Intel plant eine Investition von 30 Milliarden Euro. Dafür soll im High-Tech Park in Sachsen-Anhalt bei Magdeburg ein Chipfabrik-Projekt entstehen. Die jüngsten Berichte über eine Krise bei Intel lassen die Frage aufkommen, ob diese Investition noch gesichert ist. Davon ist sehr wahrscheinlich auszugehen.
Branchenkenner werden vermutlich nicht daran zweifeln, dass das Intel-Projekt bei Magdeburg realisiert wird.
(Bild: Intel Corporation)
Intel plant eine milliardenschwere Investition in den Bau eines hochmodernen Chipfabrik-Standorts in der Nähe von Magdeburg, Sülzetal und Wanzleben-Börde, die ein entscheidender Teil der europäischen Halbleiterstrategie werden soll. Bis zu 30 Milliarden Euro sollen fließen, für zwei Chipfabriken, in der nach einer gewissen Anlaufzeit wohl auch einer der fortschrittlichsten Fertigungsprozesse von Intel zum Einsatz kommen soll, nämlich 18A.
Die Investition in die Fab sowie in den High-Tech-Park, der weitere Unternehmen anlocken soll, ist für Deutschland und Europa von großer wirtschaftlicher Bedeutung. Schließlich geht es um die Einrichtung einer ganzheitlichen Halbleiterproduktion, um die Abhängigkeiten von der Fertigung in Asien und in den USA zu verringern und die Lieferketten Europas widerstandsfähiger zu machen. Das Projekt der Intel-Fabrik im High-Tech-Park Sachsen-Anhalt steht allerdings vor mehreren Herausforderungen.
Krisenmodus bei Intel
Die globale wirtschaftliche Unsicherheit, verstärkt durch schwankende Nachfrage und geopolitische Spannungen, hat den Druck auf Intel spürbar erhöht. Insbesondere Anfang August 2024 überraschten die Verantwortlichen des Unternehmens die Öffentlichkeit und insbesondere die mehr als 100.000 Angestellten mit der Ankündigung von Sparmaßnahmen, nachdem bereits im April für das Jahr 2023 große Umsatzverluste für den Bereich der Auftragsfertigung bekannt geworden waren. Es stehen im Rahmen von Restrukturierungsmaßnahmen bis zu 15.000 Arbeitsplätze auf dem Spiel; rund 10 Milliarden US-Dollar sollen eingespart werden.
Bekannt wurde da auch, dass Intels Verantwortliche etwa über den Verkauf von den Anteilen am britischen Chip-Hersteller Arm wieder Geld reingeholt haben. Nur: Knapp 150 Millionen US-Dollar, die vermutlich mit dem Verkauf der Arm-Aktien gemacht wurden, sind wahrscheinlich nur ein Tropfen auf dem heißen Stein.
Es wird auch an anderer Stelle gespart. Intels geplante Investitionen stellen einen der Treiber des Ausbaus der Chip-Kapazitäten in Europa dar. Neben der Fab in Deutschland stehen außerdem noch Projekte in Irland und Polen auf dem Plan. Vorerst pausiert sind wiederum zwei kleinere Investitionsbemühungen in Frankreich (für ein R&D-Zentrum für künstliche Intelligenz und Hochleistungscomputing) und in Italien (für eine Chipfabrik). Man konzentriere sich vorerst auf die Bestrebungen in Deutschland und Polen, hieß es im Juli 2024 gegenüber den Autoren von Politico. Beide Facilitys sollen, sobald die Produktion angelaufen ist, eng zusammenarbeiten.
Ein Plan B kann nie schaden
Könnten diese ambitionierten Pläne allerdings in Gefahr sein? Diese Theorie haben einige Medien publikumswirksam aufgestellt, nachdem bekannt geworden ist, dass die Linksfraktion im Landtag eine Große Anfrage gestellt hat. Rund 100 Fragen wurden gestellt, um unter anderem in Erfahrung zu bringen, wie die Landesregierung reagiert, sollte Intel sich als Ankerinvestor zurückziehen. „In diesem Szenario ist die Vermarktung der Flächen an alternative Industrie- und Gewerbeunternehmen vorgesehen“, lautet die kurze Antwort.
Die Lange lässt sich in einem 68 Seiten umfassenden PDF nachlesen. In einer Frage zur gegründeten High-Tech Park Sachsen-Anhalt GmbH auf Seite 12 heißt es als Antwort auf Frage 8: „Der unwahrscheinliche Fall, dass weder Flächenverkäufe bzw. -vermietungen noch Veräußerungen von Geschäftsanteilen realisierbar sind, ist allenfalls bei Absage des Ankerinvestors Intel denkbar. In diesem Szenario ist die Vermarktung der Flächen an alternative Industrie- und Gewerbeunternehmen vorgesehen.“
Des Weiteren lässt sich beim Studium des Dokuments herausfinden, dass „die Inhalte des öffentlich-rechtlichen Zuwendungsvertrags zwischen dem Bund und Intel gegenwärtig Gegenstand noch andauernder Verhandlungen“ sind. Sprich: Die von der Regierung angekündigten Fördergelder in Höhe von knapp 10 Milliarden Euro für Intel sind bisher nicht in ganz trockenen Tüchern.
Es mag stellenweise hinsichtlich der Investitionspläne von Intel Besorgnis geben. Vielleicht sehen die Zahlen des Unternehmens aktuell nicht ganz so rosig aus. Doch die Halbleiterbranche, so formulieren es auch die Autoren von Heise, ist in ständiger Bewegung und kann im Jahr 2027 gänzlich anders aussehen – ab dem Jahr soll die Produktion im Magdeburger Werk anlaufen und die jüngst beschlossene Fokussierung auf die Auftragsfertigung unterstützen.
Stand: 08.12.2025
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Trotz der Anpassung von Investitionsplänen in anderen europäischen Ländern deutet vieles darauf hin, dass Intel weiterhin entschlossen ist, die Fabrik in Magdeburg zu realisieren. Oder anders formuliert: Es gibt bislang keinerlei Hinweise, dass sich das Unternehmen zurückziehen könnte. Zudem gehen die Vorbereitungen vor Ort weiter. Vor wenigen Tagen, am 16. August 2024, begannen etwa der Ausbau der L50 für knapp vier Millionen Euro, die die Verkehrsanbindung für den High-Tech-Park sichern soll. (sb)