Aus- und Weiterbildung Ingenieure in der Leistungselektronik – Anforderungen und Erfahrungen aus einem komplexen Arbeitsgebiet

Autor / Redakteur: Uwe Scheuermann* / Gerd Kucera

„Fundiertes Grundlagenwissen zu vermitteln und interdisziplinäre Zusammenarbeit zu schulen ist für die Ausbildung wichtiger, als durch Schaffung immer neuer Studiengänge zu versuchen, die rein fachlichen Kenntnisse an Bedürfnisse der Industrie anzupassen.“ Diese Auffassung vertritt Uwe Scheuermann, Department Manager Product Reliability beim Leistungshalbleiterhersteller SEMIKRON und Lehrbeauftragter an der Uni Erlangen-Nürnberg.

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„Als langjähriger Mitarbeiter eines Herstellers von Leistungskomponenten werde ich oft gefragt, welche Kenntnisse und Fähigkeiten Studenten mitbringen sollen, um für eine erfolgreiche Laufbahn als Ingenieur in der Leistungselektronik bestens vorbereitet zu sein. Die Antwort auf diese Frage ist fassettenreich und hängt davon ab, wer sie stellt.

Sind es Schüler oder Studenten, die sich dazu erkundigen, dann bekämen sie folgende Antwort: Wahrscheinlich ist ein Studium der Elektrotechnik naheliegend; aber auch andere Studienrichtungen wie Werkstoffwissenschaften, Maschinenbau oder Physik sind fast genau so gut geeignet. Elektrotechnik hat den Vorteil, dass die Ausbildung mehr Kenntnisse darüber vermittelt, welche Funktionen leistungselektronische Komponenten in der Anwendung erfüllen müssen. Andererseits ist es manchmal geradezu von Vorteil, wenn Absolventen anderer Fachrichtungen bei der Arbeit im Team völlig neue Perspektiven und Methoden einbringen und so die traditionellen Lösungsstrategien erweitern.

Interdisziplinäre Team-Arbeit ist Pflicht

Dr. rer. nat. Uwe Scheuermann ist Lehrbeauftragter an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg, Lehrstuhl für Elektrische Antriebe und Maschinen (Archiv: Vogel Business Media)

Die Arbeit in der Entwicklung, der Produktion und dem Vertrieb leistungselektronischer Komponenten wird nämlich heute ausschließlich in Teamarbeit geleistet von einer Vielzahl von Fachleuten mit unterschiedlichem Ausbildungshintergrund. Es ist also wichtig, dass Studenten bereits in ihrer Ausbildung lernen, mit Experten aus anderen Fachgebieten gemeinsam an Projekten zu arbeiten. Solche interdisziplinäre Zusammenarbeit bereits im Studium zu üben scheint mir wichtiger, als durch die Schaffung immer neuer Studiengänge zu versuchen, die rein fachlichen Kenntnisse an Bedürfnisse der Industrie anzupassen. Denn der Arbeitsalltag eines Ingenieurs in der Leistungselektronik konfrontiert ihn täglich mit neuen Fragestellungen, deren Antworten in keinem Textbuch oder keiner Vorlesung zu finden sind, sodass ständiges Lernen neuer Zusammenhänge zu seinen täglichen Aufgaben zählt. Aber das macht ja auch diese Tätigkeit so ungeheuer spannend und abwechslungsreich.

Den Universitäten würde ich also antworten, dass es vor allem darauf ankommt, ein fundiertes Grundlagenwissen in dem jeweiligen Fachgebiet zu vermitteln. Einem Absolventen einer klassischen Studienrichtung mit einer soliden Ausbildung fällt es nach meiner Erfahrung oft leichter, sich in neue, vielfach fachfremde Aufgabenstellungen einzuarbeiten, als dem Absolventen eines modernen neu geschaffenen Spezialstudiengangs, der glaubt er habe in seinem Studium alle Grundkenntnisse erworben und bräuchte diese nur noch anzuwenden.

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