Flugtaxis in der Diskussion Lilium-Insolvenz: Ein Scheitern der Idee - oder ein Scheitern der Technologieförderung?

Von Manuel Christa 3 min Lesedauer

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Mit Lilium strauchelt ein Unternehmen, das ein Vorzeigeprojekt deutscher Technologie-Innovationen ist. Doch das Start-up der vollelektrischen Senkrechtstarter hob nach 1,5 Mrd. Euro noch immer nicht ab und meldete nun Insolvenz an, nachdem der Bund weitere Mittel verwehrte. Zu Recht? Die Meinungen der Wirtschaftspresse gehen auseinander.

Zukunft der vollelektrischen Senkrechtstarter bleibt ungewiss.(Bild:  Lilium)
Zukunft der vollelektrischen Senkrechtstarter bleibt ungewiss.
(Bild: Lilium)

Nicht nur in den Kommentarspalten großer Medien, auch in der Gründerszene selbst war die Schadenfreude darüber ersichtlich, dass das Flugtaxi-Unternehmen Lilium nun scheinbar am Ende ist.

Technische Innovationen verdienten Unterstützung, „egal wie sinnvoll“

Schämt euch dafür!“, schimpft Lisa Ksienrzyk von der Wirtschaftswoche die gehässigen Stimmen und sieht in der Lilium-Insolvenz vielmehr ein „bitteres Signal für den deutschen Tech-Standort.“

Man solle die „Warnsignale“ erkennen, denn Lilium sei „eine der wenigen echten Innovationen aus der Neuzeit, die aus Deutschland stammen.“ Solche solle man unterstützen. „Egal, wie sinnvoll sie sind.“ Deutschland könnte es sich nicht erlauben „noch ein Leuchtturm-Start-up zu verlieren.“ Verlierer seien nicht nur Investoren und Aktionäre, sondern auch die 1.000 Mitarbeitenden in Bayern und letztlich auch der Technologiestandort Deutschland.

Nicht aus „Standortpatriotismus sinnlos Steuergelder versenken“

Es habe gute Gründe für die ausbleibenden Hilfen vom Bund gegeben, widerspricht Gregor Honsel, Redakteur bei Technology Review, in seinem Kommentar. Warum solle der Steuerzahler einspringen, wenn nicht einmal Investoren an den riesigen Markt glauben? Honsel hält „Standortpatriotismus“ als Grund allein nicht für ausreichend genug.

Mehr Geld vom Bund hätte „etwas Willkürliches“ gehabt, wenn ausgerechnet Lilium geholfen werde und anderen Start-ups nicht. „Es ist ja nicht so, dass sich der Bund komplett aus der Unterstützung visionärer Technik heraushält.“ Außerdem glaubt Honsel nicht, dass das Flugtaxi letztlich Verkehrsprobleme lösen wird. Er zeichnet ein Bild, bei dem viele Flugobjekte am „Mittleren Ring in München zur Rushhour“ kreisen und einen Landeplatz suchen. „Will man so etwas wirklich?“

Venture-Capital Ökosystem „funktioniert nicht“

An sich hält Josephine Fokuhl vom Handelsblatt es für richtig, keine weiteren Staatshilfen bereitzustellen. Sie sieht aber darin ein kaputtes Ökosystem im deutschen Risikokapital. Die Förderung vom Bund hätte Deutschland als Technologiestandort nicht attraktiver gemacht. „Denn, in typisch deutscher Manier wird hier eher auf risikoärmere und schneller monetarisierbare Projekte gesetzt.“

Flugtaxis als Synonym für falschen deutschen Technikfokus

Nun hat der Individualluftverkehr in der öffentlichen Debatte ja bereits eine Vorgeschichte: Vor sechs Jahren wehrte sich die damalige Digitalministerin Dorothee Bär dagegen, dass ihr Aufgabenbereich auf den Breitbandausbau des Internets beschränkt sei. Dabei erwähnte sie weitere Felder und fragte rhetorisch: „Das Thema muss doch sein: Kann ich auf dieser Infrastruktur, die wir haben, dann auch autonom fahren? Habe ich die Möglichkeit auch zum Beispiel mit einem Flugtaxi durch die Gegend fliegen zu können?“, so Bär.

Dafür wurde die Politikerin als wort- und sprichwörtlich abgehoben kritisiert. Damals wie heute zeigt die Debatte deutlich die Spannungen zwischen visionären Ideen und der Erwartungshaltung der Öffentlichkeit an pragmatische und sofort umsetzbare Lösungen. Zweifellos ist beides nur mit einem schmalen Grat miteinander verbunden.

Lilium ist noch nicht ganz am Ende

Nun bedeutet der Insolvenzantrag von Lilium nicht zwangsläufig das Ende des Unternehmens, sondern kann auch als Chance zur Restrukturierung gesehen werden. Lilium hat den Antrag auf ein Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung gestellt. Das bedeutet, dass die Geschäftsführung weiterhin die Kontrolle behält und versucht, das Unternehmen zu sanieren, während ein gerichtlich bestellter Sachwalter die Vorgänge überwacht. Das bedeutet nach wie vor die Suche nach Investoren. Es bleibt abzuwarten, wie erfolgreich die Suche voran geht und was aus dem Vorzeige-Start-up letztlich werden wird. (mc)

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