnologie braucht nur wenig Energie, um Mess- und Sensordaten über große Distanzen zu übertragen. In ländlichen Gebieten können das bis zu zehn Kilometer sein. Für LoRaWAN bietet der Markt zudem eine große Auswahl an Sensoren für Anwendungsfälle außerhalb des klassischen Spektrums von Heizungsventilen oder Parkplatzsensoren. Die nötige Infrastruktur stellt Alpha-Omega Technology bereit, die auch mit der Projektleitung betraut ist.
Straßenbeleuchtung als Rückgrat der Smart City
Als ersten Schritt auf dem Weg zur Smart Village rüstete die Gemeinde Martinfeld 2017 und 2018 die gesamte Straßenbeleuchtung, die etwa 100 Leuchten umfasst, auf moderne LED-Leuchtköpfe mit einer Steuerung per LoRaWAN um. Seitdem erkennen Sensoren defekte LEDs. Bei Bedarf steuern sie auch die Schaltzeit jeder einzelnen Lampe, so dass die Gemeinde Energie einspart. Das Projekt stellte die Weichen für die heutigen digitalen Services in Martinfeld: In den Asphalt der Straßen sind Messonden eingelassen.
Sie ermitteln die Temperatur des Straßenbelags. Das Kabel mit der Funkeinheit befindet sich neben der Fahrbahn. Die Gemeinde kann so den Zustand der Fahrbahn überwachen oder den Einsatz des Winterdienstes bedarfsgerecht veranlassen. Ist das LoRaWAN-Netzwerk einmal aufgebaut, können es auch die Bürger für eigene kleine Projekte nutzen. Ein Beispiel: Für Imker gibt es sensorbasierte IoT-Lösungen, mit denen sie ihre Bienenvölker aus der Ferne kontrollieren können. Das bedeutet weniger Stress bei den Kontrollen – für die Bienen und für den Imker.
Datenschutz und wenig Daten verarbeiten
Ländliche Kommunen unterscheiden sich nicht nur hinsichtlich der Anwendungsfälle von urbanen Räumen. Sollen IoT-Anwendungen in dünn besiedelten Gegenden eine größere Fläche versorgen, so sind häufig mehrere Gemeinden und damit Behörden involviert – der Abstimmungsbedarf steigt. Außerdem identifizieren sich die Menschen auf dem Land häufig stark mit ihrer Kommune. Sie schauen sehr genau, welche Neuerungen eingeführt werden und diskutieren ihren Nutzen. Das erhöht den Kommunikations- und Überzeugungsaufwand.
Jan Bose erläutert: „Neben verlässlicher Technik sind in ländlichen Kommunen Aspekte wie der Datenschutz und die Meinung der Anwohner entscheidend für die erfolgreiche Etablierung eines IoT-Projekts. Minimalistische Datenmengen sorgen für geringen Leistungsverbrauch und gleichzeitig hohen Datenschutz, weil nur die zwingend benötigten Daten verwendet werden. Mit einem direkten, für die Bevölkerung sichtbaren Mehrwert durch Verbesserungen im Alltag und nachvollziehbare Einsparungen im öffentlichen Haushalt steigt die Zustimmung für kommunale IoT-Projekte deutlich.“
Stand: 08.12.2025
Es ist für uns eine Selbstverständlichkeit, dass wir verantwortungsvoll mit Ihren personenbezogenen Daten umgehen. Sofern wir personenbezogene Daten von Ihnen erheben, verarbeiten wir diese unter Beachtung der geltenden Datenschutzvorschriften. Detaillierte Informationen finden Sie in unserer Datenschutzerklärung.
Einwilligung in die Verwendung von Daten zu Werbezwecken
Ich bin damit einverstanden, dass die Vogel Communications Group GmbH & Co. KG, Max-Planckstr. 7-9, 97082 Würzburg einschließlich aller mit ihr im Sinne der §§ 15 ff. AktG verbundenen Unternehmen (im weiteren: Vogel Communications Group) meine E-Mail-Adresse für die Zusendung von redaktionellen Newslettern nutzt. Auflistungen der jeweils zugehörigen Unternehmen können hier abgerufen werden.
Der Newsletterinhalt erstreckt sich dabei auf Produkte und Dienstleistungen aller zuvor genannten Unternehmen, darunter beispielsweise Fachzeitschriften und Fachbücher, Veranstaltungen und Messen sowie veranstaltungsbezogene Produkte und Dienstleistungen, Print- und Digital-Mediaangebote und Services wie weitere (redaktionelle) Newsletter, Gewinnspiele, Lead-Kampagnen, Marktforschung im Online- und Offline-Bereich, fachspezifische Webportale und E-Learning-Angebote. Wenn auch meine persönliche Telefonnummer erhoben wurde, darf diese für die Unterbreitung von Angeboten der vorgenannten Produkte und Dienstleistungen der vorgenannten Unternehmen und Marktforschung genutzt werden.
Meine Einwilligung umfasst zudem die Verarbeitung meiner E-Mail-Adresse und Telefonnummer für den Datenabgleich zu Marketingzwecken mit ausgewählten Werbepartnern wie z.B. LinkedIN, Google und Meta. Hierfür darf die Vogel Communications Group die genannten Daten gehasht an Werbepartner übermitteln, die diese Daten dann nutzen, um feststellen zu können, ob ich ebenfalls Mitglied auf den besagten Werbepartnerportalen bin. Die Vogel Communications Group nutzt diese Funktion zu Zwecken des Retargeting (Upselling, Crossselling und Kundenbindung), der Generierung von sog. Lookalike Audiences zur Neukundengewinnung und als Ausschlussgrundlage für laufende Werbekampagnen. Weitere Informationen kann ich dem Abschnitt „Datenabgleich zu Marketingzwecken“ in der Datenschutzerklärung entnehmen.
Falls ich im Internet auf Portalen der Vogel Communications Group einschließlich deren mit ihr im Sinne der §§ 15 ff. AktG verbundenen Unternehmen geschützte Inhalte abrufe, muss ich mich mit weiteren Daten für den Zugang zu diesen Inhalten registrieren. Im Gegenzug für diesen gebührenlosen Zugang zu redaktionellen Inhalten dürfen meine Daten im Sinne dieser Einwilligung für die hier genannten Zwecke verwendet werden. Dies gilt nicht für den Datenabgleich zu Marketingzwecken.
Recht auf Widerruf
Mir ist bewusst, dass ich diese Einwilligung jederzeit für die Zukunft widerrufen kann. Durch meinen Widerruf wird die Rechtmäßigkeit der aufgrund meiner Einwilligung bis zum Widerruf erfolgten Verarbeitung nicht berührt. Um meinen Widerruf zu erklären, kann ich als eine Möglichkeit das unter https://contact.vogel.de abrufbare Kontaktformular nutzen. Sofern ich einzelne von mir abonnierte Newsletter nicht mehr erhalten möchte, kann ich darüber hinaus auch den am Ende eines Newsletters eingebundenen Abmeldelink anklicken. Weitere Informationen zu meinem Widerrufsrecht und dessen Ausübung sowie zu den Folgen meines Widerrufs finde ich in der Datenschutzerklärung, Abschnitt Redaktionelle Newsletter.
Umweltsensorik für die Land- und Forstwirtschaft
Im nächsten Schritt werden vor allem Testprojekte bei der Umweltsensorik umgesetzt. Insbesondere Wetterstationen oder die Überwachung von Bodeneigenschaften sind für die Land- und Forstwirtschaft interessant – so sollen Sensoren beispielsweise Temperatur, Bodenfeuchte und den Niederschlag messen. Ein LoRaWAN-IoT kann zudem dabei helfen, Waldbrandgefahren so früh wie möglich zu erkennen. Hierfür kommt ein Multisensor zum Einsatz, der Temperatur, Feuchtigkeit, Luftdruck und verschiedene Gase wie Wasserstoff, Kohlenmonoxid oder Kohlendioxid erfasst. In Flüssen und Seen geben Sensoren Auskunft über die Wasserqualität und Ultraschallsensoren an Brücken überwachen die Pegelstände.