Halbleiterprognosen KI treibt Halbleiterumsätze, doch Analysten sehen Warnsignale

Von Susanne Braun 3 min Lesedauer

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Der KI-Boom sorgt dafür, dass sich die Analysten der Halbleiterindustrie vor Euphorie überschlagen. Schon Ende des Jahres 2026 könnte der Marktumsatz bei einer Billion US-Dollar liegen. Doch einige Branchenkenner sehen Warnsignale, dass diese Entwicklung unrealistisch ist.

Solange mit künstlicher Intelligenz nicht zuverlässig Erlöse erwirtschaftet werden, ist es in den Augen mancher Analysten gefährlich, massiv in Fertigungskapazitäten für AI-Chips zu investieren.(Bild:  AMD)
Solange mit künstlicher Intelligenz nicht zuverlässig Erlöse erwirtschaftet werden, ist es in den Augen mancher Analysten gefährlich, massiv in Fertigungskapazitäten für AI-Chips zu investieren.
(Bild: AMD)

Seit Jahren wird prognostiziert, dass der Halbleitermarkt spätestens im Jahr 2030 eine Billion US-Dollar schwer sein wird. Seit einigen Monaten überschlagen sich die Analysten aber förmlich, denn mit dem KI-Boom rückt das Datum für das Erreichen dieser psychologisch wichtigen Marke immer weiter in die nähere Zukunft. Mittlerweile wird damit gerechnet, dass der Markt bereits Ende 2026 diesen Umsatz erreicht haben wird.

Doch es gibt ein Aber. Manche Analysten warnen davor, dass das Erreichen dieses Ziels unter aktuellen Rahmenbedingungen unwahrscheinlich ist, zumindest nicht bis Ende dieses Jahres. Branchenkenner Malcolm Penn von Future Horizons vertritt zumindest diese Meinung; in seinen Augen verhindern strukturelle Schwächen und zu geringe Kapazitäten diesen Erfolg (via eenewseurope), auch wenn die Nachfrage nach KI-relevanten Chips und Speicherlösungen durch die Decke geht. Insbesondere die Segmente Computing und Datenspeicherung sollen zweistellig wachsen.

Wachstum wenig diversifiziert

Trotz dieser robusten Gesamtentwicklung warnen Marktbeobachter vor asymmetrischer Dynamik: Ein großer Teil des Wachstums konzentriert sich auf wenige Anwendungsbereiche wie KI-Infrastruktur und Hyperscale-Rechenzentren, während traditionelle Endmärkte wie Automotive oder Smartphones unter Druck stehen. Diese Struktur kann Zyklusschwächen und Überhänge in der Produktion verstärken, wenn die starke Nachfrage in einigen Bereichen nachlässt.

Penn sieht für 2026 für den Halbleitermarkt ein Wachstum von rund 12 Prozent, rund zehn Prozent weniger als die 22 Prozent im Jahr 2025. Seiner Meinung nach könnte das Wachstum bis zu 18 Prozent betragen. Dieser Wert unterscheidet sich signifikant von anderen, optimistischeren Prognosen von Marktbeobachtern, die ein Wachstum von bis zu 40 Prozent erwarten. „Jede Party ist eine gute Party, und idealerweise genießt man sie, solange sie dauert, sich aber auf den Kater einstellen“, so Penn, und verweist auf Überkapazitäten bei älteren Prozessknoten in China und die schwache Weltwirtschaft. 

KI habe ein großes Potenzial, sagt Penn, doch noch sei künstliche Intelligenz nicht nachhaltig und werde es auch nicht in diesem Jahr werden. „Die erste KI-Killer-App wird erst 2030 verfügbar sein, die Investitionen jedoch belaufen sich auf Billionen von Dollar, während die Rendite nur im Millionenbereich liegt“, sagt er. Gleichzeitig mahnt Penn den Wert der KI-Chips an, denn diese verlieren innerhalb kürzester Zeit ihren Nutzen.

Wie wir bereits berichteten, altert die Hardware in einem KI-Rechenzentrum so enorm schnell, dass sie nur für wenige Jahre genutzt werden kann. Entsprechend kritisch sieht Penn auch jegliche Maßnahme, etwa von TSMC, die High-Volume-Produktion von KI-Chips noch weiter auszubauen. „Wenn die KI-Blase platzt, wird die Überkapazität wirklich wehtun“, warnt er. TSMC hat bereits in den vergangenen Jahren und auch schon in diesem Jahr weitere Investitionen in den Arizona-Cluster des Unternehmens versprochen, in dem vornehmlich KI-Chips hergestellt werden sollen.

Die andere Seite der Medaille

Zu den Analysten, die dem Markt ein hohes Wachstum zurechnen, gehören die von Omdia. In einer Marktanalyse vom 15. Januar 2026 heißt es: „Das Wachstum wird durch den rasanten Anstieg der Umsätze mit Speicher- und Logik-ICs angetrieben, der auf die massive Nachfrage aus dem KI-Markt zurückzuführen ist. Die Umsatzprognose für Halbleiter für 2025 stieg gegenüber dem Vorjahr deutlich um 20,3 Prozent, was auf die besser als erwarteten Ergebnisse des 3. Quartals 2025 und das für das 4. Quartal 2025 erwartete robuste Wachstum zurückzuführen ist. Das Umsatzwachstum bei DRAM- und NAND-Speicher-ICs wird dank der starken Expansion bei Logik-ICs weiterhin beispiellos bleiben, sodass die Marktprognose für 2026 bei 30,7 Prozent gegenüber dem Vorjahr liegt.“

Realistischere Analysten sehen zusätzlich zu den genannten potenziellen Bremsfaktoren noch geopolitische Unsicherheiten sowie die Umverteilung von Speicherfertigungskapazitäten zugunsten hochmargiger KI-Anwendungen, die die Marktbalance weiter belasten. All dies seien potenzielle Risiken für die Stabilität des Sektors, selbst wenn die Aggregateinnahmen weiterhin steigen. Insgesamt bleibt der KI-Boom ein zentraler Wachstumsmotor für Halbleiter, doch die Qualität des Wachstums und die Diversifizierung über unterschiedliche Marktsegmente hinweg werden 2026 und darüber hinaus zu wichtigen Beobachtungsfeldern für Industrie und Investoren. (sb)

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