Alternative Befestigungen für die Lebensmittelindustrie Kabelbinder: Es muss nicht immer Edelstahl sein

Von Martin Kandziora* 5 min Lesedauer

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Kabelbinder ist nicht gleich Kabelbinder. Das bezieht sich nicht nur auf die Qualität. In der Lebensmittelindustrie steigen die Anforderungen an Material, Farbe und Widerstandsfähigkeit, je näher die Komponente dem Lebensmittel kommt. So wird die Befestigungstechnik von der Stange zu einer Speziallösung für die Nahrungsmittel-Industrie.

Auf die Mischung kommt es an: 
Metalldetektierbare Kabelbinder oder Teile davon lassen sich leicht im Herstellungsprozess identifizieren.(Bild:  Panduit)
Auf die Mischung kommt es an: 
Metalldetektierbare Kabelbinder oder Teile davon lassen sich leicht im Herstellungsprozess identifizieren.
(Bild: Panduit)

Die Anforderungen an Produktionsanlagen in der Lebensmittel-Industrie sind vielfältig. Die verwendeten Medien, z.B. fest, flüssig, gasförmig, alkalisch, sauer oder Volumen, Form, Korngröße und Viskosität erschweren eine Standardisierung. Die Anwendungen unterscheiden sich schon bei den Reinigungsprozessen. Eine Molkereianlage wird grundlegend anders gereinigt als die Fertigung von Getreideflocken. Daher gelten für jede Produktionsanlage und jeden Prozess individuelle Qualitätsmaßstäbe.

Gemäß der DIN EN 1672-2 „Nahrungsmittelmaschinen – Allgemeine Gestaltungsleitsätze – Teil 2: Anforderungen an Hygiene und Reinigbarkeit“ lassen sich Lebensmittelbetriebe in drei Hygienebereiche einteilen:

  • Lebensmittelbereich/Hygienic Design Zone (Food): Dieser Bereich umfasst alle Oberflächen mit direktem Kontakt zum Lebensmittel sowie alle Oberflächen, von denen Lebensmittel durch Tropfen, Auslaufen oder Ausströmen zurück in den Produktstrom kommen.
  • Spritzbereich (Splash/Wash-Down): Diese Zone liegt in der Nähe offener Lebensmittel. Das Lebensmittel gelangt nicht zurück in den Produktstrom.
  • Nicht-Lebensmittelbereich (No Food): Alle anderen Bereiche.

Damit wird klar: Auch wenn man im Lebensmittelbereich tätig ist, geht man in der Verpackungs-Linie mit bereits verpackten Lebensmitteln um, wo keine Hygienegefahr besteht. Dort lassen sich standardmäßige Konstruktionskriterien für die effizientesten Kabelbinder anwenden.

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Speziell für die Lebensmittelindustrie hat das amerikanische Familienunternehmen Panduit drei Produktgruppen von Kabelbindern im Programm, die sich hinsichtlich der mechanischen, chemischen und thermischen Eigenschaften unterscheiden. Hier lohnt ein genauer Blick, denn der kann, je nach Einsatzgebiet, angesichts von Staub, Schmutz, Fett und Wasser, Vibrationen, Temperaturänderungen und chemischen Einflüssen entscheidend für die Funktion der Befestigungskomponente sein.

Metalldetektierbare Kabelbinder aus PA

Der metalldetektierbare Kabelbinder aus Polyamid (PA) 6.6, auch Nylon 6.6 genannt, ist sehr vielseitig und lässt sich sehr flexibel einsetzen. Die robuste Befestigungskomponente wurde entwickelt, um potenzielle Gefahren in sensiblen Bereichen zu eliminieren. Durch die Mischung aus PA 6.6 und Mini-Metallteilen sowie durch die hellblaue Farbe können Menschen oder spezielle Metalldetektoren die Kabelbinder leicht erkennen und finden.

So lassen sich die Kabelbinder oder Teile davon schnell detektieren, entfernen und grundsätzlich in jeder Produktionsphase einsetzen. Die Zugfestigkeit bei 23°C Umgebungstemperatur liegt bei 8,3 GPa (12.000 psi) gemäß der Testmethode nach ISO 527. Zudem sind die PA-6.6-Kabelbinder strahlungsfest und nehmen lediglich 1,2% Wasser innerhalb von 24 Stunden auf (Test nach ASTM D570).

Darüber hinaus bietet der Spezialist eine weitere metalldetektierbare Kabelbinderserie aus Polypropylen (PP) an. Diese dunkelblaue Serie nimmt gemäß genannter Testmethode 0,1% Wasser auf und ist zudem chemisch resistent gegenüber anorganischen und organischen Säuren, alkalischen Reinigungsmitteln sowie Desinfektionsmitteln und Reinigern. Damit eignet sich der PP-Kabelbinder bestens z.B. für die milch- und fleischverarbeitende Industrie.

Beide speziell für die Lebensmittindustrie entwickelten, metalldetektierbaren und flammhemmende Kabelbinderserien lassen sich bei Temperatur zwischen –40 bis 85°C bzw. bis 115°C bei Polypropylen dauerhaft verwenden.

Kabelbinder und Halterungen aus Edelstahl

Wenn Festigkeit, Vibration, Korrosion und extreme Temperaturen eine Rolle spielen, bieten Kabelbinder und Halterungen aus Edelstahl ein starkes, zuverlässiges System für die Kabelbündelung und mechanische Befestigung in der Lebensmittel- und Pharma-Industrie. Bei den Edelstahllösungen liegt das Augenmerk auf drei wesentlichen Elementen: Materialien, abgerundetes Design und patentiertes Verschluss-System mit eingesetzter Edelstahlkugel für nahezu ewigen Halt.

Die Befestigung aus Edelstahl wird aus dem austenitischen Chrom-Nickel-Edelstahl X5CrNi18-10 (AISI 304) sowie dem austenitischen Chrom-Nickel-Edelstahl X5CrNiMo17-12-2 (AISI 316) gefertigt.

Beide Serien sind somit besonders korrosions- und flüssigkeitsbeständig, auch bei häufigen Reinigungsprozessen. Im Gegensatz zum X5CrNi18-10 enthält der X5CrNiMo17-12-2 zwei bis drei Prozent Molybdän. Durch den Molybdän-Zusatz wird der Edelstahl noch beständiger gegenüber Korrosion und ist verschleißresistenter.

Diese Eigenschaften sind wichtig, wenn die Kabelbinder Chemikalien und Wasser – vor allem chlorierter oder salziger Art – ausgesetzt sind. Auch bei der Zugfestigkeit und dem Betriebstemperaturbereich punkten die Befestigungskomponenten aus Edelstahl. Durch eine im Kabelbinderkopf integrierte Edelstahlkugel erreicht man eine Zugfestigkeit bis zu 5.338 MPa.

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Das System ist patentiert und die Komponenten unter UL E56854 zertifiziert. Selbst bei dauerhaften Arbeitstemperaturen bis 538°C bleibt der Edelstahl-Kabelbinder an Ort und Stelle. Da die Kanten des Edelstahl-Kabelbinders abgerundet sind, setzen sich Wassertropfen nicht ab und auch beim „Durchziehen“ des Kabelbinders durch die Hand wird die Verletzungsgefahr auf ein Minimum reduziert.

Leitungsschutzschalter: Slicer mit Sicherheit warten

Damit man beispielsweise einen Slicer sicher warten kann, sperrt die PSL-CB-Universalverriegelung (Bild 2) für Leitungsschutzschalter den Leitungsschalter. Die kompakten und universellen Komponenten sind für raue industrielle Umgebungen entwickelt, lassen sich schnell anwenden und sorgen für mehr Sicherheit.

Spannungsfreiheitsprüfer VeriSafe (Bild 3): Das System minimiert das Risiko elektrischer Gefahren, indem es die Spannungsfreiheit des Schaltschranks oder der elektrischen Ausrüstung überprüft. Mit VeriSafe 2.0 stellen auch Operatoren an der Lebensmittelmaschine automatisch sicher, dass der gesamte Prüfprozess gemäß NEC, festgelegt im NFPA 70E, eingehalten wird. Mit praktisch einem Knopfdruck erreicht man geprüfte Sicherheit sowohl bei 3- als auch bei 1-phasigen Anwendungen im erweiterten Spannungsbereich bis 1.000 V für 690-V-Wechsel- und Gleichstrom-Anwendungen. Das ausfallsichere Design verwendet aktive Anzeigen für den Anlagenstatus und erfüllt die Sicherheitsfunktionen gemäß SIL 3 (IEC 61508-1).

Globale Einsatzfähigkeit dank UL-Zertifizierung

Die thermischen Eigenschaften der Kabelbinder wurden getestet und gemäß UL 746B für die maximale Temperatur bei Dauernutzung zertifiziert, gemäß UL 62275 für die minimale Installationstemperatur und gemäß UL 94 gegen Entflammbarkeit. Die Zertifizierung einzelner Bauteile wie die metalldetektierbaren Kabelbinder erleichtern den Export z.B. von Lebensmittelmaschinen in die ganze Welt. Weitere offizielle Testmethoden bescheinigen den Produkten u.a. die Formbeständigkeit, die Nicht-Toxizität der Rauchgase sowie Halogenfreiheit laut IEC-Spezifikation 61249-2-21.

Alle metalldetektierbaren Kabelbinder und die Edelstahl-Kabelbinder erfüllen die HACCP-Grundsätze („Hazard Analysis and Critical Control Points“) und werden mit Zubehör aus denselben Materialien angeboten, z.B. Sockeln.

Die Kabelbinder lassen sich mit ergonomischen Handwerkzeugen wie der GT-Serie installieren. Die Tools verhindern das Abfallen der abgeschnittenen Kabelbinder-Spitzen während der Installation und schließen so eine Kontamination des Lebensmittelguts aus. Alle Kabelbinder-Installationswerkzeuge kommen mit einer Zugkraft-Messung für konsistente Ergebnisse und beschleunigen insgesamt die Montage für eine höhere Effizienz bei der Installation. Somit werden die Lösungen den hohen Kriterien in der Lebensmittelindustrie gerecht. (kr)

* Martin Kandziora ist Senior Manager Marketing EMEA bei Panduit in Schwalbach.

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