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Die Innenräume verfügen über eine integrierte Fußbodenheizung aus Grafit-beschichteten Holzlamellen. Die Deckenelemente beinhalten hinter den raumakustisch wirksamen Holzlamellen eine Lehmschicht, die durch die offenen Fugen den Feuchtehaushalt der Luft ausgleicht. Zudem ist die Lehmschicht mit PCM-Kügelchen (Phasenwechselmaterial) vermischt, die die Wärmelasten im Innenraum puffern. Die Lehmschicht ist zusätzlich mit wasserführenden Rohrleitungen durchzogen, so dass die Decke bei Bedarf als aktives Kühlelement eingesetzt werden kann.
Zwei Lüftungsgeräte mit Wärmerückgewinnung sind in den Schrankelementen integriert und für Wartungsarbeiten gut zugänglich. Die Zuluftversorgung erfolgt über die Lichtfuge zwischen Schrankmodul und Decke.
Für die Außenluftansaugung und die Fortluft werden die Fugen an den opaken Außenfassaden aktiviert. Zwischen den aktiven Scheiben und den Konstruktionsblenden sind entsprechende Lüftungsgitter integriert. Die Fugen zwischen den Schrankelementen und den Decken werden durch integrierte LEDs zur Grundbeleuchtung der Innenräume aktiviert.
Die Technik im Schrank
Die Hausanschlüsse, Trinkwasserspeicher und die Gebäudeautomation sind im Schrankelement hinter dem Küchenmodul verstaut, das sich in den Raum ziehen lässt. Im Bad sind hinter der abgehängten Lichtdecke sowohl LEDs als auch Elemente zur Tageslichtauskopplung angebracht. Diese sind durch in die Wand integrierte Glasfaserkabel mit einem Kollektor im Außenbereich verbunden.
In die äußerste Schicht der opaken Außenwände sind semitransparente Photovoltaikelemente integriert, die in Dünnschichttechnologie mit ihrem homogenen, transluzenten Erscheinungsbild die Ansicht prägen. Das wasserführende Dachelement bildet mit einer Fuge den oberen Abschluss des kubischen Baukörpers. Es beinhaltet vollflächig sowohl opake wie transparente Photovoltaikmodule als auch in der unteren Schicht solarthermische Absorber und übernimmt neben der Witterungsfunktion auch die Aufgaben Solarstromerzeugung, Solare Wärmegewinnung und Nachtstrahlungskühlung. Das Energiedach wird in eine innenliegende Regenrinne entwässert, die Fallrohre sind in die inneren Stützen des Tragsystems integriert.
Im Winter kann der Energiebedarf durch dieses Konzept jedoch nicht gedeckt werden und auch die Bayerischen Schneemengen dürften das Flachdach vor Herausforderungen stellen.
Gebäudeinterface 2.0
Für die Steuerung und zuverlässige Energieübertragung wurden vor allem Verbindungslösungen von Lapp verwendet: Ölflex-Solar-Leitungen für die Photovoltaikanlage, Ölflex- Anschluss- und Steuerleitungen für die Elektrik im Haus (vor allem Ölflex Classic 120 H für Backofen, Herd, Waschmaschine, Spülmaschine, Trockner).
Für die Anbindung der KNX-Produkte (Sensoren und Aktoren, die die Lüftung, Fußbodenheizung, Beleuchtung etc. steuern) wurde der Unitronic Bus EIB H verwendet. Für die Übertragung der Sensorwerte kamen geschirmte, paarverseilte Datenleitungen Unitronic LiYCY (TP) zum Einsatz. Die Anbindung der Pumpen im Hydrauliksystem für Kühlung und Fußbodenheizung übernehmen halogenfreie NHXMH-Leitungen, die in der Wand verlegt sind.
H07V-K Einzeladern wurden für die Verdrahtung innerhalb des Schaltschranks montiert, z.B. die Verbindung der einzelnen Sicherungen mit den Relais.
Wie geht es mit Ecolar Home weiter
Die Studenten der HTWG haben das Haus auf dem Campus-Gelände wieder aufgebaut und sind derzeit dabei, die Wasserversorgung zu installieren. Danach werden einige von ihnen darin probe wohnen, um das Konzept auf Herz und Nieren zu prüfen.
Anschließend soll das Ecolar Home vermarktet werden. Anfangs eher in einem High-Class-Segment in Städten wie Hamburg, Berlin oder Stuttgart. Kosten belaufen sich auf rund 500000 Euro (Produktion 1 bis 2 Häuser pro Jahr), später sollen sie auf 200000 Euro (Produktion 1000 Häuser pro Jahr) sinken. Allerdings sollte man bei der Gesamt-Kostenanalyse auch die sehr geringen laufenden Betriebskosten des Plusenergiehauses berücksichtigen.
In der Initialphase soll das Ecolar Home als Erweiterung von Hotels als High-End Lofts oder in Resorts wie “Center Parks” oder in eigenen nachhaltigen Ferien-Resorts zum Probewohnen angeboten werden, um Kunden von der Gebrauchstauglichkeit und Nutzerfreundlichkeit des Hauses zu überzeugen.
Die ersten Personen und Familien, die in einem Ecolar-Haus leben, werden zu Referenzkunden. Sie können das Haus zu Vorzugspreisen erwerben und geben dafür ständig ein Feedback über die Funktionen und eventuelle Probleme des Hauses. Diese ersten Häuser werden auch Musterhäuser sein.
Smart Building und nachhaltiges, energieeffizientes Bauen ist groß im Trend. Zukünftig werden man seine Nachbarn wohl nach Energieaspekten aussuchen, meint Siegbert Lapp augenzwinkernd und fügt hinzu: „Früher musste alles von Hand bedient werden. Heute reicht ein Tipp auf einem Touchscreen. Und in der Zukunft ist es vielleicht nur noch ein Augenzwinkern…“.
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