Reportage

Informatik und Maschinenbau statt Bomben und Terror

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Vom Sprachkurs bis zum Behördengang – die Unterstützung ist breit gefächert

In Bielefeld kümmert sich vor allem die ehemalige Lehrerin Ursula Reinartz um die jungen Menschen. Sie ist seit über 30 Jahren im Arbeitskreis Schule/Wirtschaft aktiv und betreut das Projekt Unternehmen: Jugend, an dem in Bielefeld aktuell etwa 20 junge Leute teilnehmen.

Die engagierte und resolute Frau hat Sipan und Khezer von Anfang an unter ihre Fittiche genommen. „Das Wichtigste ist für mich, junge Menschen, die teilweise mit nichts hier ankommen oder mit schrecklichen Erlebnissen, so zu unterstützen, dass sie ihren Weg weitergehen können.“

Der Jugendmigrationsdienst der AWO kümmert sich um Sprachkurse, motiviert zum regelmäßigen und engagierten Schulbesuch, während Ursula Reinartz bei Behördengängen hilft und Kontakte zu Unternehmen herstellt, Betriebserkundungen und Praktika organisiert, oder einfach nur mal als Gesprächspartnerin da ist. „Schließlich bringt jeder unterschiedliche Fähigkeiten und Voraussetzungen mit, je nach Lebenslage, die ich einzuordnen wissen muss“, so Reinartz.

Über „Future Camps“ Wege in die Arbeitswelt finden

Ein wichtiger Bestandteil des Projektes sind die eigens konzipierten „Future Camps“. In diesen sechs aufeinander aufbauenden zweitägigen Workshops trainieren die Jugendlichen unter anderem ihre Schlüsselkompetenzen, kommen mit Ausbildungsleitern, Personalverantwortlichen und Auszubildenden lokaler Unternehmen in Kontakt, erhalten Unterstützung bei der eigenen Berufsorientierung und lernen, Bewerbungsgespräche zu führen. „Über die Future Camps“, sagt Khezer, „bin ich mit den Stadtwerken Bielefeld in Kontakt gekommen, bei denen ich jetzt ein Vorpraktikum für das Studium machen werde.“

Die erfahrene Berufswahlkoordinatorin Ursula Reinartz ist nach mehr als drei Jahren Unternehmen: Jugend sicher: „Kein anderes Projekt hat in kürzester Zeit so viele Jugendliche in schulische oder berufliche Ausbildung gebracht.“ Sie hofft daher, „dass die Finanzierung des Projektes möglichst ausgeweitet und somit wieder an mehr Standorten durchgeführt werden kann“. Förderer seien daher jederzeit willkommen.

Khezer und Sipan werden sich jetzt erst einmal voll auf ihr Studium konzentrieren, um Ingenieure zu werden. Eine Rückkehr in den Irak können sie sich im Moment nicht vorstellen. Im Gegenteil: „Deutschland hat uns schließlich geholfen“, sagen sie voller Überzeugung, „und da möchten wir das später natürlich zurückgeben und unsere jeweilige Qualifikation hier einbringen.“ Beide werden in diesem Jahr die deutsche Staatsbürgerschaft beantragen.

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