Regenerative Energien und Elektromobilität Lithium, Kobalt und Nickel: Der Kampf um die kritischen Metalle

Von Dipl.-Ing. (FH) Hendrik Härter 3 min Lesedauer

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Es ist ein Kampf zwischen kritischen Rohstoffen wie Lithium einerseits und dem Ausbau regenerativer Energien andererseits. Aufgrund der Verknappung der kritischen Metalle werden allein für Lithium bis 2035 mehr als 74 neue Abbaustätten benötigt.

Lithium als Energiespeicher: Für den Ausbau regenerativer Energien und der Elektromobiliät sind bis 2035 74 neue Lithiumabbaustätten notwendig.(Bild:   Dimitrios K /  Pixabay)
Lithium als Energiespeicher: Für den Ausbau regenerativer Energien und der Elektromobiliät sind bis 2035 74 neue Lithiumabbaustätten notwendig.
(Bild: Dimitrios K / Pixabay)

Die Internationale Energieagentur (IEA) hat diese Woche eine Zwischenbilanz über die Entwicklung nachhaltiger Technologien zur Erreichung der Klimaziele des Pariser Abkommens gezogen. Im Fokus stand der Fünfjahreszeitraum von 2017 bis 2022. Die Bilanz fällt zunächst durchaus positiv aus. So hätten die Fortschritte bei regenerative Energien, Elektroautos oder Wärmepumpen gezeigt, wie schnell sich Gesellschaften verändern können. Die Zahl der verkauften Elektroautos hat sich im Betrachtungszeitraum mehr als verzehnfacht. Ihr Anteil an den Neuzulassungen lag im vergangenen Jahr bereits bei 14 Prozent.

2022 war aber auch ein Rekordjahr für regenerative Energien wie Wind, Wasserkraft und Solarenergie. Die Kapazitäten wurden um 340 Gigawatt (GW) ausgebaut, wobei China weiterhin die Führungsrolle innehat. Verantwortlich für diese Erfolge sind sowohl sinkende Produktionskosten als auch verbesserte Technologien. Hinzu kommen die Anstrengungen der Regierungen, die beispielsweise mit Förderprogrammen wie dem Inflation Reduction Act (IRA) in den USA den Transformationsprozess vorantreiben.

Weiter steigende Nachfrage bei kritischen Rohstoffen

Doch das Tempo des Wandels reiche nicht aus, wenn man das Ziel einer globalen Erwärmung von maximal 1,5 Grad Celsius erreichen wollen. Hier sei es nötig, dass neben Europa, Nordamerika und China auch andere Regionen größere Anstrengungen unternehmen.

Dazu kämen laut IEA zudem Probleme auf der Angebotsseite. Das zeigt der Blick auf die dynamischen Entwicklungen bei kritischen Rohstoffen. So sei die Gesamtnachfrage nach Lithium zwischen 2017 und 2022 um das Dreifache gestiegen. Im Kobaltmarkt liege das Wachstum auf der Nachfrageseite bei 70 Prozent und bei Nickel, wo vor allem Russland als Anbieter eine dominante Marktstellung innehat, bei 40 Prozent.

74 neue Lithiumabbaustätten bis 2035

Das Problem sei, dass das Angebot mit dem Tempo des Wandels nicht mithalten könne. Dazu seien wesentlich höhere Investitionen in Bergbauprojekte und Bergbauunternehmen notwendig. Als wichtigsten Faktor sieht die Organisation die Nachfrage aus dem Energiesektor. Bestes Beispiel ist die Energiespeicherung. So wird Lithium nicht nur für Akkus in Elektroautos benötigt, sondern kommt auch als Lithium-Ionen-Speicher in der Energieinfrastruktur zum Einsatz. Schließlich soll die Energie aus Wind und Sonne gespeichert werden können.

Wie knapp das Angebot und wie dringend der Ausbau allein bei Lithium ist, hat die IEA bereits im vergangenen Jahr in einer umfassenden Studie aufgezeigt. Demnach benötigt die Welt allein bis 2035 nicht weniger als 74 neue Lithiumabbaustätten mit einer durchschnittlichen Kapazität von 45.000 Tonnen pro Jahr. Einen ähnlichen Bedarf sieht die IEA auch für andere kritische Rohstoffe wie Kobalt, Nickel oder Grafit.

EU und das Rohstoffabkommen mit Chile

Die Europäische Union hat ein Rohstoffabkommen mit Chile auf den Weg gebracht. EU-Binnenmarktkommissar Thierry Breton und der chilenische Außenminister Alberto van Klaveren Stork unterzeichneten am Rande des Gipfels mit 33 lateinamerikanischen Staaten in Brüssel eine entsprechende Absichtserklärung. Die Europäer erhoffen sich vor allem Zugang zu den großen Lithiumvorkommen Chiles. Das schreibt der Spiegel. Hintergrund dabei ist, dass Europa unabhängiger von China werden will. Eine erst in diesem Jahr vorgelegte Scoping Study zeigt, dass in Chile eine Jahresproduktion in Höhe von 20.000 Tonnen Lithium über einen Zeitraum von 30 Jahren möglich ist.

Auch das Nachbarland Boliven will laut Staatschef Evo Morales „eine große Lithium-Industrie aufbauen, über 800 Mio. US-Dollar stehen dafür bereit“. Staatschef Morales will das Geschäft mit dem Lithium allerdings nicht den ausländischen Konzernen überlassen. Sie können sich beteiligen.

Argentinien wird im September offiziell zum Lithiumproduzenten. Das Management des kanadischen Bergbauunternehmens Livent hat bestätigt, seine erste Mine in dem Land in Betrieb zu nehmen. Die zweite soll kurz darauf folgen, denn Lithium Americas baut derzeit seine erste Lithiumanlage in dem südamerikanischen Land.

Mit Material von IEA, Spiegel und n-tv

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