Künstliche Intelligenz USA und China im Kampf um die Vorherrschaft

Ein Gastbeitrag von Henrik Bork 4 min Lesedauer

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Die Stärke der chinesischen KI-Entwickler liegt in konkreten Anwendungen der künstlichen Intelligenz und nicht in Large-Language-Modellen. Doch der globale Wettlauf um die Vorherrschaft in der künstlichen Intelligenz zwischen den USA und China ist hart. Chinesische Unternehmen punkten bei humanoider Robotik und zeigen, dass sie technologisch aufholen.

Das Optimus Gen2 von Tesla war eines der Highlights auf der World Expo Exhibition and Convention Center in Shanghai. China und die USA kämpfen um die Vorherrschaft in der künstlichen Intelligenz. (Bild:  Tesla)
Das Optimus Gen2 von Tesla war eines der Highlights auf der World Expo Exhibition and Convention Center in Shanghai. China und die USA kämpfen um die Vorherrschaft in der künstlichen Intelligenz.
(Bild: Tesla)

Der Wettlauf zwischen den USA und China bei der künstlichen Intelligenz ist zu einem wichtigen Thema unserer Zeit geworden, vergleichbar mit dem Wettlauf im Weltraum zur Zeit des Kalten Krieges mit der Sowjetunion. Eine Art Momentaufnahme dieses Wettlaufs war gerade auf der führenden KI-Konferenz der Volksrepublik möglich.

Auf der diesjährigen WAIC, der „World Artificial Intelligence Conference“, standen diesmal konkrete Anwendungen der KI im Vordergrund, mit einem besonderen Schwerpunkt auf der Robotik. Und gerade in diesem Bereich – den Anwendungen – holt China gegenüber den USA derzeit besonders schnell auf. Besonders deutlich wird dieser Trend bei zweibeinigen, humanoiden Robotern, die dank ihres durch KI verbesserten Gehirns für Anwendungen in einer ganzen Reihe von Industrien immer nützlicher werden.

China und der wachsende Markt humanoider Roboter

Die Tech-Unternehmen liefern sich ein Kopf-an-Kopf-Rennen. Im Zeitraum 2010 bis 2022 führte China bei den KI-Patenten. Auch bei den installierten Industrierobotern lag China 2022 vorne.(Bild:  Asia Waypoint)
Die Tech-Unternehmen liefern sich ein Kopf-an-Kopf-Rennen. Im Zeitraum 2010 bis 2022 führte China bei den KI-Patenten. Auch bei den installierten Industrierobotern lag China 2022 vorne.
(Bild: Asia Waypoint)

Einer der Stars der diesjährigen WAIC war der humanoide Roboter „Optimus Gen2“ von Tesla. Zwar blieb er im „World Expo Exhibition and Convention Center“ in Shanghai hinter Glas verborgen und eine Interaktion mit den Messebesuchern war ihm somit verwehrt. Dennoch war er ein Publikumsmagnet.

Allerdings war Tesla diesmal einer der wenigen ausländischen Aussteller auf der WAIC. Die große Mehrheit der 500 Unternehmen, die mehr als 1.500 Produkte und Systeme mit KI-Bezug zeigten, kam aus China selbst. Und so wurde Teslas Zweibeiner von einem einheimischen Team von nicht weniger als 18 humanoiden Robotern aus chinesischer Produktion begrüßt, die Chinas Status als „Fast Follower“ in der Welt der KI demonstrierten, wie die Asia Times in ihrem Messebericht bemerkte.

Die Chinesen zeigen ihre KI-Chips

„Healthy Loong“ zum Beispiel, der 1,85 Meter große und 82 Kilogramm schwere zweibeinige Roboter, der vom Humanoid Robot Innovation Center in Shanghai entwickelt wurde, zeigte seine Feinmotorik, mit der er präzise Arbeiten ausführen kann. Er kann Treppen steigen, Kaffee kochen und mit einer Laufgeschwindigkeit von einem Meter pro Sekunde mühelos Hindernissen ausweichen.

Das Gehirn des chinesischen Humanoiden basiert auf dem Large Language Modell (LLM) „Zhuque“ und dem Baihu-Modell, die ebenfalls von chinesischen Wissenschaftlern entwickelt wurden. In China erregen solche technologischen Fortschritte große Aufmerksamkeit. Aufgrund des Chip-Boykotts der USA gegen China, der sich nicht zuletzt auf KI-Chips konzentriert, wurde vor kurzem noch diskutiert, ob China in Zukunft beim Thema KI überhaupt mit den Amerikanern mithalten kann. Das kann es, wie auf der diesjährigen WAIC zu sehen war.

„China zeigt seine KI-Muskeln auf der Expo in Shanghai“, titelte die Asia Times. Die USA bleiben weltweit führend in der Entwicklung von LLM. „Im Jahr 2023 werden 61 bedeutende KI-Modelle von Institutionen in den USA stammen und damit die 21 aus der EU und die 15 aus China weit hinter sich lassen“, heißt es in einem aktuellen KI-Index-Bericht der Stanford University in Kalifornien.

Doch wenn es darum geht, intelligente Modelle in die reale Welt zu übertragen, hat China dank seiner hochentwickelten Elektronikindustrie einen enormen Wettbewerbsvorteil. Humanoide Roboter sind nur ein Beispiel. Auf der WAIC waren auch zahlreiche KI-Anwendungen für Smartphones, PCs und Wearables, Gesundheitsdienste und Komponenten für selbstfahrende Fahrzeuge zu sehen.

KI in konkreten Anwendungen stärker forcieren

Trotz des US-Chip-Boykotts finden chinesische Unternehmer Wege, künstliche Intelligenz nicht nur weiterzuentwickeln, sondern auch kommerziell zu nutzen. „Niemand wird leugnen, dass wir in China mit begrenzten Rechenkapazitäten zu kämpfen haben“, zitiert die Nachrichtenagentur Reuters Zhang Pingan, Leiter der Cloud-Computing-Abteilung bei Huawei, in ihrem Konferenzbericht. „Aber wenn wir glauben, dass wir nicht Technologieführer in KI werden können, weil wir nicht die fortschrittlichsten KI-Chips haben, dann sollten wir diese Ansicht aufgeben“, sagt der chinesische Manager.

Robin Li, CEO des chinesischen Suchmaschinen- und KI-Konzerns Baidu, forderte die chinesische Industrie auf, die Einführung von KI in konkreten Anwendungen stärker zu forcieren. „Ohne Anwendungen, wenn man nur „fundamental models“ hat, egal ob Open Source oder Closed Source, dann ist das wertlos“, sagt Robin Li auf der Konferenz.

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Die Bedeutung, die die chinesische Regierung der KI beimisst, wurde allein schon dadurch deutlich, dass Premierminister Li Qiang die Eröffnungsrede der diesjährigen WAIC hielt. Er rief zu mehr internationaler Zusammenarbeit bei KI auf. KI sei ein Gemeingut" der Menschheit, das sicher, zuverlässig und kontrollierbar" bleiben müsse. Auch dafür sei internationale Zusammenarbeit notwendig. Gleichzeitig dürfe kein Land der Welt bei KI zurückgelassen werden, sagt Li Qiang.

Chinesische Industrie soll von KI profitieren

Der chinesische Premierminister hatte Anfang Juli auch eine Sitzung des Staatsrats geleitet, bei der es um die Beschleunigung der digitalen Transformation in Chinas Fertigungsindustrie ging. So könnte ein Fazit der WAIC in Shanghai lauten: Wie in anderen Ländern sieht man auch in China die Notwendigkeit, KI zu regulieren. Anders als etwa in Deutschland stehen aber nicht die Bedenken und potenziellen Gefahren im Vordergrund der Debatte, sondern der konkrete Nutzen der neuen Technologie für Wissenschaft und Forschung und insbesondere auch für die Wettbewerbsfähigkeit der Industrie.(heh)

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