Arrow EMEA Lieferengpässe von elektronischen Bauteilen aus der Sicht des Distributors

Redakteur: Margit Kuther

Die Lieferengpässe in der Elektronikbranche stellen Distributoren vor besondere Herausforderungen, denn sie stehen oftmals zwischen Hersteller und Kunden. Die ELEKTRONIKPRAXIS befragt dazu Matthias Hutter, Vice President Product Asset Management bei Arrow EMEA.

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ELEKTRONIKPRAXIS: Herr Hutter, wie beurteilen Sie die Liefersituation von elektronischen Bauteilen?

Matthias Hutter: Auch wenn wir in den letzten Monaten keine Bauteilverknappung über die gesamte Breite der von uns angebotenen Produkte und Technologien beobachtet haben, so hat die Anzahl der Hersteller mit zum Teil stark gestiegenen Lieferzeiten sicherlich zugenommen. Bei einigen Herstellern sind die Kapazitäten stark heruntergefahren worden, gleiches gilt für Forecasts auf Kundenseite, gespeist durch die Unsicherheiten des Marktes.

Besonders stark betroffen sind Halbleiter, beispielsweise im Commodity-Segment bei SOT23-Gehäusen und Standard-Digital-Logic-Produkten, Engpässe gibt es aber auch bei Proprietary-/Sole-Source-Produkten. Passive Komponenten sind teilweise betroffen. Lediglich elektromechanische Komponenten, Steckverbinder und die Produkte aus unserem Embedded-Portfolio erweisen sich in der Lieferkette als stabil. Grundsätzlich gehen wir aber davon aus, dass es erneut Korrekturen in der Lieferkette geben wird, d.h., der enorm starke Auftragseingang der letzten Monate wird sich voraussichtlich in den kommenden Monaten etwas abschwächen.

Welche Konsequenzen hat das für Arrow EMEA, und wie reagiert Ihr Unternehmen darauf?

Auf die Marktsituation haben wir bereits frühzeitig reagiert und im dritten Quartal 2009 im Voraus Bestellungen getätigt und unser Lager an die aktuelle Bedarfssituation angepasst. Mit wenigen Ausnahmen können wir alle Commodity-Produkte ab Lager ausliefern. Auch den Bestand an Proprietary-/Sole-Source-Produkten haben wir basierend auf den Forecasts und unserer Marktkenntnis angepasst. Engpässe entstehen bei den Anwendungen, die nicht durch entsprechende Forecasts abgedeckt waren. Insgesamt haben wir somit a) durch frühzeitige Maßnahmen auf die absehbare Entwicklung reagiert und b) sprechen wir intensiv und in kürzeren Abständen als in „normalen“ Zeiten mit Kunden und Herstellern über die Optimierung der Lieferkette.

Wo sehen Sie Lösungsansätze?

Als Distributor und Spezialist in der Lieferkette konzentrieren wir uns auf Ansätze, die unseren Kunden eine größtmögliche Flexibilität bietet und ihnen in Zeiten mit fehlender Visibilität Spielraum verschafft. Wir müssen gewissermaßen die Anforderungen der Kunden „vorhersehen“, d.h. verstehen, in welchen Endmärkten sich unsere Kunden bewegen und wie dort die Entwicklungen sind. Wirtschaftspolitische Entwicklungen und nationale beziehungsweise regionale Unterschiede sind hierbei ausdrücklich zu inkludieren, denn diese können entsprechend große Auswirkung auf die Bedarfssituation haben. Die Abwrackprämie mag hier als Beispiel dienen. Flexibilität bedeutet, die Trends frühzeitig zu erkennen und ebenso frühzeitig im Fall einer sich abzeichnenden Veränderung zu reagieren. Dazu zählt beispielsweise auch, Produkte in Wachstumsbereichen zu identifizieren und entsprechend zu disponieren.

Wie arbeiten Sie mit Herstellern und Kunden zusammen?

Wir können hierbei nur erfolgreich sein, wenn wir mit unseren Herstellern und Kunden eng bei der Strategie die gesamte Lieferkette betreffend zusammen arbeiten. Insgesamt sehen wir die Engpässe aktuell eher durch die Lieferkette als durch die tatsächliche Bedarfssituation getrieben. Daher raten wir unseren Kunden, Bestellungen und Forecasts in kürzeren Abständen zu überprüfen und Aufträge langfristig zu planen. Sollte dann ein Bedarf tatsächlich verschoben werden, können wir aufgrund unserer Möglichkeiten als globaler Broadliner entsprechend flexibel reagieren. Beide Lösungsansätze ergeben im Zusammenspiel gut gemanagt gerade in schwierigen Zeiten eine effiziente Supply Chain.

Welche Bedeutung messen Sie einem elektronischen Datenaustausch zu?

Einen nicht zu unterschätzender Anteil an der effizienten Gestaltung der Lieferkette hat der Informationsfluss. Langfristig gesehen wäre es wünschenswert, wenn der elektronische Datenaustausch auf eine Ebene kommt, die im Rahmen eines intelligenten Informationsflusses den Status vom Bauteil bis zum Endprodukt abdeckt. Dies ist zugegeben ein visionärer Ansatz aber ich bin davon überzeugt, dass dies eines Tages Realität sein wird.

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