6G-Entwicklung Keysight und Ericsson testen noch vor einer Standardisierung

Von Dipl.-Ing. (FH) Hendrik Härter 3 min Lesedauer

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Noch bevor es finale Standards gibt, testen Keysight und Ericsson mit realer Netzwerkinfrastruktur und Geräten die Interoperabilität von Pre-6G. Das hilft bei der frühzeitigen Validierung neuer 6G-Konzepte.

Keysight und Ericsson ermöglichen die Validierung der Pre-6G-Interoperabilität mit realer Netzwerkinfrastruktur und Geräten.(Bild:  Keysight)
Keysight und Ericsson ermöglichen die Validierung der Pre-6G-Interoperabilität mit realer Netzwerkinfrastruktur und Geräten.
(Bild: Keysight)

Die Zusammenarbeit zwischen dem Messtechnikspezialisten Keysight Technologies und dem Netzwerkausrüster Ericsson zeigt einen neuen Ansatz in der 6G-Entwicklung auf: Statt auf finale Standards zu warten, validieren beide Unternehmen bereits heute die Interoperabilität zwischen Pre-6G-Basisstationen und Prototyp-Endgeräten unter realen Bedingungen.

Pre-6G bedeutet Entwicklung vor der Standardisierung

Die 6G-Standardisierung durch 3GPP befindet sich noch in der frühen Phase. Während Release 19 und 20 bis 2026 grundlegende Anforderungen und Architekturstudien definieren, sind die ersten normativen 6G-Spezifikationen erst für Release 21 geplant, das Ende 2028 abgeschlossen werden soll. Die finale ITU-Zustimmung für IMT-2030 wird nicht vor 2030 erwartet.

Diese Zeitspanne nutzen Keysight und Ericsson für Pre-6G-Entwicklungen, die zentrale 6G-Konzepte bereits heute in realer Hardware testen. Dazu gehören Zentimeter-Wellen-Spektrum für höhere Frequenzbereiche, Kanalbandbreiten von bis zu 400 MHz sowie erweiterte Massive MIMO-Systeme mit verbesserter Protokolleffizienz. Diese Ansätze ermöglichen es, Designentscheidungen zu validieren und Interpretationsdifferenzen bei Entwurfsstandards frühzeitig zu identifizieren.

WaveJudge als unabhängige Analyseplattform

Das Herzstück der Kooperation bilden Keysights WaveJudge Wireless Analyzer (WJ5000A/WJ5900A), die als unabhängige Drittanbieterlösung sowohl gNB- als auch UE-Signale dekodieren und analysieren können. Die Plattform deckt Frequenzbereiche von 380 MHz bis 6 GHz ab, erweiterbar auf 11,4 GHz oder Millimeter-Wellen-Bereiche, und unterstützt Bandbreiten von bis zu 800 MHz pro HF-Port.

Die Multi-Vendor-Interoperabilitätsanalyse stellt eine der wichtigsten Funktionen dar, da WaveJudge Signale verschiedener Hersteller unabhängig dekodiert und Diskrepanzen zwischen erwartetem und tatsächlichem Verhalten hervorhebt. Dies beschleunigt die Problemidentifizierung zwischen verschiedenen Anbietern erheblich, da Entwickler nicht auf proprietäre Tools des jeweiligen Partners angewiesen sind.

Das Real-Time Over-the-Air-Monitoring ermöglicht es, Protocol- und Physical-Layer-Interaktionen in Echtzeit während des Betriebs zu erfassen und zu analysieren. Entwickler können damit Live-Verbindungen überwachen und Performance-Issues sofort lokalisieren, ohne den Testaufbau zu unterbrechen.

Für die geplanten breitbandigen 6G-Kanäle bietet die Plattform Unterstützung für 400-MHz-Kanalbandbreiten mit bis zu acht synchronisierten HF-Ports. Dies ist entscheidend für die Validierung von Carrier Aggregation und die Analyse von Interferenzmustern in Ultra-Breitband-Szenarien.

Die detaillierte Multi-Layer-KPI-Analyse liefert Kennzahlen wie RNTI, IMSI, Sendeleistung und EVM pro Nachricht über alle Protokollschichten hinweg. Entwickler erhalten damit granulare Einblicke in Verbindungsqualität und können die Auswirkungen einzelner 6G-Features quantifizieren.

Besonders wichtig ist die Massive MIMO-Validierung, da die Plattform bis zu acht synchronisierte Empfangspfade für die Analyse erweiterter MIMO-Konfigurationen unterstützt. Damit lassen sich Beamforming-Algorithmen charakterisieren und die räumlichen Signaltrennung in dichten Antennenfeldern validieren.

Neue Protokollversionen schnell integrieren

Da sich 6G-Standards noch entwickeln, bietet WaveJudge die notwendige Draft-Standard-Flexibilität, um neue Protokollversionen schnell zu integrieren. Entwickler können damit verschiedene Implementierungsvarianten testen, ohne auf finale Standarddokumente warten zu müssen.

Bei der 6G-Entwicklung ist die Komplexität von Interoperabilitätstests in einer Multi-Vendor-Umgebung mit sich entwickelnden Standards das zentrale Thema. David Bjore von Ericsson betont die Effizienzgewinne: „Durch die Zusammenarbeit mit Keysight konnten wir Probleme effizienter lösen und tiefere Einblicke in die Leistung neuer 6G-Konzepte gewinnen.“

Für die Industrie bedeutet dieser Ansatz eine Beschleunigung der 6G-Entwicklung. Statt sequenziell erst Standards zu finalisieren und dann Hardware zu entwickeln, können beide Prozesse parallel ablaufen. Lucas Hansen von Keysight erklärt: „Durch die enge Zusammenarbeit mit Ericsson ermöglichen wir die frühzeitige Erforschung neuer Ideen parallel zum Prozess der Standardentwicklung.“ (heh)

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