Wegen des rasant wachsenden Chip-Bedarfs in Europa will der weltgrößte Halbleiterfertiger TSMC möglicherweise eine IC-Fab in Deutschland bauen. Man sondiere gerade diese Option mit deutschen Hauptkunden, erklärt Konzernchef Mark Liu. Es wäre die erste Chipfabrik des Konzerns in Europa.
Sondierung: Nach Intel erwägt nun auch TSMC den Bau einer Fabrik für die Produktion dringend benötigter Halbleiter-Chips in Deutschland.
(Bild: TSMC)
Bislang hatte der weltweit größte IC-Auftragsfertiger abgestritten, Europa als Standort für eine neue Halbleiterfertigungsstätte in Betracht zu ziehen. Auf der diesjährigen Aktionärshauptversammlung am Montag erklärte Chairman Dr. Mark Liu nun genau das: Aufgrund des rasant wachsenden Chip-Bedarfs denkt Taiwan Semiconductor Manufacturing Company (TSMC) über den Bau einer Fab in Deutschland nach. Es wäre die erste Chipfabrik des Konzerns in Europa.
Laut einem Bericht der Nachrichtenagentur Reuters sagte Liu: „Wir prüfen Deutschland [als Standort] derzeit ernsthaft, aber der Prozess ist noch in einem sehr frühen Stadium.“ Man kommuniziere direkt mit den Hauptkunden in Deutschland, „um zu sehen, ob dies für sie die beste und effektivste Option ist“. Noch sei es aber zu früh, dies zu bestätigen.
EU: Mehr Unabhängigkeit von IC-Importen angestrebt
TSMCs Überlegungen fallen in eine Zeit, in der mehrere Staaten und Staatengemeinschaften – darunter die EU – darüber nachdenken, wie sie angesichts aktueller IC-Versorgungsengpässe ihre Abhängigkeit von geografisch weit entfernten Zulieferern verringern können.
Die Europäische Kommission hat bereits in den letzten Wochen und Monaten Gespräche mit globalen Chip-Herstellern wie Intel und eben TSMC über ein verstärktes Engagement in der EU geführt, um die lokale Halbleiterproduktion anzukurbeln. Ziel ist es, sich besser vor Beeinträchtigungen globaler Lieferketten zu schützen.
Besonders die Automotive-Branche – eine der Kernindustrien in Deutschland und Europa – ist vom anhaltenden Chipmangel betroffen. Gerade erst hat Daimler erneut für tausende Mitarbeiter Kurzarbeit angeordnet. An drei deutschen Standorten wird die Produktion zumindest teilweise unterbrochen. Betroffen sind Beschäftigte der Mercedes-Werke in Sindelfingen, Rastatt und Bremen, wie der Konzern am Dienstag in Stuttgart bestätigte.
Wegen fehlender Elektronikkomponenten hat auch Konkurrent BMW diese Woche die Autoproduktion in seinem Regensburger Werk unterbrochen. Eine Sprecherin hatte gegenüber dem Fachmagazin „Automobilwoche“ bestätigt, dass die Produktion nach einer geplanten Ferienwoche am 9. August wieder aufgenommen werden soll.
VW hingegen kämpft vor allem auf dem wichtigen chinesischen Markt mit der IC-Knappheit. Die Engpässe seien vorerst nicht ausgestanden, durch Zwischenlagern lasse sich kaum Zeit gewinnen, erklärte China-Chef Stephan Wöllenstein Ende letzter Woche gegenüber der Deutschen Presseagentur dpa. „Wir haben jetzt nicht mehr in dem Umfang wie im ersten Quartal die Chance, die benötigten Fahrzeuge noch aus unseren Festlagerbeständen abzupuffern“, erklärte er. „Die Fahrzeuge gehen von den Fabriken im Prinzip direkt an den Handel.“
Chipmangel in einigen Bereichen möglicherweise noch bis 2024
Die Halbleiterknappheit mit ihren negativen Folgen etwa für Autobauer wird sich nach Experteneinschätzung noch weit ins kommende Jahr hinziehen. In manchen Bereichen wie etwa Speicherchips dürfte sich die Lage erst mit der Inbetriebnahme neuer Produktionsstätten in den Jahren 2023 bis 2024 entspannen, sagte Alan Priestley von der Analysefirma Gartner der dpa. Die Erholung in einzelnen Branchen werde angesichts der verschiedenen Ursprünge der Probleme unterschiedlich verlaufen.
Stand: 08.12.2025
Es ist für uns eine Selbstverständlichkeit, dass wir verantwortungsvoll mit Ihren personenbezogenen Daten umgehen. Sofern wir personenbezogene Daten von Ihnen erheben, verarbeiten wir diese unter Beachtung der geltenden Datenschutzvorschriften. Detaillierte Informationen finden Sie in unserer Datenschutzerklärung.
Einwilligung in die Verwendung von Daten zu Werbezwecken
Ich bin damit einverstanden, dass die Vogel Communications Group GmbH & Co. KG, Max-Planckstr. 7-9, 97082 Würzburg einschließlich aller mit ihr im Sinne der §§ 15 ff. AktG verbundenen Unternehmen (im weiteren: Vogel Communications Group) meine E-Mail-Adresse für die Zusendung von redaktionellen Newslettern nutzt. Auflistungen der jeweils zugehörigen Unternehmen können hier abgerufen werden.
Der Newsletterinhalt erstreckt sich dabei auf Produkte und Dienstleistungen aller zuvor genannten Unternehmen, darunter beispielsweise Fachzeitschriften und Fachbücher, Veranstaltungen und Messen sowie veranstaltungsbezogene Produkte und Dienstleistungen, Print- und Digital-Mediaangebote und Services wie weitere (redaktionelle) Newsletter, Gewinnspiele, Lead-Kampagnen, Marktforschung im Online- und Offline-Bereich, fachspezifische Webportale und E-Learning-Angebote. Wenn auch meine persönliche Telefonnummer erhoben wurde, darf diese für die Unterbreitung von Angeboten der vorgenannten Produkte und Dienstleistungen der vorgenannten Unternehmen und Marktforschung genutzt werden.
Meine Einwilligung umfasst zudem die Verarbeitung meiner E-Mail-Adresse und Telefonnummer für den Datenabgleich zu Marketingzwecken mit ausgewählten Werbepartnern wie z.B. LinkedIN, Google und Meta. Hierfür darf die Vogel Communications Group die genannten Daten gehasht an Werbepartner übermitteln, die diese Daten dann nutzen, um feststellen zu können, ob ich ebenfalls Mitglied auf den besagten Werbepartnerportalen bin. Die Vogel Communications Group nutzt diese Funktion zu Zwecken des Retargeting (Upselling, Crossselling und Kundenbindung), der Generierung von sog. Lookalike Audiences zur Neukundengewinnung und als Ausschlussgrundlage für laufende Werbekampagnen. Weitere Informationen kann ich dem Abschnitt „Datenabgleich zu Marketingzwecken“ in der Datenschutzerklärung entnehmen.
Falls ich im Internet auf Portalen der Vogel Communications Group einschließlich deren mit ihr im Sinne der §§ 15 ff. AktG verbundenen Unternehmen geschützte Inhalte abrufe, muss ich mich mit weiteren Daten für den Zugang zu diesen Inhalten registrieren. Im Gegenzug für diesen gebührenlosen Zugang zu redaktionellen Inhalten dürfen meine Daten im Sinne dieser Einwilligung für die hier genannten Zwecke verwendet werden. Dies gilt nicht für den Datenabgleich zu Marketingzwecken.
Recht auf Widerruf
Mir ist bewusst, dass ich diese Einwilligung jederzeit für die Zukunft widerrufen kann. Durch meinen Widerruf wird die Rechtmäßigkeit der aufgrund meiner Einwilligung bis zum Widerruf erfolgten Verarbeitung nicht berührt. Um meinen Widerruf zu erklären, kann ich als eine Möglichkeit das unter https://contact.vogel.de abrufbare Kontaktformular nutzen. Sofern ich einzelne von mir abonnierte Newsletter nicht mehr erhalten möchte, kann ich darüber hinaus auch den am Ende eines Newsletters eingebundenen Abmeldelink anklicken. Weitere Informationen zu meinem Widerrufsrecht und dessen Ausübung sowie zu den Folgen meines Widerrufs finde ich in der Datenschutzerklärung, Abschnitt Redaktionelle Newsletter.
Auch Intel-Chef Pat Gelsinger rechnet damit, dass sich die globale Allokationssituation bei ICs über die nächsten Monate zuspitzt und Chips noch bis 2023 knapp sein könnten. Bei der Präsentation der Geschäftsergebnisse seines Unternehmens zum dritten Quartal sagte er: „Während ich erwarte, dass die Talsohle bei den Engpässen in der zweiten Jahreshälfte durchschritten wird, wird es noch ein oder zwei Jahre dauern, bis die Industrie die Nachfrage vollständig erfüllen kann.“
Bedingung für Fab-Bau: Öffentliche Subventionen
Ein Grund dafür ist, dass moderne Autos immer stärker elektrifiziert und mit elektronischen Hilfssystemen ausgestattet werden. In Oberklassefahrzeugen stecken mittlerweile nicht selten Chips für mehr als 1.000 US-Dollar, wie der Zentralverband Elektrotechnik- und Elektronikindustrie (ZVEI) unlängst berichtet hat. Demnach wächst der Bedarf an Halbleitern für Autos in den nächsten Jahren um durchschnittlich knapp 12 %. Der Gesamtwert der Chips in Fahrzeugen werde von 50 Mrd. US-Dollar im vergangenen Jahr auf 87,4 Mrd. Dollar 2025 zunehmen.
Diese rasch steigende Nachfrage ist ein Grund, warum Intel ebenfalls über den Bau einer Fab in Europa nachdenkt – und möglicherweise Bayern als Standort wählt. Doch wie auch TSMC macht Intel zur Bedingung, dass sich Staat und möglicherweise auch Unternehmen der Branchen an den enormen Kosten für den Bau und Betrieb einer modernen IC-Fertigung beteiligen. Allein der Bau kann mehrere Mrd. US-Dollar kosten, bei neusten CMOS-Prozesstechnologien sogar zweistellige Milliardensummen verschlingen.