China strebt nach der Selbstversorgung mit Halbleitern und dem Aufbau des dazugehörigen Ökosystems. Für europäische Firmen ist es da interessant zu wissen, wo sich welche Produktionscluster mit welchem Fertigungsschwerpunkt befinden.
China investiert stark in das heimische Halbleiter-Ökosystem. Wer daran teilhaben will, sollte vorher wissen, wo sich welcher Cluster befindet und welche Technologie er vorantreibt.
(Bild: Dall-E / KI-generiert)
Chinas Aufholjagd bei Halbleitern hat eine regulatorische und eine geografische Komponente. Durch die Boykotte aus den USA und der EU unter Druck gesetzt, erlässt die Zentralregierung in Peking Aktionspläne und ein umfangreiches Regelwerk, um die eigene Chipindustrie weiter auszubauen. Diese Vorgaben werden dann in den Provinzen mit unterschiedlichen Schwerpunkten umgesetzt. Im 15. Fünfjahresplan der Zentrale, der für die Jahre 2026 bis 2030 gilt, sind die Selbstversorgung mit Halbleitern und der Aufbau sämtlicher damit verknüpfter Lieferketten zentrale Themen.
Der Plan ist noch nicht einmal offiziell verabschiedet, da wird er bereits in lokale Fünfjahrespläne der Provinzen gegossen, wo gezielt Cluster der Halbleiterindustrie mit dem Versuch einer schrittweisen Spezialisierung ausgebaut werden. Die lokalen Regierungen führen derzeit differenzierte Fünfjahrespläne „auf Grundlage ihrer jeweiligen industriellen Basis“ ein, wie das Fachportal der Chipindustrie Bandaoti Hangye Zongheng schreibt.
Die verschiedenen Regionen Chinas konkurrieren zwar miteinander als Standorte, doch es sei ein „differenzierter Wettbewerb“, der von Peking gesteuert zu viel Redundanz verhindern soll. Mit anderen Worten: Es soll verhindert werden, dass überall dasselbe produziert wird und der Wettbewerb innerhalb Chinas zu stark wird, wie dies bereits in einigen anderen Industrien zu beobachten ist. Die Kenntnis dieser neuen Schwerpunkte der regionalen Cluster ist für europäische Firmen, die nach China liefern oder dort produzieren, von entscheidender Bedeutung.
Chipcluster in Shanghai, Jiangsu und Zhejiang
Welche Chipcluster gibt es in China? Und welcher konzentriert sich auf welche Technologie?
(Bild: Asia Waypoint)
Sieht man sich an, wo im Moment am meisten in die Halbleiterindustrie investiert wird, so sind die wichtigsten Chipcluster Shanghai und das Mündungsdelta des Jangtsekiang mit den Provinzen Jiangsu und Zhejiang, gefolgt von der Hauptstadt Peking und einem erstaunlichen Aufsteiger der jüngeren Zeit, der Provinz Hubei. Zwei weitere wichtige regionale Cluster sind im Perlflußdelta und in Sichuan/Gansu zu finden.
Allein die drei Cluster im Delta, also Shanghai, Jiangsu und Zhejiang, ziehen zusammengerechnet mehr als die Hälfte aller Neuinvestitionen in die Industrie an. Die geografische Konzentration der Halbleiterfertigung in China wird noch deutlicher, wenn man sieht, dass die oben genannten fünf Regionen mehr als 80 Prozent sämtlichen Kapitals anziehen, obwohl China insgesamt 21 Provinzen und Städte auf Provinzebene hat.
Unterschiedlich gewichtete Chip-Schwerpunkte
Shanghai und das Jangtse-Delta sind traditionell die Hochburgen des Foundry-Geschäfts in China, und die größten Hersteller wie SMIC sind hier zu finden. Peking und das angrenzende Tianjin haben eine Stärke im Chip-Design und bauen auf die vielen Absolventen ihrer führenden Universitäten.
Das Perlflussdelta wiederum, zu dem in diesem Kontext auch Guangzhou und Shenzhen sowie das jeweilige Hinterland gerechnet werden, ist für Fabless-Design und das Outsourcing der Fertigung in spezialisierte Foundries bekannt. Die anderen regionalen Cluster wie die in der Provinz Sichuan (einschließlich des angrenzenden Gansu) oder auch die aufstrebenden Technologie-Hotspots in Hubei und Anhui wachsen durch eine noch stärkere Spezialisierung auf einzelne Zukunftstechnologien.
Ein anschauliches Beispiel ist hier das hochambitionierte Anhui mit seinem Schwerpunkt auf dynamischen Speicherchips und seinem gerade beschlossenen Fokus auf die Verzahnung von künstlicher Intelligenz, Halbleiter- und Quantenindustrie.
Insgesamt sind Peking, Shanghai und Shenzhen mit ihren Ökosystemen bei Logik-Chips führend (SMIC, Huahong, Huawei), während Wuhan in Hubei und Hefei in Anhui bei der Herstellung von Memory-Chips glänzen (YMTC, CXMT). Chinas Zentralplaner wenden beim gezielten Aufbau von Clustern ein Prinzip an, das in der Ära des großen Reformers Deng Xiaoping für die gesamte Bevölkerung gegolten hatte: „Lasst einige zuerst reich werden.“ Gemeint sind diesmal einige Regionen und Industriecluster, die hoffentlich in einigen Jahren dem ganzen Land allmählich ein technologisches Upgrading und ein schnelleres BIP-Wachstum bescheren.
Wichtig: Der Blick in die Fünfjahrespläne
Wer in China in den kommenden Jahren geschäftlich erfolgreich sein will oder sogar nach dem geeigneten Standort für Produktionslinien sucht, ist gut beraten, sich die einzelnen Fünfjahrespläne im Detail anzusehen. Shenzhen etwa führt in seinem Plan integrierte Schaltkreise insgesamt als strategische Industrie an und nennt darüber hinaus konkrete disruptive und asymmetrische Technologien. Hier möchte man zum „First Mover“ werden und ganz weit oben bei den fortgeschrittenen Halbleitern mitspielen.
Stand: 08.12.2025
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Auch die Provinz Zhejiang legt in ihrem Fünfjahresplan den Ehrgeiz offen, schon bald Durchbrüche im Bereich von 3 bis 7 Nanometern erzielen zu wollen, und setzt zudem auf spezielle Segmente wie KI-Chips und solche mit RISC-Architekturen der jüngsten Generation.
Peking fördert gleich mehrere lokale Cluster. Da wäre der nördliche Bezirk Haidian, der manchmal das „Silicon Valley Chinas“ genannt wird und sich ab jetzt verstärkt um Basisforschung bei Chiparchitekturen, modernste Halbleiter und EDA-Software kümmern will. Dort liegt auch der Stadtteil Zhongguancun mit seiner großen Dichte an Hightech-Firmen, in direkter Nachbarschaft zu einigen der Top-Universitäten des Landes.
Und dann ist da noch der Vorort Yizhuang im Süden Pekings, dessen Beijing Economic Technological Development Area (BDA) mit ihrer Chipindustrie sowie mit Robotik und Automation, autonomem Fahren und weiteren Hightech-Industrien seit Jahren im Schnitt um acht Prozent pro Jahr wächst. Dies ist einer von mehreren chinesischen Hotspots für verkörperte Intelligenz („embodied AI“), die von der Zentrale ebenfalls ins Zentrum der Bemühungen der kommenden fünf Jahre gestellt worden ist.
In Shanghai liegt der Fokus neben den existierenden Foundries neuerdings sehr stark auf der Verzahnung der Chipindustrie mit KI. Mithilfe von Programmen wie „Model-Driven Shanghai“ soll etwa die Entwicklung vertikaler KI-Modelle gefördert werden, während gleichzeitig die Forschung an hochwertigen KI-Chips vorangetrieben wird.
Für CEOs und Strategie-Manager in Europa geben die differenzierten Technologiepläne dieser Halbleiter-Regionen einerseits wichtige Hinweise für die Suche nach neuen Kunden und Absatzmärkten, andererseits auch konkrete Anleitungen für die Anpassung der eigenen Unternehmensstrategie an Wachstumschancen in China. (sb)