Multiscreen-Anwendungen Live-Stream auf mehrere Geräte

Redakteur: Dipl.-Ing. (FH) Hendrik Härter

Webinhalte auf unterschiedliche Geräte streamen: Fraunhofer Forscher haben auf Basis des ISO-Standard MPEG DASH und einer Entwicklungsplattform geschafft, Videos synchron abzuspielen.

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Mit der Entwicklungsplattform FAMIUM lassen sich Livestream-Videos synchron auf mehreren Geräten abspielen
Mit der Entwicklungsplattform FAMIUM lassen sich Livestream-Videos synchron auf mehreren Geräten abspielen
(Fraunhofer FOKUS)

Viele Webinhalte werden als Stream wiedergegeben und somit nicht auf den Rechner gespeichert. Verschlechtert sich die Bitrate, leidet die Übertragungsqualität und das Bild ruckelt. Eine Lösung ist es, die Videoqualität der aktuell verfügbaren Bitrate anpasst. Einzelne Sequenzen haben dann zwar eine schlechtere Qualität, aber die Wiedergabe bleibt flüssig. Für ein solches adaptives Streaming benötigen die Daten jedoch ein bestimmtes Format: den ISO-Standard MPEG DASH (Dynamic Adaptive Streaming over HTTP), der seit 2012 verfügbar ist.

Videostreams auf mehrere Geräte verteilen

Forscher des Fraunhofer-Instituts für Offene Kommunikationssysteme FOKUS in Berlin bauen auf der Grundlage dieser Technologie auf, um beim adaptiven Streaming ganz neue Anwendungen zu schaffen. Mit ihrer Entwicklungsplattform FAMIUM wird es möglich, Livestream-Videos synchron auf mehreren Geräten abzuspielen.

FAMIUM ist zum einen ein Player, der MPEG DASH-Videos im Browser abspielen kann. Das funktioniert bislang zwar nur mit Google Chrome und Internet Explorer 11 unter Windows 8.1, längerfristig sollten aber auch andere Browser den Player unterstützen. Als zweite Komponente kommen weitere Funktionalitäten wie Multiscreen-Framework dazu. Zum Teil konnte auf bestehende Technologien zurückgegriffen werden: So basiert FAMIUM auf einem Open Source Player des DASH Industry-Forums, wenngleich ihn das Projektteam an der ein oder anderen Stelle noch optimiert hat. Das Multiscreen-Framework wurde dagegen komplett am FOKUS entwickelt.

Wenn sich der Fernseher mit dem Mobiltelefon verbindet

Mit der Plattform lassen sich unterschiedlichste Anwendungen realisieren. So ist es etwa möglich, ein Mobiltelefon mit dem Fernseher zu verbinden: Das Handy erkennt dann automatisch einen Fernsehapparat im Raum und Medieninhalte lassen sich auf beide Geräte verteilen. Während man also etwa auf dem Fernsehapparat ein Video abspielt, erscheinen auf dem Handy-Display Zusatzinformationen.

So lässt sich beispielsweise ein Formel-1-Rennen auf zwei Bildschirmen verfolgen. Während auf dem Fernseher das normale Rennen läuft, liefert ein zweiter Bildschirm – etwa ein Tablet – Perspektiven aus dem Cockpit. Unterbricht der User zum Beispiel auf dem Tablet das Video, stoppt der Fernseher ebenfalls.

Als die Berliner Forscher vor etwa einem Jahr das Projekt begannen, standen kaum geeignete Medieninhalte zur Verfügung. So blieb ihnen nichts weiter übrig, als selbst entsprechenden Content zu generieren. Mit dem DASH Transcoder konnten Medien in das MPEG DASH-Format transkodiert werden. Heute kommt der Transcoder zum Einsatz, um etwa das aktuelle Fernsehprogramm live über den Browser abspielen zu können.

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