Ressourcensicherheit Japan auf der Suche nach Seltenerdschlamm im entlegenen Atoll

Von Susanne Braun 3 min Lesedauer

Die Sorge vor Knappheit bei seltenen Erden treibt Nationen weltweit zur Suche nach alternativen Ressourcenquellen an. Japan hat eine Mission gestartet, in deren Rahmen Seltenerdschlamm am entlegenen Atoll Minamitorishima besonders erfolgsversprechend erscheint.

Das Tiefseeforschungsschiff Chikyu.(Bild:  Jamstec)
Das Tiefseeforschungsschiff Chikyu.
(Bild: Jamstec)

Seltene Erden sind essenzielle Materialien für die Herstellung von Hochleistungsmagneten, die vor allem in der Elektromobilität, Windkraft und Robotik zum Einsatz kommen. Daneben finden Elemente wie Yttrium, Europium oder Lanthan Verwendung in Displays, Leuchtmitteln und Katalysatoren. Metalle aus der Gruppe der seltene Erden sind zwar gar nicht so selten, wie der Name vermuten lässt, allerdings handelt es sich um Materialien, die nicht hergestellt, sondern ausschließlich aus mineralischen Lagerstätten gewonnen werden können. Wer die Ressourcen für seine Anwendungen nutzen will, ist entsprechend von Ländern mit entsprechenden Vorkommen abhängig.

Rund 90 Prozent der globalen Verarbeitungskapazitäten für seltene Erden werden von der Volksrepublik China beherrscht. Wenn die chinesische Regierung, etwa als Druckmittel im Chipkrieg mit den USA, die Exporte der Seltenerdwaren beschränkt oder komplett einstellt, dann wird es recht schwierig, eine Ersatzquelle zu finden.

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Auf der Suche nach neuen Lagerstätten

Viele Länder beabsichtigen, sich nicht weiter von den Vorkommen Chinas abhängig zu machen, und suchen deswegen nach alternativen Quellen. Entsprechend groß war die Begeisterung, als in der Mine im nordschwedischen Kiruna Seltenerdmetalle gefunden worden sind. Oft wird dabei übersehen, dass es aufgrund von Genehmigungen und anderen Umständen noch eine bis zwei Dekaden dauern kann, bis in der Bergbaustadt erstmals Seltenerdmetalle gewonnen werden.

Maßnahmen anderer Länder oder Unternehmen gewinnen ebenfalls an Bedeutung, etwa die Seltenerdoxidherstellung von Lynas Rare Earths in Australien. In Japan beabsichtigt man, vielversprechende Schlämme vom Meeresgrund aus dem entlegenen Atoll Minamitorishima, Japans östlichstem Punkt, zu untersuchen.

Seltenerdschlamm als Meeresbodenmineralressource

Eine der 14 Missionen der Initiative „Programms zur Förderung strategischer Innovationen“ (SIP, sinngemäß aus dem Japanischen übersetzt) namens SIP Ocean ist am 11. Januar 2026 gestartet und bis zum 14. Februar geplant. Der Kurs wurde auf Minamitorishima gesetzt, denn dort enthält der Meeresboden Seltenerdschlamm mit besonders hohen Konzentrationen an Seltenerdelementen. Im genannten Zeitraum gibt es demnach einen Verbindungstest für ein Abbausystem. Die Durchführung eines solchen Tests, so das SIP, in einer Meeresbodentiefe von etwa 6.000 Metern sei eine Weltpremiere.

„Diese Bemühungen zielen darauf ab, eine Lieferkette aufzubauen, die aus Sicht der wirtschaftlichen Sicherheit Japans zu einer stabilen Versorgung mit Seltenen Erden beiträgt, die für fortschrittliche Technologien unverzichtbare Mineralien sind“, erklärt Jamstec, Japans Agentur für Meeres- und Geowissenschaften..

Abbau mit Blick auf die Meeresumwelt

Bei dem im Rahmen von SIP Ocean entwickelten Abbauverfahren handelt es sich um ein geschlossenes Kreislaufsystem für den Abbau von Seltenerdschlamm. Es integriert proprietäre Technologie in das „Schlammwasser-Kreislaufverfahren“, das ebenfalls bei der Offshore-Öl- und Erdgasförderung eingesetzt wird. Es ermöglicht die Auflösung von Schlamm, die Sammlung von Schlamm unter dem Meeresboden und den Transport von Schlamm vom Meeresboden zum Schiff. Da es als geschlossenes System arbeitet, verhindert es das Austreten und die Ausbreitung von Schwebstoffen, die beim Abbau entstehen. Um die Auswirkungen des Abbaus auf die Meeresumwelt zu untersuchen, wird außerdem eine gleichzeitige Überwachung auf dem Meeresboden und an Bord des Schiffes unter Verwendung der von SIP Ocean herausgegebenen internationalen Norm ISO durchgeführt.

Dieser Versuch ist der erste Schritt in Richtung der für Februar 2027 geplanten großangelegten Bergbauversuche der Unternehmung, die auf den gesammelten technologischen Entwicklungen und operativen Fachkenntnissen aufbauen. „Die Ergebnisse dieses Versuchs werden weltweit Aufmerksamkeit erregen und einen bedeutenden Schritt zur Etablierung der japanischen Lieferkette für seltene Erden darstellen“, zeigt sich das Konsortium optimistisch. (sb)

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