Industrial IT-Security Kontron möchte das sichere „Windows für Maschinen“ bieten

Von Manuel Christa 2 min Lesedauer

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Auf der SPS 2025 positioniert sich Kontron mit einem Plattformansatz aus Betriebssystem, Security-Schicht und vorintegrierter Hardware als Antwort auf den Cyber Resilience Act. 

Kontron-Chef Hannes Niederhauser: Auf der SPS 2025 positioniert er seine Linux Distribution als CRA-konforme Plattform.(Bild:  mc/VCG)
Kontron-Chef Hannes Niederhauser: Auf der SPS 2025 positioniert er seine Linux Distribution als CRA-konforme Plattform.
(Bild: mc/VCG)

Der Cyber Resilience Act setzt Hersteller industrieller IT-Systeme unter Druck. Ab 2027 müssen vernetzte Geräte nachweisbar über ihren gesamten Lebenszyklus hinweg abgesichert sein. Kontron-CEO Hannes Niederhauser machte auf der Pressekonferenz deutlich, dass der Handlungsdruck schnell näher rückt: „Im Jahr 2027 wird der Cyber Resilience Act verpflichtend. Und da ist der nächste Schritt, nach NIS2, deutlich tiefer in der Technologie verankert.“

Im Mittelpunkt steht KontronOS, ein gehärtetes Linux-basiertes Betriebssystem, das als einheitliche Sicherheitsbasis für Industrie-PCs und Edge-Systeme dienen soll. Kontron beschreibt den Ansatz als „Windows für Maschinen“: Boot-Kette, Updates, Verschlüsselung und Dokumentation werden zentral kontrolliert, während die Applikation weiterhin beim Kunden liegt. Ziel ist es, die CRA-Anforderungen nicht projektweise, sondern strukturell zu adressieren. Niederhauser formulierte das auf der SPS zugespitzt: „Unser Ziel ist es, Windows für Maschinen zu werden, mit besonderen Features wie hoher Sicherheit, Remote-Updates und klaren Erweiterungen.“

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Brownfield als Ausgangspunkt

Ein zentrales Thema der Pressekonferenz ist der Umgang mit bestehenden Anlagen. Nach Einschätzung von Kontron stehen heute Millionen Geräte im Feld, die nie für CRA-konforme Security-Mechanismen ausgelegt wurden. Ein vollständiger Austausch sei in vielen Fällen weder wirtschaftlich noch technisch realistisch. Kontron setzt daher auf Retrofit-Strategien, bei denen bestehende Systeme durch vorgeschaltete Security-Komponenten geschützt werden.

Mit der Plattform KontronAIShield bringt das Unternehmen eine KI-gestützte Überwachungsschicht ins Spiel. Sie analysiert das Verhalten von Systemen und Netzwerkverkehr, erkennt Anomalien und kann verdächtige Verbindungen blockieren, ohne tief in bestehende Applikationen eingreifen zu müssen. Der Fokus liegt dabei weniger auf klassischen Signaturen als auf Verhaltensmustern.

Partnerschaft mit Congatec

Technisch ergänzt wird der Plattformansatz durch die Zusammenarbeit mit Congatec. Der Modulhersteller liefert weiterhin Computer-on-Modules und Virtualisierungstechnologie, während Kontron Betriebssystem, Security-Funktionen und Lifecycle-Management nach oben zieht. Vorinstallierte, zertifizierbare Tech-Stacks sollen OEMs und Systemintegratoren helfen, Zeit bei Integration und Compliance-Nachweisen zu sparen.

Kontron sieht darin eine neue Arbeitsteilung im Embedded- und IPC-Markt: modulare Hardware unten, verbindliche Security- und Software-Basis oben. Gerade unter dem Druck des Cyber Resilience Act gewinnen solche klar abgegrenzten Verantwortlichkeiten an Bedeutung.

Die Botschaft der SPS-Pressekonferenz ist damit weniger ein einzelnes Produkt als eine Verschiebung im Denken: Security wird zur Architektur- und Systemfrage, nicht mehr zur nachträglichen Erweiterung. (mc)

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